Dieser Baarer hat seine Weltreise zur falschen Zeit geplant

Der Baarer Sandro Büttel war seit dem 1. Dezember auf Weltreise mit dem Velo. Corona zwang ihn zum Rücktritt.

Tijana Nikolic
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Sandro Büttel hat seine Weltreise, die er auf dem Velo angetreten hatte, wegen Corona abbrechen müssen.
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Der Baarer hat sich auf seine Weltreise mit dem Velo über ein Jahr lang vorbereitet.
Auch seine Zeltausrüstung hatte der 33-Jährige dabei.
Büttel hatte eine zwei- bis dreijährige Weltreise geplant.
Seit dem 1. Dezember war der Baarer unterwegs.
Nun wartet Büttel ab, ob die Grenzen im Sommer wieder geöffnet werden. Dann würde er seine Reise fortsetzen.

Sandro Büttel hat seine Weltreise, die er auf dem Velo angetreten hatte, wegen Corona abbrechen müssen.

Bild: PD

Wo waren sie, als bei der Bundesratskonferenz in Bern am 16. März mit ernster Miene der Lockdown der Schweiz für mindestens einen Monat bekannt gegeben wurde? Viele waren da wahrscheinlich noch bei der Arbeit im Büro, in der Schule, beim Coiffeur oder in der Stammbeiz. Und auf einen Schlag änderte sich alles. Einige waren zu dem Zeitpunkt auch im Ausland und mussten zurückkehren. Zwei oder drei Wochen Ferien fielen so bei einigen ins Wasser, was schon ärgerlich genug ist. Der Baarer Sandro Büttel befand sich damals gerade in Georgien auf einer Weltreise mit dem Velo, auf die er sich über ein Jahr lang vorbereitet hatte. Los ging die Reise bereits letztes Jahr am 1. Dezember.

«Ich habe lange Zeit nicht viel über die globale Coronalage mitbekommen beim Reisen. Ich war jedoch mit einigen Leuten unterwegs, welche die Nachrichten verfolgt haben und so sind die Informationen über die geplanten Massnahmen auch zu mir durchgesickert», erinnert sich Büttel. Plötzlich habe es geheissen die Grenzen gehen zu und die Flüge in die Heimat werden gestrichen. «Ich entschied mich dann dafür gleich in die Schweiz zurückzufliegen. Einige der anderen Reisenden blieben noch eine Weile in Georgien, was ich im Nachhinein auch hätte machen sollen. Ich war zu dem Zeitpunkt einfach nicht genügend informiert», sagt der 33-jährige Büttel. Mittlerweile seien aber auch alle seine Kollegen von der Reise wieder in ihre Heimatländer wie Belgien oder England zurückgereist.

Einheimische wurden mit der Zeit sehr unfreundlich

Viel länger hätte er wohl gar nicht in Georgien bleiben wollen: «Die Einheimischen wurden sehr unfreundlich, da sie Touristen als Hauptverantwortliche für die Virusübertragung und Einschleppung von Covid-19 in ihr Land sahen», so Büttel. Die Velofahrer fühlten sich nach und nach nicht mehr wohl und folgten der Empfehlung, sich zurück in ihre Länder zu begeben.

Seither lebt Büttel bei seinen Eltern in Baar, weil er vor der Abreise im Dezember seine Wohnung gekündigt hatte. «Geplant habe ich für zwei bis drei Jahre um die ganze Weltkugel zu reisen und habe mich deshalb überall abgemeldet, meinen Job im Gartenbau gekündigt und praktisch all mein Hab und Gut wie mein Auto oder Möbel verkauft», so Büttel. Er habe damit gerechnet in den nächsten Jahren nur auf eine gute Velo- und Zeltausrüstung angewiesen zu sein. Aus der grossen Freiheit wurde der Lockdown. Die Enttäuschung über die empfohlene Rückreise war dementsprechend gross bei Büttel.

Die Weltreise wird mit Sicherheit nachgeholt

Trotzdem bleibt er optimistisch und wartet vorerst den Sommer ab: «Ich arbeite momentan Teilzeit als Lieferant und warte ab, ob bis im Sommer die Grenzen eventuell wieder geöffnet werden, damit ich meine Reise fortsetzen kann.» Sei dies nicht der Fall, werde er sich wohl oder übel wieder in Baar anmelden, sich eine Wohnung suchen und die Weiterreise auf einen anderen Zeitpunkt verschieben müssen.

«Es wäre zu kalt beispielsweise im Herbst oder Winter von Georgien aus wie geplant nach Aserbaidschan, über Zentralasien nach Indien weiterzureisen. Daher müsste ich mir in einem solchen Fall eine Alternative überlegen.»

Die andere Variante sei über Spanien und Portugal bis nach Afrika zu gelangen und dann von da aus weiter in die Welt hinaus zu radeln.

Zum jetzigen Zeitpunkt kann er noch nichts Genaues entscheiden. Es bleibe auf weitere Anweisungen und Empfehlungen des Bundesrats zu warten. Folgendes weiss er aber ganz genau: «Die Weltreise werde ich mit Sicherheit noch machen, sobald sich die Coronalage entschärft.»