Leserbrief

Dieses Bild der Schule wirkt veraltet

Zum Beitrag «Wenn Lehrer den Schulen davonlaufen», Ausgabe vom 5. Juli

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Im Kanton Zug gibt es keinen Lehrermangel. Und Lehrpersonen des Kantons Zug zeigen in der Studie des LCH die grösste Zufriedenheit. Die Gründe für Lehrermangel in anderen Kantonen, die Herr Andreotti angibt, sind pure Polemik und entbehren jeglicher Grundlage. Der Lehrplan 21 schreibt weder Methoden noch Lehrkonzepte vor. Schulen orientieren sich weiterhin an Merkmalen für guten Unterricht und effektives Lernen. Dieses findet nur statt, wenn an Bekanntem angeknüpft werden kann; wenn nach guten Instruktionen der Lehrperson reichhaltige Aufgaben zum Lernen bereitstehen; wenn Lernende bei ihrem Tun stetig ermuntert und unterstützt werden.

Eine gute Lehrperson hat übrigens schon in Zeiten von Herrn Andreottis Schulkarriere die Lernenden nicht links liegengelassen. Sie hat schon damals ermutigt, Fragen zum Lernweg gestellt, korrigierend und unterstützend eingegriffen. Das nennt sich «Lerncoaching» oder «Lernbegleitung». Keine Spur von «die Lernenden ihrem Schicksal überlassen». Frontalunterricht, wie ihn Herr Andreotti aus seiner Schulzeit kennt, gibt es immer noch. Er ist genauso wichtig. Tablets und Co. sind Mittel zum Zweck, um das Lernen lustvoller, effizienter und zeitgemässer zu gestalten.

Jede Berufsgattung macht Weiterbildung, lässt neue Erkenntnisse einfliessen und richtet sich auf die Bedürfnisse einer sich verändernden Gesellschaft und Wirtschaft aus. Herr Andreottis Bild der Schule wirkt veraltet. Wollten Sie sich von einem Chirurgen operieren lassen, der seit 40 Jahren nichts dazu gelernt hat? Besuchen Sie eine Schule im Kanton Zug, aktualisieren Sie Ihr Bild. Man wird Sie freundlich empfangen. In einem Punkt gebe ich Ihnen Recht: Auch Lehrpersonen und Schulleitende werden gerne mit Respekt und Wertschätzung behandelt.

Adrian Estermann, 
Präsident VSL Zug (Verband 
Schulleiterinnen und Schulleiter), Baar