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Discounter auf dem Vormarsch im Kanton Zug

In der Zuger Innenstadt hat ein Maxi Bazar eröffnet. Die Gewerbevereinigung reagiert gelassen auf die Billigkonkurrenz.
Christopher Gilb
Die Maxi Bazar-Filiale im Zuger Zentrum: Vom Shampoo bis zum neuen Vorhang wird allerlei geboten. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 9. August 2019)

Die Maxi Bazar-Filiale im Zuger Zentrum: Vom Shampoo bis zum neuen Vorhang wird allerlei geboten. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 9. August 2019)

Erst Anfang des Jahres hat in Baar der französische Discounter Decathlon eröffnet. Was Decathlon für die Sportartikel ist, das ist Maxi Bazar für Haushaltsartikel und Einrichtungsgegenstände. Auch dieser französische Discounter ist auf Expansionskurs und hat in der Zentralschweiz nach der Eröffnung seines Hauptgeschäfts in der Luzerner Altstadt, Ende Mai eine Filiale in der Zuger Innenstadt eröffnet. Die Warenhauskette belegt zwei Stockwerke mit einer Gesamtverkaufsfläche von 800 Quadratmetern. Standort ist das Geschäftshaus an der Bahnhofstrasse 21. Zuletzt befand sich dort für kurze Zeit ein Geschäft der italienischen Modekette OVS, die zuvor die Charles-­Vögele-Filialen übernommen hatte. Nach der OVS-Pleite stand die Verkaufsfläche leer.

Nun findet man dort Weingläser ab 1 Franken, Handtücher ab 5 Franken oder eine kleine Buddha-Statue für 10 Franken. «Für uns war diese Verkaufsfläche im Zuger Zentrum interessant, weil es bisher dort kein vergleichbares Angebot gab», sagt Nicolas Probst, Direktor von Maxi Bazar Schweiz. Denn in der Innenstadt würden kleinere Geschäfte mit hochwertigen Produkten überwiegen. Zudem sei es selten, dass an zentraler Lage eine solch grosse Verkaufsfläche frei werde und die Miete auch vergleichbar günstig sei.

Neuer Laden setzt auf Spontankäuferinnen

Rund 30000 Produkte umfasse das Gesamtsortiment von Maxi Bazar, darunter viele französische Produkte – etwa Kosmetik-, Dekorationsartikel oder Küchenutensilien – die es in der Schweiz bisher noch nicht gebe. Zielgruppe seien vor allem Frauen. Nicolas Probst vergleicht das Angebot mit dem von früheren Discount-Warenhäusern wie EPA oder ABM. Seit zehn Jahren ist Maxi Bazar in der Schweiz aktiv. «Wir betrieben bisher 30 Filialen in der Westschweiz und neu jetzt 5 in der Deutschschweiz», so Probst.

Die Leute würden nun auch hier kleine Preise mögen, das zeige auch die Akzeptanz für Lebensmitteldiscounter wie Aldi oder Lidl. Die kleinen Preise, so der Direktor weiter, könne Maxi Bazar wegen des Auftragsvolumens bieten, «und weil wo immer möglich Kosten gespart werden, es also beispielsweise wenig Kundenberatung im Geschäft gibt.» Und wie steht es um die Qualität der Waren? Natürlich spiele auch diese bei den Preisen eine Rolle, so Probst und relativiert: «Heute kauft man keine Produkte mehr für ein Leben lang, die Konsumenten wollen Abwechslung. Dazu gehört es auch, alle paar Jahre die Teller oder Gläser auszutauschen.»

In solch einem Preissegment hat das Warenhaus auch kein Problem mit der Internetkonkurrenz: «Dort sind die gleichen Produkte durch die Versandkosten sogar teils noch teurer.» Und das Konzept sei zudem stark auf sogenannte Spontankäufe ausgerichtet. Produziert werden die Produkte gemäss Probst zu 70 Prozent in Asien. «Aber wegen der immer höheren Transportkosten kommen auch etliche Produkte aus Europa und der Türkei. Und auch wir versuchen damit dem Bedürfnis nach Nachhaltigkeit zunehmend gerecht zu werden», so Probst.

Für den Moment zeigt er sich mit der Resonanz in Zug zufrieden. «Kunden kommen zurück, das ist immer ein gutes Zeichen.» Wie sich zeigt, sind aber nicht alle Kunden vom Konzept überzeugt. Unter den bisher acht Rezensionen zum Flagship-Store in Luzern auf Google finden sich etliche negative. Beklagt wird beispielsweise, dass es wenig Personal habe und die Qualität der Waren billig sei: viel Plastik.

Detailhandel setzt auf Nachhaltigkeit

Und wie reagiert der bestehende Detailhandel aufs neue Angebot? Ist ein Discounter in der Nachbarschaft gerne gesehen? Johanna Margraf vom Bettenfachgeschäft Fischer & Margraf, ist Präsidentin von Pro Zug, Dachorganisation der Zuger Geschäfte. Konkurrenz sei grundsätzlich nie schlecht, findet sie. Zudem habe sie die Erfahrung gemacht, «dass Zuger Kunden Wert auf Beratung legen und auch bereit sind, dann einen entsprechenden Preis für die Waren zu zahlen». Immer wieder würden Kunden zu ihr ins Geschäft kommen, die beispielsweise ein Jahr zuvor bei Ikea etwas eingekauft haben. «Dann merken sie aber nach einer Zeit, dass die Qualität nicht stimmt.» Die Entwicklung hin zum billigen Preis oder zum Kauf im Internet sei nicht aufzuhalten, so Margraf. «Wichtig ist, deshalb, uns auf Anderes zu fokussieren, auf gute Beratung und auf Nachhaltigkeit.» Auch deshalb sei die Beratung bei ihr weiterhin kostenlos. Zudem, gibt sie zu bedenken, stehe es ja noch nicht fest, ob sich der Discounter überhaupt halten könne. Denn der Standort Zug ist teuer. «Einige sind gekommen und gegangen.» So ja zuletzt auch die Modekette OVS.

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