«Dokter Renggli» seziert gnadenlos

Schnitzelbank-Ouvertüre im Alterszentrum Dreilinden in Rotkreuz: Nationale und regionale Grössen kriegen hier ihr Fett weg.

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Mit seiner Assistentin startete «Herr Dokter» in die Fasnachtssaison im Alterszentrum Dreilinden. (Bild: Werner Schelbert/Neue ZZ)

Mit seiner Assistentin startete «Herr Dokter» in die Fasnachtssaison im Alterszentrum Dreilinden. (Bild: Werner Schelbert/Neue ZZ)

Im weissen Kittel, mit Stethoskop, adretter Fönfrisur-Perücke und einer hübschen Assistentin im Schlepptau trat «Herr Dokter» Röbi Renggli gestern im Alterszentrum Dreilinden vor ein erwartungsvolles Publikum. Er prophezeite gleich zu Beginn, nationale und regionale Pappenheimer «schonungslos, rücksichtslos und erbarmungslos» zu entlarven. So kam es dann auch: In seiner Schnitzelbank-Ouvertüre machte sich der Organisator der Schnitzelbankgruppe Rotkreuz über nationale Ereignisse im vergangenen Jahr lustig.

Von wegen Arztgeheimnis

Und er verletzte das ihm obliegende Arztgeheimnis aufs Gröbste: «Herr Dokter» gewährte mit seiner Assistentin singend – in bekannte Lieder verpackt – und sprechend Einblick in seine brisanten «Krankendossiers». Diese enthielten Daten über erheiternde, peinliche und mehr oder weniger ruhmvolle (Miss-) Geschicke von bekannten Herrschaften aus der Region. Unverblümt nahm er Baudirektor Heinz Tännler für die Baumängel am neuen Kantonsspital aufs Korn. «Er wott au nümme kommentiere, de Tännler tuet lieber fotogen posiere», lautete ein Spruch, und auf der Leinwand erschien ein Foto von Heinz Tännler, wie er vor dem besagten Bau steht und für den Fotografen in die Linse grinst. Und seit gestern wissen auch alle, dass der Ex-Bauabteilungsleiter von Risch, Peter Glanzmann, auf der Heimfahrt von einem Umtrunk im Zug und am Bahnhof auf verschlossene Toiletten stiess, er in seiner Not dann doch noch ein unkonventionelles Örtchen fürs dringende Geschäft fand, ihm jedoch mitten in dessen Verrichtung der Zug vor der Nase wegfuhr.

Weiter verriet «Herr Dokter Renggli» gnadenlos, wessen Handy aus der Furka-Bahn fiel und in einem Kothaufen landete, wer zu Hause unter einem Haufen Gerümpel einen abgelaufenen Restaurantgutschein fand, wessen Hündchen im Bauamt auf den Boden «schiss» und wer sich auf einer Velotour gleich beide Arme brach. «De isch ganz schön bissig», sagte eine Zuschauerin zum Schluss lachend. Eine andere amüsierte sich ebenfalls: «Jetzt hemmer wieder e Huufe vernoo.»

Andreas Faessler / Neue ZZ

Von Sau-Schwaben und anderen

«Herr Dokter» Röbi Renggli machte seine Drohung wahr und nahm in seiner Schnitzelbank kein Blatt vor den Mund.

«Chum sind im Herbst d’Wahle verbii, da grift de Hediger Richi ii. Was het au er für e Veranlassig, z’stöbere ide Kantonsverfassig? Bim Paragraph 20 wird er denn fündig, bi de Wahle, da isch öppis sündig. Hausherr und Schwerzmann wäred brilliant, lut Gsetz leider, viel z’nöch verwandt.»

«Für unbeschwärti Ferietäg macht er sich i Süde uf de Wäg. Wo er bim Feriehotel vorfahrt, blibt ihm au würklich nüd erspart. E dütsche Gast het vorem Hotel sis Auto abgstellt wi en Trottel. Drum gaht de Schwiizer a d’Rezeption sich go beschwäre imene lute Ton. ‹De Sau-Schwab söll doch umparkiere, de muess de Sau-Schwab au nüd riskiere.› Mit Händ und Füess wird diskutiert, bis de Hotelagstellt kapituliert. Über d’Hotellutsprächer tuet der instruiere: ‹Signore Sau-Schwab, prego umparkiere!›»

«D’Bea Zürrer isch voll Verdruss. Mit ihrem Lade isch jetzt Schluss. D’Papeterie tued sie usruume. Lat sich debii nid la versuume. En Laschtwage holt die ganz Waar ab, und d’Bea gschlüsst s’läär Gschäft ab. Wie sie en Zättel wot hefte a d’Wand, fählt ihre aber es Stück Chläbband. As Chläbband hed sie nümme dänkt, s’letscht Rölleli scho lang verschänkt. D’Bea muess go Chläbband chaufe. Zum Glück muess sie nur zum Spar übere laufe.»

fae.