Kolumne

Drei Kreuze an die Decke

Andreas Faessler ist Fasnachtsmuffel. 

Andreas Faessler
Drucken
Teilen
Andreas Faessler.

Andreas Faessler.

«Meine Fasnacht» lautet das Motto dieser Kolumne, um die ich leider nicht herumkomme. Das Dumme nämlich: Ich habe keine Fasnacht. Meine persönliche Fasnacht 2019 besteht einzig darin, dass ich mir für das Kolumnenbild einen Barockfiffi auf den Kopf gepflanzt, einen braun-gelben Überbiss aus Plastik in den Mund gestopft, eine Flaschenbodenbrille auf die Nase gesetzt und über das entstandene Bild Tränen gelacht habe. Dann wieder weg mit dem Kram zurück in die dunkelste Kellerecke. Das letzte und meines Wissens sogar einzige Mal, dass ich mich für die Fasnacht verkleidet habe, muss anno 1982 gewesen sein als ganz kleiner Knopf – ein Indianer. Davon gibt es nur ein einziges Foto. Ich habe schon damals nicht so amüsiert aus der Wäsche geguckt.

Wirklich, ich gewinne der sogenannten 5. Jahreszeit nichts ab. Ich starte immer mal wieder den Versuch, einen Zugang zu finden, aber es endet jeweils mit den drei Kreuzen an der Decke, wenn der ganze Radau endlich wieder verstummt ist. Das mag nun dramatischer klingen, als es ist. Letztendlich bin ich halt einfach nur ein Fasnachtsmuffel. Ich stehe überhaupt nicht auf laute Menschenansammlungen. Und Guuggenmusigen sind – wie soll ich es nur respektvoll ausdrücken? – nicht so ganz das, was meinen Ohren gut tut.

Als waschechter Bürger von Steinen SZ und als aufrichtige Liebe für dieses Dorf Empfindender wäre ich ja geradezu zum Fasnächtler prädestiniert. Vermutlich aber habe ich als nach Orangen und Feuersteinen kreischendes Kind zu oft den Hintern vom etwas arg rüpelhaften Talibasch oder vom Välädi im Gesicht gehabt, um mich auch in späteren Jahren über das dortige Treiben – und dasjenige andernorts – freuen zu können.

Vergangenes Wochenende hat es mich jedoch tatsächlich wieder mal an die Fasnacht in meinem Heimatdorf verschlagen, aber nur, weil heuer der grosse Umzug stattfand, an dem die Familie meines Bruders mitsamt Kind und Kegel mitmachte. Ich stand dann am Strassenrand, wohlbemerkt als sehr unfasnächtliche Erscheinung – und fand das Ganze gar nicht so schlimm. Irgendwann griff die allseits gute Laune der Menschen auch auf mich über. Aus anderer Sicht betrachtet, ist und bleibt Fasnacht immer noch ein Kulturgut, das es zu schützen und zu pflegen gilt. Ich mach das aber weiterhin lieber auf passive Weise.