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Kolumne

Drei Teams – ein Land

Während die Fussballer in Russland um den Weltmeister-Titel kicken, schaute unser Redaktor das Spiel Schweiz-Serbien in Bosnien an.
Christopher Gilb
Redaktor der Zuger Zeitung Christopher Gilb

Redaktor der Zuger Zeitung Christopher Gilb

Eigentlich reiste ich während der ersten Woche der WM nur durch ein Land, und trotzdem habe ich die ersten Spiele der Vorrunde aus drei verschiedenen Perspektiven erlebt. Den Anfang machte Sarajevo. Ich sass beim Spiel Schweiz-Brasilien in einem grossen Public Viewing in der geschichtsträchtigen Altstadt umgeben von Fans der Schweizer Mannschaft. Wieso waren sie für die Schweiz? Wegen des Trainers. Auch viele Bosnier hatten erst kurz vor dem Spiel erfahren, dass Vladimir Petković aus Sarajevo stammt, dies war aber Grund genug für sie, sein Team ordentlich anzufeuern. Die Schweiz spielte gegen den Favoriten unentschieden, viele freuten sich.

Einige Tage danach sass ich in Neum am Strand. Ein winziger Küstenabschnitt zwischen den kroatischen Städten Split und Dubrovnik, der zu Bosnien und Herzegowina gehört. Es spielte Kroatien gegen Argentinien. Ein Spiel für die Geschichtsbücher. Jedenfalls trugen viele ein Kroatien-Trikot. Ich sass also da zwischen lauter gut gelaunten Fans und stimmte in fröhliche Fangesänge ein, die Musik dazu kam wie auf Kommando aus allen umliegenden Bars. Kroatien siegte deutlich. Alle waren ausser Rand und Band.

Ich hätte die Bosnienrundreise also nicht besser planen können. Doch dann passierte es: Freitag in Banja Luka, dem Regierungssitz der Republika Srpska, dem mehrheitlich von bosnischen Serben bewohnten Landesteil. Es spielte die Schweiz gegen Serbien: das berühmte «Doppeladler-Spiel». Ich fühlte mich allgemein sehr wohl in dieser Stadt, wo wunderschöne Basiliken stehen und jede Nacht zu heimischer Musik durchgetanzt wird. Doch für die zweite Halbzeit wechselten wir dann doch vom Public Viewing in eine ruhigere Bar. Die Stimmung war aufgeladen.

In den Tagen danach verfolgte ich aufmerksam die Doppeladler-Diskussion in der Schweiz und musste dabei viel an meine Erlebnisse denken. An die Leute, die ich in allen Landesteilen traf, die vom Zündeln die Nase mehr als gestrichen voll haben. Und an die Leute, die ich traf, die weiter zündeln, weil sie glauben, besser als die anderen zu sein oder es historisch einfach verdient zu haben. Aus Schweizer Sicht war der Doppeladler nur ein Symbol oder einfach eine akzeptable Gegenprovokation. Ist man jedoch dort, wo das Fass immer kurz vor dem Überlaufen ist, weiss man, dass jede Provokation eine zu viel ist. Genau dies sollten all jene, die aus dieser Region kommen, nun aber aus der Distanz darauf schauen können, eigentlich gut genug wissen.

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