Drei Wochen Arbeit an einem «Postauto»

Die Wagenbauer in Alosen betreiben grossen Aufwand für das Gefährt, welches sie am Güdelmäntig präsentieren.

Text: Vanessa Varisco, Bilder: Stefan Kaiser
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Gut geschützt vor dem regen Schneegestöber haben sich ein paar Alösler in einer Scheune etwas abseits vom Dorfkern versammelt. Ihre Mission ist klar: den Fasnachtswagen bis zum Güdelmäntig fertigzustellen. Noch ist Zeit bis zum Stichtag, gearbeitet hat die Gruppe an ihrem Projekt aber immerhin schon zwei Wochen. Und das jeden Abend. Der 21-jährige Dominik Rogenmoser geht einmal um den Wagen herum, begutachtet, was bis jetzt schon gebaut wurde.

Das Grundgerüst ist aufgerichtet, noch ist allerdings nicht erkenntlich, welches Sujet die Wagenbauer verfolgen. Darf man jenes denn schon verraten? «Klar. Wir werden ein Postauto bauen und damit die Thematik der Postschliessung in Oberägeri aufgreifen», erklärt Rogenmoser. Gemeinsam mit Jonas Blattmann (20) und Daniel Meier (19) hat er die Leitung für diesen Fasnachtswagen.

Dominik Rogenmoser mit Jonas Blattmann zu seiner Linken und Daniel Meier zu seiner Rechten.

Dominik Rogenmoser mit Jonas Blattmann zu seiner Linken und Daniel Meier zu seiner Rechten.

Kreativer Schaffensprozess

Wer in Alosen aufwächst, der wird mit der Fasnacht und dem Umzug am Güdelmäntig gross. Nicht verwunderlich also, dass es nicht der erste Wagen ist, den die drei erstellen. Das Vorgehen ist dabei ähnlich. «Einen groben Plan haben wir anfangs jeweils schon», erläutert Blattmann. So wird zum Beispiel die Brücke – das Grundgerüst – zuerst aufgezogen. «Danach ist es aber ein eher kreativer Prozess», sagt Meier und zeigt zur Verdeutlichung auf den noch unfertigen Wagen.

Beim Bau entstünden immer wieder neue Ideen zur Ausgestaltung. «Jeder bringt Vorschläge ein und so entwickelt sich das Gefährt Stück für Stück.» Die drei Leitenden sind handwerklich geübt, sie arbeiten nämlich in der Forstwirtschaft oder in einer Schreinerei. Doch sie bestreiten ihr Projekt nicht alleine. Einige junge Frauen und Männer packen ebenfalls mit an und bemalen die Seitenwände des Wagens und beschriften sie mit Sprüchen zum Motto, das dieses Jahr «1 mid Stil» lautet. Auch an diesem Abend sind drei junge Frauen in der Scheune und helfen fleissig mit.

Die Wagenbauer von Alosen arbeiten während mehrerer Wochen an ihrem Werk.

Die Wagenbauer von Alosen arbeiten während mehrerer Wochen an ihrem Werk.

Theaterspiel gehört dazu

Dass der ganze Prozess drei Wochen dauert und viele Stunden in das Projekt investiert werden, ist für die Schaffenden selbstverständlich. «Wir kennen das nicht anders», weiss Blattmann und lächelt. Die ganzen Arbeiten haben schliesslich auch einen gemütlichen und geselligen Aspekt. «Nicht selten sitzen wir danach zusammen und unterhalten uns.» An manchen Abenden käme man deshalb nicht gleich gut vorwärts wie an anderen.

Höhepunkt ist schliesslich unbestritten der Umzug, an dem das fertige Werk dem Publikum präsentiert wird. Das ist auch dieses Jahr, an der 111. Alösler Fasnacht, nicht anders. «Zu verbessern gäbe es natürlich bis zum Schluss immer etwas, hier und da könnten Details angepasst werden», geben die drei Auskunft. Am Samstag vor dem Güdelmäntig wird deshalb noch einmal ein ganzer Tag investiert.

Nichtsdestotrotz müssen die Arbeiten natürlich irgendwann beendet werden. Am Umzugstag zwischen 7 und 8 Uhr morgens in der Früh wird der Wagen vorbereitet und am Nachmittag geht es rund. «Das besondere an der Alösler Fasnacht ist sicherlich auch, dass wir auf den Wägen ein Theater aufführen. Was unser Projekt gewissermassen vollendet», findet Rogenmoser.

Von den Wagenbauern übernimmt jeder auch eine Rolle. «Damit wollen wir natürlich auch erreichen, dass das Publikum das Sujet möglichst schnell versteht», so Blattmann. Der Stolz auf die eigene, kleine aber feine Fasnacht und die «lebendige Tradition», ist allen anzuhören. «Es freut uns ausserdem, dass die Wägen so gut ankommen.» Gezeigt werden die Wägen lediglich in Alosen, sie ziehen an keinem anderen Umzug mit.

Übrigens: Am Dienstagnachmittag ist der ganze Wagen bereits wieder zurückgebaut. «Das gehört dazu», finden die drei, «und nächstes Jahr fangen wir wieder von vorne an.»

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