Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

DROGEN: Crystal-Meth-Labor in Oberägeri: «Er war ein spezieller Typ»

Die Polizei ist in der Wohnung eines 41-Jährigen auf ein Drogenlabor gestossen. Anscheinend hat er die synthetische Droge Crystal Meth hergestellt. Gemäss Nachbarn handelt es sich um einen Rohstoffhändler mit Geldproblemen.
Das Drogenlabor wird untersucht. (Bild: Zuger Polizei)

Das Drogenlabor wird untersucht. (Bild: Zuger Polizei)

Rahel Hug und Christopher Gilb

redaktion@zugerzeitung.ch

Wer kennt sie nicht: die Schockfotos aus den USA. Sie zeigen Konsumenten der synthetischen Droge Crystal Meth. Je länger sie genommen wird, desto mehr ähneln viele einem Zombie. Die Haut wird aschfahl und picklig, die Wangen fallen ein, die Zähne aus. Diese Droge, die den Konsumenten anfänglich noch ein Gefühl der Unbesiegbarkeit gibt, könnte ein 41-jähriger Norweger in Oberägeri hergestellt haben.

Ein Bürger hatte, wie die Zuger Polizei mitteilt, kurz vor 21.30 Uhr am Abend des 25. April der Einsatzleitzentrale gemeldet, dass er in einer Wohnung im Nachbargebäude Personen mit Taschenlampen sehe. Die Einsatzkräfte rückten sofort ins Quartier Erlimatt aus und umstellten das Mehrfamilienhaus. Als sie mit dem Mann im Innern Kontakt aufnehmen konnten, stellte sich heraus, dass es sich um den Eigentümer der Wohnung handelte. Dieser musste sich mit einer Taschenlampe behelfen, da die Stromversorgung nicht mehr funktionierte.

Fund ist «alles andere als alltäglich»

Beim Betreten der Wohnung entdeckten die Einsatzkräfte dann ein Drogenlabor sowie Behältnisse mit undefinierbaren Substanzen. Auch in einem Kühlschrank fanden sie unbekannte Flüssigkeiten, welche gerade auftauten. Zudem roch es nach Benzin. Eine Expertin stufte einzelne Stoffe als gefährlich ein, wenn sie nicht gekühlt sind, weshalb die Stromversorgung wiederhergestellt werden musste. Gemäss Einschätzung der Spezialisten des Kriminaltechnischen Dienstes der Zuger Polizei und des Forensischen Instituts Zürich handelt es sich um ein Labor, in dem synthetische Drogen, unter anderem Crystal Meth, hergestellt werden könnten. Dieses habe sich im unteren Stock der zweistöckigen Wohnung befunden, sagt Polizeisprecher Frank Kleiner auf Nachfrage.

In welcher Grössenordnung dort Substanzen hergestellt wurden, liesse sich noch nicht sagen. «Dafür müssen erst alle gefundenen Stoffe ausgewertet werden. Zahlreiche der Behälter waren zudem nicht beschriftet.» Aus den USA hört man immer wieder von Crystal-Meth-Laboren, die explodieren. «Gemäss unseren Experten bestand für die anderen Hausbewohner keine direkte Gefahr, da die Chemikalien entsprechend gelagert und gekühlt waren», so Kleiner.

Die Frage, ob der Norweger der Polizei bekannt ist, kann er wegen des Persönlichkeitsschutzes nicht beantworten. Solch ein Fund sei aber «alles andere als alltäglich», so Kleiner. Für den Abbau des Labors wurde eine spezialisierte Firma beigezogen. Die Räumungsaktion dauerte rund zehn Stunden. Die Bewohner waren von der Zuger Polizei bereits letzte Woche informiert worden.

Nachbarn erinnern sich an den Norweger

Der Mann, so erzählt ein Nachbar aus der Siedlung, habe die Wohnung vor anderthalb bis zwei Jahren gekauft. «Ich habe gehört, dass er 2,8 Millionen für die Wohnung bezahlt hat.» Drei Autos habe er besessen, darunter einen Maserati. «Mit diesem war er oft abends und nachts unterwegs. Er ist durch seinen Fahrstil und den Autolärm aufgefallen.» So sehr, dass der Nachbar ihn einmal darauf angesprochen hat. «Er hat nur Englisch geredet. Er war schon ein etwas spezieller Typ.»

Eines Tages sei der Maserati nicht mehr da gewesen und ein Betreibungsbeamter vor Ort erschienen. «Offenbar hatte er finanzielle Probleme, weshalb man ihm wohl den Strom abgestellt hat.» Der Mann sei im Rohstoffhandel tätig gewesen, seine Autos hätten Genfer Nummernschilder drangehabt. Die Rollläden seiner Wohnung waren laut dem Nachbarn immer unten – gesehen oder gerochen habe man nichts.

Die Situation präsentierte sich auch gestern nicht anders, wie ein Augenschein zeigt: Im Quartier ist es ruhig, der Blick in die Wohnung ist durch dunkelbraune Jalousien verdeckt. «Der Mann war meistens allein unterwegs. Zwischendurch war aber eine Frau mit einem Kind hier», so der Nachbar. Das beweist das Türschild: Dort steht auch der Name einer Frau – der mutmassliche Drogenproduzent hat offenbar nicht alleine gelebt.

Dies fand die Zuger Polizei in Oberägeri vor. (Bild: Zuger Polizei)

Dies fand die Zuger Polizei in Oberägeri vor. (Bild: Zuger Polizei)

Dieses Chrystal Meth Labor entdeckte die Zuger Polizei. (Bild: Zuger Polizei)

Dieses Chrystal Meth Labor entdeckte die Zuger Polizei. (Bild: Zuger Polizei)

Utensilien für das Drogenlabor. (Bild: Zuger Polizei)

Utensilien für das Drogenlabor. (Bild: Zuger Polizei)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.