DÜRRE: Trockenheit macht Bauern zu schaffen

Die sommerliche Hitzeperiode scheint weitgehend vorüber zu sein. Auf den Feldern und in den Ställen hat vieles gelitten.

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Von der Sonne und der Hitze zum Teil regelrecht vertrocknet: Maisfelder in Baar. (Bild: Stefan Kaiser)

Von der Sonne und der Hitze zum Teil regelrecht vertrocknet: Maisfelder in Baar. (Bild: Stefan Kaiser)

Wolfgang Holz

Es war der heisseste Juli seit 150 Jahren. Ständig Temperaturen über 30 Grad, dabei kaum Regen. Auch Zugs Bauern und ihre Felder und Tiere litten unter der Affenhitze. Wer momentan an Maisfeldern im Kanton Zug vorbeikommt, erschrickt angesichts vieler verdorrter Stängel. Und doch halten sich die Hitze- und Dürreschäden der letzten Wochen in Grenzen.

«Es scheint, dass die Landwirtschaft recht glimpflich davonkommt. Regenfälle, wenn auch nur geringe, haben die Situation immer wieder etwas entschärft», sagt Raymund Gmünder, Prorektor vom Schluechthof, dem Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum in Cham. Finanzielle Folgen seien aktuell aber noch schwierig abzuschätzen.

Futterernte stark betroffen

Nicht leugnen lässt sich, dass die Hitze Folgen für den Futteranbau im Kanton Zug zeitigte. Stichwort Mais: Maximalerträge wird es dieses Jahr keine geben dafür war es zuerst zu nass im Frühling und dann zu trocken im Sommer. Und trotzdem – man staunt. «Der Mais scheint verbreitet in unserer Region die Trockenheit noch recht gut verkraftet zu haben», versichert Gmünder. Auf leichteren sandigen Böden habe sich die Wasserknappheit dagegen stärker ausgewirkt. Kurios erscheint, wie gesagt, die Tatsache, dass gerade wohl die zum Teil noch sehr schlechten Verhältnisse bei der Saat – sprich: zu viel Regen – dem Mais sehr geschadet haben. «Dies machte viele Nachsaaten nötig.»

Auch beim Heu sieht es nicht so rosig aus. Dabei hat die Trockenheit sehr unterschiedliche Konsequenzen für die einzelnen Wiesen. «Während in schweren Böden die Ertragsausfälle nicht gravierend sind, waren die Schäden auf flachgründigen und sandigen Böden im Juli und im August hoch», berichtet Willy Gut, Lehrer und Berater am ­Schluechthof. «Somit können einzelne Betriebe stark betroffen sein, während der Nachbar nur kleinere Ausfälle befürchten muss.» Hauptsächlich gelitten haben die Neuansaaten von Wiesen. «Hier ist es teilweise zu Totalausfällen gekommen, und einzelne Wiesen müssen jetzt nach den ersten grösseren Regenfällen nochmals neu angesät werden.» Unterm Strich geht man aber davon aus, dass gut 40 Prozent der Heuernte vom ersten Schnitt als Futtersilage verwendet werden können. Wintergetreide und Raps konnten dagegen wegen der Trockenheit bei besten Bedingungen geerntet werden weil sie vor der grossen Hitze reiften. Die Zuger Erträge sind laut Agrarexperten sehr ansprechend und von guter Qualität.

Weniger Kirschen

Am meisten unter allen Feldfrüchten im Kanton Zug haben Hitze und Dürre der Kartoffel wegen ihrer flachen Wurzeln zugesetzt sofern nicht bewässert werden konnte. Gmünder: «Der frühe Wachstumsabschluss und nach der Trockenheit die Gefahr des Wiederauskeimens bringen massive Qualitätsverluste mit sich.» Indes: In Zug werden nur verhältnismässig wenig Ackerflächen mit Kartoffeln angebaut.

Wesentlich besser als bei der Kartoffel sieht es bei den Kirschen aus der Zuger Premiumfrucht. Wie Georg Bregy, Direktor des Schweizer Obstverbands, mitteilt, haben die Kirschkulturen zwar unter der Hitze und dem Wassermangel gelitten. «Dadurch müssen Ertragseinbussen verzeichnet werden – allerdings nur im einstelligen Prozentbereich.» Zudem seien die Früchte im Schnitt etwas kleiner. Andererseits würden die Kirschen infolge der Hitze mehr Zuckergehalt aufweisen. «Und wegen des dauerhaft schönen Wetters kauften viele Konsumenten Kirschen – mehr Kirschen als im letzten Jahr.» So hat das heisse Sommerwetter auch seine guten Seiten.

Kühe mögen keine Hitze

Den Milchkühen im Kanton Zug ist es dagegen bei der Hitze wie so manchem von uns Menschen gegangen die Produktivität hat nachgelassen. «Dabei haben nicht nur die hohen Temperaturen den Tieren zu schaffen gemacht, sondern die zum Teil hohe Luftfeuchtigkeit gepaart mit hohen Tagestemperaturen», erklärt Schluecht­hof-Lehrerin Franziska Duss. An solchen Tagen seien die Ertragseinbrüche am höchsten. «Je nach Situation und Kuh wurden Leistungsausfälle von 5 bis 20 Prozent verzeichnet. Am meisten haben die Kühe, die frisch gekalbt haben, ältere Kühe sowie solche mit höherer Tagesmilchleistung gelitten», so Duss. Neben der Milchleistung seien auch tiefere Milchgehalte zu verzeichnen gewesen. «Mit Grossraumlüftern, Benebelungsanlagen, einer genügend hohen Wasserversorgung, Beschattung sowie offenen Stalltüren und Fenstern haben die Bauern versucht, dem Hitzestress der Tiere entgegenzuwirken.»