Durch Begegnungen neue Kraft tanken

Erstmals sollen Menschen in Lebenskrisen im Kanton Zug ein kostenloses Angebot zur Unterstützung im Alltag erhalten. Iniziieren will das der Verein FRW Interkultureller Dialog, der sich seit acht Jahren für die Zivilgesellschaft einsetzt.

Laura Sibold
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27 Begegnungsorte hat der Verein FRW Interkultureller Dialog im Kanton geschaffen. An diesen treffen sich Menschen aller Nationen und Generationen, um gemeinsam zu kochen, Sport zu treiben, Deutsch zu lernen oder sich kreativ zu betätigen. Seit 2013 setzt sich der Verein dafür ein, Zugezogenen und Geflüchteten Friede, Respekt und Würde – daher FRW – sowie eine neue Heimat zu geben. Monatlich finden rund 50 Begegnungsanlässe statt, an denen sich bis zu 180 Freiwillige engagieren.

Es sei schön zu sehen, wie die Projekte Fahrt aufgenommen haben, sagt FRW-Gründerin und Koordinatorin Eva Wimmer. Dennoch sei der Bedarf für ein weiteres Angebot ausgewiesen. «Viele Flüchtlinge, die zu uns kommen, sind traumatisiert. Sie können sich mit dem beschränkten Beitrag, den sie vom Kanton erhalten, aber kaum therapeutische Hilfe leisten.» Auf der anderen Seite fehlt im Kanton Zug für psychisch Kranke eine Möglichkeit zur Weiterbetreuung nach einem Klinikaustritt. Aus diesem Grund will der Verein FRW Interkultureller Dialog dieses Jahr ein kostenloses Angebot zur Wiedereingliederung in den Alltag schaffen. Dieses soll im Austausch mit kantonalen Institutionen und Experten erarbeitet werden.

Der erste Raum wird im März eröffnet

Konkret planen Wimmer und ihr Team verschiedene ergänzende Projekte im Bereich Gesundheit und Lebensführung. «Menschen, die in einer Lebenskrise stecken, sollen durch Tanz, Musik, Malen oder Natur ihre Emotionen ausdrücken können und so wieder an Lebensfreude gewinnen», erklärt Wimmer. Die engagierte Steinhauserin will so für besonders schutzbedürftige Menschen einen Ort schaffen, an welchem sie ihre Freizeit sinnvoll gestalten können. Durch die Begegnungen sollen die Teilnehmer neue Kraft tanken und eine Wochenstruktur erhalten. Betreut werden sie von therapeutisch ausgebildetem Personal.

Anfang März wird bei der Chollerhalle in Zug ein erster Raum für solche Angebote eröffnet, ein zweiter soll Mitte Jahr im Quartier Riedmatt folgen. Im Choller arbeite man eng mit dem Badabum-Atelier zusammen, die Musik- und Rhythmusangebote stünden auch allen Einwohnern offen, betont Wimmer. Darüber hinaus soll ein spezielles Angebot für Familien mit Kleinkindern geschaffen werden. «Familien in schweren Lebenssituationen sollen in einem therapeutischen Setting lernen, wie sie ihre Kinder gezielt fördern können», sagt Wimmer. Für diese Projekte hoffe man auf die Unterstützung durch Stiftungen und Sponsoren. Die Finanzierung der Rahmenbedingungen für die Projekte sei aber schon weitgehend gesichert. So wird die Organisation neu massgeblich von der reformierten und katholischen Kirche Zug getragen. Dieses Jahr hat sich aber auch erstmals der Kanton mit einem Beitrag von 70000 Franken aus dem Lotteriefonds beteiligt. Ein klares Zeichen, wie auch Regierungsrat Andreas Hostettler bestätigt: «Dank des Vereins werden jährlich rund 15000 Stunden Freiwilligenarbeit in den Bereichen Sprachförderung, Kulturaustausch sowie im Rahmen von kulturellen und sportlichen Anlässen geleistet.»

Ideen mit Kanton und Triaplus weiterentwickeln

Der Verein helfe, den Dialog und Austausch zwischen Einheimischen und Zugewanderten auszuweiten, so Hostettler. «Dieses Engagement schätzen wir als sinnvolle Ergänzung zum Integrationsauftrag des Kantonalen Sozialamts, es ist aber auch wertvoll für die im FRW engagierten Freiwilligen.»

Ziel des Vereins FRW Interkultureller Dialog ist es, die Angebote zur Wiedereingliederung in Zusammenarbeit mit dem Amt für Gesundheit, dem psychiatrischen Dienst und der Triaplus AG weiterzuentwickeln. Ein Expertengespräch hat bereits stattgefunden, ein weiteres ist für April geplant. Es sei ein laufender Prozess, der eine dreijährige Pilotphase vorsehe, betont Eva Wimmer. «Wir stehen noch ganz am Anfang, sehen aber, dass unsere Projekte ankommen und Potenzial haben.»

Ein Beispiel dafür ist Amina Hajmohammad. Die Kurdin kam vor sechs Jahren aus Syrien in die Schweiz und wurde in der Durchgangsstation Steinhausen auf den FRW Interkultureller Dialog aufmerksam. Dank der Organisation hat Amina Deutsch gelernt und in Zug eine neue Heimat gefunden, wie sie sagt. «Die Menschen hier haben mir meine Würde zurückgegeben und sind zu meiner Familie geworden. Ohne FRW würde es mir heute wohl nicht so gut gehen.» Mittlerweile ist Amina Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle des Vereins und dolmetscht an den Anlässen für Teilnehmer, die noch nicht Deutsch sprechen.

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