E-Trottinetts verschwinden aus Zug

Bird zieht all seine E-Scooter aus dem Kanton Zug ab. Doch bereits buhlen neue Anbieter um die Gunst der Gemeinden.

Laura Sibold
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Die Stadt Zug ist auch weiterhin an alternativen Mobilitätslösungen interessiert.

Die Stadt Zug ist auch weiterhin an alternativen Mobilitätslösungen interessiert.

Bild: Stefan Kaiser (15. Juli 2019)

Wer dieser Tage nach E-Trottinetts als alternative Mobilitätslösung Ausschau hält, wird im Kanton Zug kaum mehr fündig. Denn der Anbieter Circ, der die bisher rund 200 E-Trottinetts in den Gemeinden Zug, Baar, Cham und Risch bewirtschaftet hatte, wurde geschluckt: Seit Ende Januar gehört Circ dem kalifornischen Konkurrenten Bird. In der Folge hat Bird nicht nur das Circ-Personal in der Schweiz entlassen, sondern zieht auch alle E-Scooter aus dem Kanton Zug ab, wie diese Zeitung in einer Recherche erfahren hat.

«Im Gegensatz zu anderen Betreibern setzt Bird auf Rentabilität statt Wachstum, um wirtschaftlich nachhaltige, umweltschonende Mobilität anbieten zu können. Bird stellt deshalb den Betrieb in Städten ein, die finanziell aktuell noch nicht sinnvoll sind», erklärt Bird-Mediensprecher Fabian Lebersorger. Daher habe man die schwierige Entscheidung getroffen, sich für den Moment mit Circ aus Zug zurückzuziehen.

Rückkehr ist nicht ausgeschlossen

In den kommenden zwei Wochen werden sämtliche E-Trottinetts von den Zuger Strassen entfernt. In der Schweiz ist laut Lebersorger nur der Kanton Zug vom Rückzug betroffen. In den Städten Zürich, Winterthur und Basel bietet Bird weiterhin seine E-Scooterflotte an. Ein sicherer und nachhaltiger Betrieb sei dort gewährleistet und werde von Bird laufend begleitet. Mit dem aktuellen Rückzug sei nicht ausgeschlossen, dass Bird irgendwann wieder in die Region Zug zurückkehren werde.

Die E-Trottinetts hatten im Kanton Zug somit nur ein kurzes, dafür intensives Début. Seit Sommer 2019 standen sie in Zug, Baar, Cham und Risch zur Verfügung und sorgten neben Fahrspass auch für Ärger mit teils ungünstigen Abstellplätzen.

Jeder zehnte Einwohner nutzte das Angebot

Die vier betroffenen Zuger Gemeinden wurden via Schreiben oder persönlichem Treffen mit Circ über die Firmenübernahme und den Rückzug aus dem Kanton informiert. Zug, Baar, Cham und Risch hatten einen auf ein Jahr befristeten Vertrag mit Circ abgeschlossen, um danach evaluieren zu können, ob sich eine Weiterführung des Angebots lohnt. Nach nur etwas mehr als einem halben Jahr Betrieb eine Auslegeordnung zu machen, sei schwierig, betonen alle Gemeinden.

Doch das Angebot sei rege genutzt worden. «Jeder zehnte Einwohner der vier Gemeinden nutzte in den vergangenen neun Monaten einmal ein E-Trottinett. Besonders bei den 18- bis 30-Jährigen waren die E-Scooter beliebt», verrät der Zuger Sicherheitsvorsteher Urs Raschle mit Bezug auf eine Circ-Statistik. So seien allein im August 2019 rund 110000 Fahrten mit 50 E-Trottinetts verzeichnet worden.

«Das Angebot schlug ein wie eine Bombe», sagt Raschle.

Selten habe er so viele Rückmeldungen erhalten wie zum Thema E-Scooter. Diese waren allerdings nicht immer positiv, wie auch der Baarer Bauvorsteher Jost Arnold verrät: Oft seien die E-Scooter an ungeeigneten Orten abgestellt worden, was zu vielen Reklamationen geführt habe. Die Akzeptanz gegenüber dem neuen Angebot sei über die Monate allerdings gestiegen, ergänzt Drin Alaj, Chamer Sicherheitschef. Die Leute hätten sich wohl an die E-Scooter gewöhnt und diese nicht mehr grundsätzlich als störend wahrgenommen.

Neue Mobilitätslösungen als künftige Chance

Darüber, wie es nun weitergehen soll, äussern sich die vier Gemeinden nur verhalten. Doch klar ist: Bereits hat sich bei ihnen eine Handvoll neuer E-Trottinett-Anbieter gemeldet, die an einer Zusammenarbeit interessiert sind. Interesse bekundet hat etwa die deutsche Firma Tier, die bereits in über 50 Städten, darunter in Zürich und in Basel, aktiv ist.

Gegenüber alternativen Mobilitätslösungen sei man grundsätzlich offen, so der Tenor aus den Gemeinden. «Für uns war eine einfache Lösung für die letzte Meile vom Bahnhof zum Arbeitsplatz und umgekehrt wichtig. Diesbezüglich hatten die E-Trottinetts ihren Zweck erfüllt», betont der Rischer Sicherheitsvorsteher Ruedi Knüsel.