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EDELSTEINE: DNA-Test spaltet Zuger Juweliere

Ein neuer Test für Farbedelsteine soll der Branche mehr Transparenz bringen. Doch nicht alle Juweliere begrüssen das Verfahren. Befürchtet wird, dass dadurch künstlich die Preise hochgetrieben werden könnten.
Livio Brandenberg
Ein Smaragd wird im gemmologischen Labor von Gübelin in Luzern unter dem Mikroskop begutachtet. (Bild: PD)

Ein Smaragd wird im gemmologischen Labor von Gübelin in Luzern unter dem Mikroskop begutachtet. (Bild: PD)

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch

Der Ruf der Edelsteinbranche ist nicht der beste. Es mangle an Transparenz, so ein oft genannter Vorwurf. Hollywood-Filme über Blutdiamanten tun das Ihre. Inzwischen hat die Nachhaltigkeitsdebatte aber auch die Schmuckindustrie erreicht. Das Luzerner Juwelierhaus Gübelin hat sich deshalb vor ein paar Jahren daran gemacht, eine Art DNA-Test für Farbedelsteine zu entwickeln.

Im letzten Frühling wurde dieser der Öffentlichkeit vorgestellt. Entwickelt haben ihn das gemmologische Labor von Gübelin und das ETH-Spin-off Haelixa. Vereinfacht gesagt handelt es sich um ein Verfahren, mit dem einem Farbedelstein ein unsichtbares Etikett angehängt werden kann. Bei Bedarf kann dann überprüft werden, aus welcher Mine der Stein stammt (siehe Box).

Auf das Material kommt es an

Laut Gübelin wenden die grossen Smaragdminen den «Emerald Paternity Test» – so die offizielle Bezeichnung – entweder bereits an oder prüfen, in welchem Ausmass das Verfahren angewendet werden soll. Inzwischen ist die Technologie auch für Perlen und Paraiba-Turmaline anwendbar. Bei Gübelin arbeitet man an der Ausweitung auf weitere Edelsteine.

Was halten Zuger Juweliere von dem Verfahren? «Wir sind klar für Transparenz und unterstützen diesen DNA-Test zu 100 Prozent», sagt Juwelier Franz Lohri. Alles, was der Transparenz diene, sei wichtig. Und mit diesem Test komme jetzt eine genaue Herkunftsanalyse dazu. Lohri ist überzeugt, dass der Test und die DNA-Technologie für Steine «ein grosser Fortschritt» sind und dass diese Entwicklung weitergehen wird. «Wobei zu beachten ist, dass es viele Steine gibt, die kaum Einschlüsse, also Spalten, haben – Diamanten etwa, die von Natur aus viel homogener sind als Smaragde», gibt der Zuger Juwelier zu bedenken. Sollte das Verfahren aber auf alle Materialien anwendbar sein, «dann ist das eine wirkliche Errungenschaft.» Bis sich der Test etabliert haben wird, dürfte es gemäss Lohri aber noch «mindestens ein paar Jahre» dauern. Er freue sich darauf, wenn es soweit sei.

Zu wissen, woher ein Stein komme und ob er echt sei, gehöre jedoch schon heute zum Standard, sagt Lohri: «Wir kaufen Steine aus der ganzen Welt und lassen alle zertifizieren, die einen Wert von rund 2000 Franken oder mehr haben. Hierfür gibt es viele seriöse Institute, beispielsweise die GRS Gemresearch Swisslab AG in Meggen oder das Schweizerische Institut für Edelsteinforschung SSEF.» Komme ein Stein aus einer Erbschaft, dann lasse man ihn neu polieren und ein Zertifikat erstellen. «Die guten Institute haben viele Vergleichswerte in ihrer Datenbank. Man kann anhand der Struktur des Steins und anhand der Zusammensetzung und der Zusatzmineralien sehr gut bestimmen, woher ein Stein kommt» erklärt Lohri. Das werde seit vielen Jahren gemacht, «doch jetzt seit ein paar Jahren werden auch konsequent Zertifikate erstellt». Auch Diamanten kaufe das Haus Lohri «nur von Händlern, die uns genau angeben, aus welchen Ursprungsländern die Steine kommen». Und dies immer gemäss dem sogenannten Kimberley-Prozess, der garantiere, «dass es sich nicht um Blutdiamanten handelt». Das Wichtigste, «wichtiger als die Herkunft», sei für ihn aber: «Ist der Stein behandelt oder unbehandelt? Wurde er etwa erhitzt? Damit erreicht man, dass Fremdkörper, die sich im Stein befinden, verbrennen. Dadurch erhält der Stein eine intensivere Farbe», so Lohri. Unbehandelte Steine seien für ihn aber das höchste Gut.

Herkunft sowieso kaum eruierbar

In diesem Punkt gibt Raphael Meyer, Goldschmied und Juwelier in Zug, Franz Lohri Recht. «Klar wichtiger ist für mich, ob der Stein behandelt wurde.» Hier enden die Gemeinsamkeiten aber. Denn im Gegensatz zu Lohri kann Meyer mit dem Gübelin-Test nichts anfangen: «Ich bin überhaupt kein Fan des DNA-Tests. Meines Erachtens ist er unnötig und für mich auch keine weltbewegende Neuerung.» Er setze sich für Transparenz ein, «aber ich finde auch, man sollte es nicht übertreiben». Natürlich gelte es, ein Auge darauf zu haben, dass in den Minen möglichst gute Arbeitsbedingungen herrschten, so Meyer. «Doch eine DNA, anhand der man sieht, woher ein Stein kommt, dürfte auch schnell dazu führen, dass die Preise für Steine aus gewissen Minen stark ansteigen werden.» Es könne gut sein, dass der Test auch dafür eingesetzt werde, die Preise hochzutreiben, befürchtet Meyer. Woher die Steine ursprünglich kommen, sei sowieso kaum noch eruierbar, da sie durch so viele Hände gehen würden.

Ebenfalls nichts abgewinnen kann dem DNA-Test Maya Sulger. Sie betreibt ein Juwelier- und Goldschmiede-Atelier in der Stadt Zug. «Ich weiss nicht, was so ein Test bringen soll, ob er der Brache wirklich einen Mehrwert bringt.» Da sie die Steine nicht direkt von Minen, sondern von Händlern beziehe, «müsste ich bei denen nachfragen, ob das überhaupt ein Bedürfnis ist».

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