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EDLIBACH: Hier wartet heute keiner mehr ...

... zumindest nicht auf den nächsten Zug. In Bad Schönbrunn steht einer der letzten einsamen Zeugen der einstigen ESZ, welche die Berggemeinden erschloss.
Die ehemalige Haltestelle Bad Schönbrunn: ein Holzhäuschen im schmucken Heimatstil. (Bild Stefan Kaiser)

Die ehemalige Haltestelle Bad Schönbrunn: ein Holzhäuschen im schmucken Heimatstil. (Bild Stefan Kaiser)

Der 9. September 1913 war ein grosser Tag für die Mobilität im Chriesiland: Die Linien der Elektrischen Strassenbahnen im Kanton Zug (ESZ) nahmen ihren Betrieb auf und ersetzten den bisherigen Busverkehr in die Berggemeinden, der angesichts der oft steilen Strassenführung dauernd mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Auf Schienen gelangte man fortan von Zug nach Oberägeri sowie von Zug via Baar nach Menzingen. Zwischen Talacker und Nidfuren teilten sich die beiden Strecken das Trassee. Mit einer Gesamtlänge von 24,2 Kilometern und 40 Stationen/Haltestellen stellten die ESZ eine zuverlässige Erschliessung der Dörfer am Berg dar – auch wenn eine Fahrt von Baar nach Menzingen damals rund Dreiviertelstunden dauerte. Vom tiefst- zum höchstgelegenen Bahnhof überwand die Bahn einen Höhenunterschied von 384 Metern.

Nur 40 Jahre lang verkehrten die Züge der ESZ zwischen Tal und Berg. Im Mai 1953 wurden die Linien eingestellt, abgetragen und durch einen modernen Busverkehr ersetzt. Wenig erinnert mehr an die ESZ, doch vereinzelte Relikte haben sich erhalten. Eines davon befindet sich mehr oder weniger unscheinbar und wenig beachtet an der Zufahrt zum Lassalle-Haus Bad Schönbrunn unter einem voluminösen Baum. Seit der korrigierten Strassenführung zwischen Nidfuren und Edlibach steht das hölzerne Wartehäuschen gut 30 Meter weg von der Hauptstrasse. Es ­diente einst den wartenden Fahrgästen an der Haltestelle Bad Schönbrunn, ehemals «Wasserheil-Anstalt und physiologisch-diätetisches Kurhaus». Über dem Bogen prangt noch immer das Schild mitsamt Zuger Wappen. Es war eine Halt-auf-Verlangen-Station und diente an sich als einfacher Unterstand mit einer Sitzbank.

Das Wartehäuschen mit gemauertem Sockel und sogenanntem Krüppelwalmdach lehnt sich in seiner Gestaltung dem Heimatstil des einstigen Endbahnhofes in Menzingen an, der heute schön restauriert das Dorf­zentrum ziert. Der Bahnhof ist das Werk des Oerliker Architekten Eugen ­Scotoni-Gassmann (1873–1961). Ob er auch für das Stationshäuschen in Bad Schönbrunn die Pläne geliefert hat? Möglich wärs. Das Wartehäuschen weist vier sichtbare Pfetten (Balken, die das Dach tragen) mit Zierkonsolen auf, die an ihrem Ende rot angestrichen sind. So auch die Fensterrahmen und die Säulenecken. Mit wenig Farbe wurde hiermit ein gestalterischer Akzent gesetzt. Ebenso effektvoll: die beiden Blumentröge an der Front – wären sie denn bepflanzt. Die Dachoberfläche ist von Moos und Blättern überzogen, was je nach Sichtweise einen weiteren Reiz mit sich bringt und das heute weitgehend funktionslose Dasein des einstigen Wartehäuschens nostalgisch unterstreicht.

Das schmucke Haltestellengebäude gehört der Liegenschaft Bad Schönbrunn. Im Inneren verrät eine Holztafel seine frühere Funktion und eine ­zweite gegenüber, dass das Gebäude «Anno Domini millesimo nongentesimo octogesimo tertio» – im Jahre des Herrn 1983 – renoviert worden ist.

Andreas Faessler

Hinweis

Mit «Hingeschaut!» gehen wir wöchentlich mehr oder weniger auffälligen Details mit kulturellem Hintergrund im Kanton Zug nach.

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