Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

EDLIBACH: In ihm arbeitet es stets rund um die Uhr

Bei ihm dreht sich alles um Chemie – organische und anorganische – und auch um die zwischenmenschliche. Viele Erfindungen hat Lars Rominger bereits zu einem Produkt entwickelt. Nun wird der Tüftler mit einem ehrenvollen Preis ausgezeichnet.
Carmen Rogenmoser
Der Erfinder Lars Rominger wird als «innovativster Unternehmer» ausgezeichnet.Bild: Werner Schelbert (Zug, 4. November 2016)

Der Erfinder Lars Rominger wird als «innovativster Unternehmer» ausgezeichnet.Bild: Werner Schelbert (Zug, 4. November 2016)

Viel unterwegs sei er, sagt Lars Rominger zur Begrüssung. Er setzt sich und öffnet sein grosses ledernes Notizbuch. Waren bis vor einiger Zeit vor allem Fachleute an Romingers Erfindungen interessiert, ist das Spektrum heute viel breiter. Viele Interviews hat er in den letzten Monaten gegeben. «Ich mache es gerne», sagt Rominger. Man nimmt es ihm ab. Aufgeschlossenheit und Neugierde lassen sich von seinem freundlichen Gesicht ablesen. Im Laufe des Gesprächs wird klar: Fast alles, was Lars Rominger macht, tut er gerne, sogar mit Leidenschaft.

Von Software bis Hightech-Kunststoff

Zu seinen Erfindungen gehören unter anderem ein Lernlaborkoffer für Studenten, eine Software zur Kunststoffidentifikation, ein kompostierbarer Plastikbeutel, ein Büstenhalter aus Hightech-Kunststofffasern, der Barriqueur, der Wein veredelt, und nicht zuletzt eine Dating-App. Momentan arbeitet er an der Entwicklung eines Desinfektionsmittels, das auf Oberflächen sichtbar ist. Von all dem erzählt er mit Begeisterung. Doch wie passt das alles zusammen?, fragt man sich. «Es ist ganz einfach: Kunststoffchemie», antwortet der studierte Chemiker. «Alle Produkte bedienen sich physikalischer Grundgesetze.» Er orientiere sich am Marktbedürfnis. Bei vielen Gelegenheiten denke er, dass das doch einfacher gehen müsse. «Ich beobachte, bis ich die Gesetzmässigkeit dahinter erkenne», erklärt er. Und dann entwickelt er ein Objekt, ein Programm oder ein Gerät, das die Sache eben einfach macht.

Der Laie versucht seinen Ausführungen zu folgen. Es hört sich alles simpel an: ein Problem sehen, es beobachten, in seine Einzelteile teilen und anschliessend wieder neu zusammensetzen. «Ich erfinde nichts Neues, sondern arbeite mit dem, was schon da ist.» Wenn Rominger zur Darstellung aber anfängt, Moleküle aufzumalen und zu zeigen, wie er diese neu zusammensetzen könnte, hört das Verständnis auf. Es wird einem wieder bewusst, wen man da vor sich hat. Rominger, dessen Bruder der ehemalige Radprofi Tony Rominger ist, leitet die Kunststofftechnik GmbH in Edlibach. Er arbeite zusammen mit vielen Nerds, sagt er selber. Diese seien Spezialisten auf ihrem jeweiligen Gebiet und könnten sich so richtig in eine Sache verbeissen. Genau die Unterstützung, die er braucht. Romingers Kopf arbeitet und arbeitet. «Es fällt mir tatsächlich schwer, auch einmal abzuschalten», gibt er zu.

Inspiriert von «Star Wars»

Besonders wenn er und sein Team merkten, dass aus einer Idee, einer Erfindung etwas werden könnte, «dann kann ich nicht mehr abschalten». Seine Familie – der 50-Jährige und seine Frau haben drei Töchter, die sie in Edlibach grossziehen – erkenne genau, wann es wieder so weit sei. «Zum Glück ist meine Frau da ganz anders», sagt Rominger und lacht herzlich. Sowieso lacht er viel – auch über sich selber. So beschreibt er sich selber etwa als Daniel Düsentrieb. «Der Vergleich bringt es auf den Punkt», meint er verschmitzt. Die Metamorphose vom Chemiker zum Düsentrieb sei nicht geplant gewesen, eher sei er in die Rolle gerutscht.

Als Jugendlicher habe er gelesen und sich vieles autodidaktisch beigebracht. Zu kurz gekommen sei damals aber die Interaktion mit anderen Menschen. Heute sei ihm das sehr wichtig. «Jeder wächst anders auf, hat andere Erfahrungen gemacht und weiss etwas anderes.» Von anderen Menschen könne man viel lernen.

Lernen können aber auch andere von ihm. Er ist Lehrbeauftragter an verschiedenen Bildungsstätten. Während der Woche sei er mit seiner vielseitigen, interessanten Arbeit bei der Gerresheimer Küssnacht AG absorbiert, deshalb finden seine Unterrichtsstunden abends und am Wochenende statt. Das ganze Gerede von Work-Life-Balance zähle für ihn wohl nicht, sagt Rominger. Auch hier ist sein Humor unverkennbar. «Ich bin da wohl ein statistischer Aussenseiter.» Ausserdem ist Rominger ein grosser Fan der Serien «Star Wars» und «Star Trek». Eine Attrappe eines «Kommunikators», eines Vorläufers des heutigen Mobiltelefons, wie er in der Serie auftauchte, trägt Rominger bei sich. «Damals hat auch niemand geglaubt, dass irgendwann jeder mit einem solchen Gerät herumläuft.» Er wolle über die Grenze hinaus denken, so der Erfinder. Auch dazu inspiriere ihn die Science-Fiction-­Serie.

Nun folgt eine weitere Anerkennung seiner Arbeit: Lars Rominger wird vom Verband Idee Suisse als «innovativster Unternehmer des Jahres 2016» ausgezeichnet. Die Verleihung findet am 15. November in Menzingen statt. Der Preis sei überraschend gekommen, sagt der Erfinder. «Ich habe mich wirklich darüber gefreut.» Vor allem werde man damit positiv wahrgenommen. Umso wichtiger, da wohl bald jeder weiss, wer Lars Rominger ist.

Carmen Rogenmoser

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.