EDLIBACH: Schafe sind ihr neues Standbein

Niklaus Elseners Rohstoff ist die Schafmilch. Der Landwirt hat seinen ganzen Betrieb umgestellt und eine Nische entdeckt.

Rahel Hug
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Auf dem Hof packt die ganze Familie mit an. Im Bild: Sarah und Niklaus Elsener mit den beiden Söhnen Lukas (links) und Simon. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Auf dem Hof packt die ganze Familie mit an. Im Bild: Sarah und Niklaus Elsener mit den beiden Söhnen Lukas (links) und Simon. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Rahel Hug

Im Stall von Niklaus Elsener ist es laut. 35 Lämmchen versuchen sich gegenseitig mit ihrem Blöken zu übertönen. Der Grund für die tierische Aufregung: Es ist Zeit für den Schoppen. Die jungen Tiere, die der Edlibacher Landwirt ungefähr zehn Tage nach der Geburt von ihren Müttern trennt, werden anschliessend während vier Monaten von ihm gesäugt. Auf dem Schäflihof Elsener sind neben den herzigen Lämmern 60 Mutterschafe zu Hause. In ihren besten Tagen geben sie bis zu zwei Liter Milch die anschliessend von dem 37-Jährigen und seiner Frau Sarah (32) zu Käse und Joghurt verarbeitet wird.

Ein neues Standbein

Seit zwei Jahren setzt Niklaus Elsener auf die Produktion von Schafmilch und deren Weiterverarbeitung und ist damit der einzige Zuger Bauer, der sich allein diesem Landwirtschaftszweig widmet. Zuvor hat Elsener auf dem Hof, den er vor 14 Jahren von seinen Eltern übernommen hat, Milchwirtschaft betrieben. «Unser Betrieb war aufgrund der Grösse nicht mehr wirtschaftlich», erzählt der Landwirt. Er habe sich bereits seit längerem nach einem neuen Standbein umgesehen. Schliesslich sei er auf die Milchschafe gestossen. «Schafmilch, -käse und -joghurt sind Nischenprodukte, die man lokal vertreiben kann», nennt Elsener den Hauptgrund für seinen Entscheid, das Braunvieh im Stall durch ostfriesische Milchschafe zu ersetzen.

Die Elseners haben daraufhin einen externen Berater beigezogen, sich weitergebildet und ihren Stall an der Höhenstrasse durch einen Anbau ergänzt. Dort wird die Milch verarbeitet, und in einem kleinen Hofladen können Besucher die Produkte vom Schäflihof direkt kaufen.

Arbeitsbeginn um 4.30 Uhr

Auf dem Hof hat das Ehepaar Elsener alle Hände voll zu tun Niklaus und Sarah führen den Betrieb ohne Angestellte und sind dazu Eltern von zwei Söhnen. Lukas (4) und Simon (2) sind oft mit dabei, wenn Käse und Joghurt hergestellt oder die Lämmer gesäugt werden. «Das ist das Schöne am ‹Buure› – man kann die Kinder überallhin mitnehmen», sagt Niklaus Elsener, der zudem in einem 50-Prozent-Pensum beim Werkhof der Gemeinde Menzingen arbeitet und in der lokalen Politik als SVP-Ortspräsident amtet.

Ist er auf seinem Hof im Einsatz, beginnt der Familienvater seinen Tag um 4.30 Uhr morgens. «Zuerst richte ich die Melkmaschine ein und melke die Schafe», berichtet Elsener. Anschliessend ist Füttern, Lämmchen tränken, den Stall machen und Käsen angesagt. Am Abend wird ein zweites Mal gemelkt. Zu seinen insgesamt über 100 Tieren hat der Landwirt eine besondere Beziehung aufgebaut. Zwar haben sie anstatt Namen bloss Nummern trotzdem erkennt Niklaus Elsener die Schafe, wenn er sie genau anschaut. «Hat ein Tier Verletzungen oder eine Krankheit, geht das einem schon nahe», erzählt der 37-Jährige. Speziell sei auch, die Jungtiere von Geburt an zu begleiten und sie aufzuziehen. Die beiden jüngsten Lämmer auf dem Schäflihof sind gerade mal drei Wochen alt.

Höherer Eiweiss- und Fettgehalt

In der hofeigenen Produktion stellen die Elseners frische und pasteurisierte Milch, Halbhart- und Frischkäse sowie Joghurt her. «Schafmilch hat einen höheren Eiweissgehalt als Kuhmilch», betont Niklaus Elsener. Sie enthalte zwar mehr Fett, jedoch ungesättigtes und sei deshalb besser verdaulich. Nicht zuletzt eigne sich Schafmilch gut für Allergiker – weil sie keine Laktose enthalte.

Seit einem Jahr verkauft Niklaus Elsener die Produkte vom Schäflihof am Altstadtmarkt in der Stadt Zug. Zu kaufen gibt es sie zudem im Bio-Hof Zug. «Ab 2015 wird unser Käse und Joghurt auch beim Denner in Menzingen angeboten», freut sich Elsener. Sein Ziel sei, den Betrieb in den kommenden Jahren zu intensivieren. «Ich hoffe, den Hof baldmöglichst ohne Nebenerwerb führen zu können.» Und das künftig auch komplett biologisch. «Wir dürfen uns nun als Bio-Knospenbetrieb betiteln», sagt der 37-Jährige und verdeutlicht mit einem Beispiel, wie wichtig ihm die naturnahe Produktion ist: «Ein Erdbeerjoghurt aus dem Grosshandel ist rot. Unseres ist fast farblos und schmeckt genauso gut. Zusatzstoffe sind meistens gar nicht nötig.»