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Leserbrief

Eher ein schlechter Scherz statt wahre Münze

Zur neu eröffneten Zwischennutzung «Freiruum» in Zug

Zug hat viele ungenutzte Flächen, oder vielleicht eher einseitig genutzte Flächen. Um etwas weniger davon zu haben, entstand am Zählerweg 5 der «Freiruum», eine Zwischennutzung. Toll, denke ich. Vielleicht ein Platz, wo sich Zuger und Zugerinnen begegnen können, um Kreatives zu schaffen und die Gesellschaft zu beleben. Ich beschliesse, den neu eröffneten «Freiruum» zu erforschen. So frei in Gedanken für die neuen Freiräume Zugs trete ich ein in eine grosse, hip dekorierte Halle, gefüllt mit Ikea-Raubbau-Produkten und exotischen Pflanzen, in Töpfe gepfercht.

Ich bestelle mir am nächstbesten Tresen ein Glas Hahnenwasser, da ich nur Bargeld dabei habe und damit nicht bezahlen kann. Bedient werde ich von einer Frau in Berufskleidung, auf dem schwarzen T-Shirt die Aufschrift der Bar in Weiss. Sie sieht darin eher uniformiert oder nummeriert aus. Für einen Moment stelle ich mir vor, wie sie wohl in authentischer Privatkleidung daher käme. Sicher besser! Ein erstes Mal frage ich mich, ob ich mir unter «Freiruum» in Zug etwas ganz Falsches vorgestellt habe, ob dies hier nichts mit der Definition von Freiheit zu tun hat? – Ein Zustand, in dem jemand frei, also unabhängig von bestimmten persönlichen oder gesellschaftlichen Verpflichtungen und Einbindungen ist, welche als Zwang empfunden werden.

Leicht verärgert entscheide ich mich, die Trampoline und Kletterwände zu nutzen, um etwas Dampf abzulassen. Man sagt ja, dass das Trampolinspringen Glücksgefühle auslösen könne. Beim Sportbereich angekommen, werde ich zurückgepfiffen und aufgefordert, den Eintritt von 14 Franken zu bezahlen. Da ich ja bekanntlich nur Bargeld dabei habe, muss ich hier gezwungenermassen abbrechen und ergreife die Flucht nach draussen, raus an die frische Luft. Dort sitze ich auf mein Fahrrad und versuche meine Wut abzustrampeln: Zug, was soll das? Das ist eher eine Anstalt als Freiraum! Warum so viel Kapital für eine Zwischennutzung?

Was ist mit den Bescheidenen oder schlecht Verdienenden? Haben die kein Recht auf Trampolin? Wieso bekommen Shire, Johnson & Johnson, Siemens und Co. so eine schicke Mensa, inklusive Einrichtungsraubbau? Nehmt uns noch allen den Raum! «Freiruum», gelacht oder geweint – wie wär’s mit «Konsumruum»? Meine Beine werden langsam müde. Mir wird bewusst, in welche Richtung sich die Zuger Gesellschaft damit bewegt. Um nicht zu verzweifeln denke ich an all jene Zuger und Zugerinnen, die sich bewusst sind, dass der freie Konsum nichts mit Freiheit zu tun hat und dass diese Zwischennutzung mit ihrem Namen eher ein schlechter Scherz statt wahre Münze, im Sinne von echt ist. Wollte ich dem Glauben schenken, dass dies «Freiruum» ist, wäre ich in meinem Daseinsdenken schon sehr eingeschränkt. Nun sind meine Beine schlapp und ich lasse meine Seele baumeln in der freien Fahrradluft.

Claudio Röllin, Menzingen

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