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Das sind die fleissigen Heinzelmännchen des Eidgenössischen Schwingfests

Über 6000 Helferinnen und Helfer sind am Esaf in Zug im Einsatz. Sie werden hier auch «Chrampfer» genannt. Und ohne sie würde wohl überall Chaos ausbrechen.
Zoe Gwerder
Irene Annen bei der Parkkarten-Kontrolle. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 24. August 2019)

Irene Annen bei der Parkkarten-Kontrolle. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 24. August 2019)

Ohne sie und ihre über 6000 Kollegen würde das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest wohl im Chaos versinken. Abfallberge, chaotische Verhältnisse auf dem Parkplatz, trockne Kehlen und herumirrende Fans, hätte es zu Hauf gegeben. So weit ist es aber nicht gekommen. Dank den vielen Helferinnen und Helfer – am «Eidgenössischen» werden sie auch «Chrampfer» genannt – läuft alles wie am Schnürchen. Und das auch nachts.

So wie dank Irene Annen. Die Co-Präsidentin des TV Hünenbergs steht am Samstagmorgen früh mit Vereinskolleginnen und -Kollegen bei der Einfahrt zum Parkplatz in der Chollermühle. Seit Mitternacht sind sie auf ihrem Posten. Annen erzählt:

«Bis etwa um 2 Uhr kamen noch Leute – die meisten wohl, um in ihren Autos zu schlafen.»

Danach sei es sehr still gewesen. Inzwischen ist es 4.30 Uhr. Langsam sind Annen und ihre Kollegen mehr gefordert. Nach fünf Uhr wird die Einfahrtskontrolle bereits zweispurig geführt. «Unsere Aufgabe ist es, die Parkplatzreservationen der Autofahrer zu überprüfen oder ein entsprechendes Ticket zu verkaufen.»

Dass Annen, die keinen grossen Bezug zum Schwingsport hat, hier mit anpackt, hat mehrere Gründe: «Ich sah die Chance, nahe am Esaf dran zu sein. Zudem ist es ein guter Verdienst für unseren Verein, da in Hünenberg die Chilbi dieses Jahr aufgrund des Grossanlasses ausfällt.»

Nun ist es deutlich nach 5 Uhr. Ein Auto nach dem anderen fährt in Richtung Parkplatz. Wie die Kennzeichen verraten, reisen die Besucher aus allen Kantonen an. Unter ihnen ist ein Paar mit einem Freiburger-Kennzeichen. Um 2.20 Uhr seien sie aufgestanden und nun bereit für das Schwingfest, berichten die Zwei.

Markus Feer während der «Rushhour». (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 24. August 2019)

Markus Feer während der «Rushhour». (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 24. August 2019)

Bereit ist man um 5.30 Uhr auch am Bahnhof in Zug. Dort werden bis kurz nach 7 Uhr Zug um Zug erwartet. 20'000 Schwingfans sollen in dieser Zeit durch den Bahnhof geschleust werden. Die Mitarbeiter der SBB sind auf den Perrons verteilt. Auch die Bahnpolizei ist vor Ort und es gibt sogar einen Sanitätsposten.

Die Frage nach dem Döner um 6 Uhr morgens

Die Chrampfer warten ausserhalb des Bahnhofes. Unter ihnen auch Markus Feer. Der Leiter des Strassenverkehrsamtes hat sich einem Teil seines Teams angeschlossen, welches sich für das Esaf als Helfer gemeldet hatte. Ihre Aufgabe ist es nun, den ankommenden Besuchern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Der eine fragt nach dem nächsten Coop, der andere, ob dies wirklich der Weg zur Bossard-Arena sei. Und wieder eine andere Besucherin erkundigt sich nach einer Abkürzung, um zum Festgelände zu kommen. «Am häufigsten wurden wir bisher aber gefragt, wo der Kebab-Stand ist», erzählt Feer und schmunzelt. Und das um 6 Uhr morgens!

Währenddessen fahren immer mehr Züge ein. Insbesondere auf dem westlichen Perron beim Gleis 7 kommt es manchmal zu einem Gedränge. Denn dort ist sowohl die Plattform wie auch die Treppe relativ eng angelegt. Kritisch wird es trotzdem kaum, und sind die Besucher mal aus dem Bahnhof heraus, verteilt sich die Menschenmasse gut auf der ganzen abgesperrten Strasse. Die Hilfe von Feer und seinen Kolleginnen wird nur selten in Anspruch genommen. Für ihn sei es Ehrensache bei solchen Grossanlässen mitzuhelfen. «Solche Feste funktionieren nur mit den Helfern.»

Claudia Christ am «Güsle» vor der Arena. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 24. August 2019)

Claudia Christ am «Güsle» vor der Arena. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 24. August 2019)

Wir kommen aufs Festgeländer: Hier sind Dutzende Chrampfer mit Güselwagen unterwegs. Unter ihnen Claudia Christ. Sie sei am «Ghüdere» sagt die Hägendorferin (SO). Sie und ihre Kollegen sind in einem Verein, mit dem sie an Sportfesten helfen. «Ich war bereits an diversen Schwingveranstaltungen, aber ein derart grosser Event, wie das Esaf, habe ich noch nie besucht. Es ist grossartig.»

Die Menge des Abfalls halte sich in Grenzen. «Vor allem Zigaretten-Stummel haben wir aber sehr viele aufgelesen. Etwas Ekliges sei jedoch nie darunter gewesen.

«Besonders schön ist, dass sich ganz viele Besucher bei uns für unsere Arbeit bedanken.»

Marcel Rohner (rechts) verkauft Speis und Trank. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 24. August 2019)

Marcel Rohner (rechts) verkauft Speis und Trank. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 24. August 2019)

Noch näher am Geschehen sind die Chrampfer rund um den ehemaligen Bobfahrer Marcel Rohner. In der Arena verkaufen sie Getränke, Kafi, Sandwich und Nussgipfel. Die Bierflaschen werden dabei schon mal Harrassenweise den Zuschauern geliefert.

«Als Sportler wird einem auch viel von anderen geholfen – so können wir nun auch etwas zurückgeben», erklärt Rohner seine Motivation. Einer seiner Bobkollegen macht derweilen eine weitere Runde mit seinem Kafi-Luz-Tank auf dem Rücken. «Wir müssen hier einfach etwas aufpassen, dass wir den Schwingfans nicht in der Sicht stehen.»

Und Rohner ist auch teilberuflich am Fest. Schwinger seien nämlich geeignete Athleten für den Bobsport. «Sie haben Schnellkraft, Masse und eine gute Einstellung.» Zudem könne man Schwingen und Bobfahren gleichzeitig ausüben. Sagt’s und springt auf, um den Wunsch eines Besuchers nach einem Kaffee zu erfüllen. Ganz «Chrampfer» eben.

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