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Kommentar

Eidgenössische Wahlen in Zug: Hartes Ankommen in der Gegenwart

Die Chancen stehen gut, dass am 20. Oktober die Stimmberechtigten im Kanton Zug erstmals eine Frau nach Bern wählen. Im Bereich des Möglichen ist, dass er an eine linke Frau geht.
Harry Ziegler
Harry Ziegler, Chefredaktor «Zuger Zeitung».

Harry Ziegler, Chefredaktor «Zuger Zeitung».

Die ständige Zuger Wohnbevölkerung betrug Ende 2018 126837 Personen. Davon waren laut Zuger Fachstelle für Statistik 64195 Personen männlich, 62642 Personen weiblich. Ende August dieses Jahres waren 77213 Personen im Kanton stimmberechtigt.

Seit der Einführung des Frauenstimmrechts 1971, hatte Zug über 50-mal die Möglichkeit, eine Frau ins nationale Parlament zu wählen. Gewählt wurden in diesem Zeitraum null. Dieses Jahr kandidieren 75 Personen auf 25 Listen für einen Sitz im Nationalrat. Durch den Verzicht Bruno Pezzattis auf eine erneute Kandidatur ist der FDP-Sitz freigeworden. Auf diesen wird primär gezielt. Denn die beiden Bisherigen, die sich zur Wahl stellen, Gerhard Pfister (CVP) und Thomas Aeschi (SVP), gehören den zurzeit wählerstärksten Parteien im Kanton Zug an und geniessen den Bonus der erneuten Kandidatur. Ihre Wiederwahl gilt als sicher.

Von den 75 für den Nationalrat Kandidierenden sind 38 männlichen und 37 weiblichen Geschlechts. Für den frei gewordenen FDP-Sitz Joachim Eders im Ständerat kandidieren 3 Frauen und 4 Männer. Für beide Wahlgänge ist das Verhältnis der Geschlechter also ziemlich ausgeglichen. Der Kanton Zug ist bezüglich eidgenössischer Wahlgänge mindestens beim Geschlechterverhältnis in der Gegenwart angekommen.

An was also liegt es, dass sich der Kanton Zug mit der Wahl von Frauen ins Bundeshaus derart schwer tut? Es liegt am noch immer katholisch-konservativ geprägten Bild, das die Zugerinnen und Zuger von sich und ihrem Kanton haben. Es ist höchste Zeit, dass sich der Kanton Zug, der nach aussen das Bild des fortschrittlichen, erfolgreichen, modernen Gemeinwesens vermittelt, auch in der Innensicht zum modernen Kanton wandelt. Zusammen mit Glarus, Obwalden und Appenzell Innerrhoden bildet er das unrühmliche Quartett an Kantonen, aus denen noch nie eine Frau ins nationale Parlament entsandt wurde.

Diesen Umstand werden die Zugerinnen und Zuger am 20. Oktober wohl ändern. Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird der FDP-Nationalratssitz an eine Frau gehen. Im Bereich des Möglichen ist, dass er an eine linke geht. Zum einen dürften die aktuellen Diskussionen um Klimawandel und Gleichstellung den Links- und Umweltparteien weiteren Schub verliehen haben. Zum anderen könnten die an den kantonalen Wahlen im letzten Jahr bei den Linksparteien hinzugewonnenen Wähleranteile eine Rolle spielen. Es ist davon auszugehen, dass die durch ihre Listenverbindungen nunmehr vereinigte Linke einen Wähleranteil von über 25 Prozent erreichen wird. Als Favoritinnen innerhalb der Linken gelten primär alt Regierungsrätin Manuela Weichelt (Alternative – die Grünen) und die Zuger Stadträtin Vroni Straub (CSP). Geringere Wahlchancen werden der SP-Kandidatin Christina Bürgi Dellsperger eingeräumt.

Nur: Die FDP ganz abzuschreiben, wäre falsch. Allerdings wackelt ihr Sitz im Nationalrat bedenklich. Die Partei hat in der Nominationsphase zwar personelle Schwächen offenbart, mit der Fraktionschefin im Kantonsrat, Karen Umbach, aber eine Spitzenkandidatin auf den Schild gehoben, die das globalisierte Zug perfekt verkörpert. Die gebürtige Britin ist zudem nicht auf das von FDP-Schweiz-Präsidentin Petra Gössi verordnete Thema Klima und Umwelt aufgesprungen. Das dürfte sie für linke und grüne Kreise zwar weniger wählbar machen, aber diese deucht der plötzliche Sinneswandel der Freisinnigen ohnehin wenig glaubhaft. Bei einigen Bürgerlichen hingegen kann sie damit punkten. Fraglich ist, ob das zur Wahl genügt.

Zwar sind CVP und FDP eine Listenverbindung eingegangen; dieser Friede allerdings scheint – im Lichte der CVP-Online-Kampagne betrachtet, die auch FDP-Kandidaten traf – brüchig. Kommt hinzu, dass CVP und FDP die Stimmen der GLP fehlen werden. Diese politisiert im Kantonsparlament in der CVP-Fraktion, goutiert aber die Listenverbindung mit der Neo-Umweltpartei FDP nicht und zieht alleine in die Wahlen. Die CVP wird dies verkraften. Die GLP-Stimmen waren vor vier Jahren aber notwendig, um FDP-Mann Pezzatti auf den Nationalratssitz zu hieven.

Was für den FDP-Sitz im Nationalrat gilt, gilt auch für den im Ständerat: Er wankt. Auch wenn sich CVP und FDP hier gegenseitig Wahlempfehlungen aussprechen. Eine von unserer Zeitung in Auftrag gegebene Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Sotomo zeigte auf: Der FDP-Kandidat für den frei gewordenen Sitz – der Ende 2018 als Regierungsrat zurückgetretene Matthias Michel – liegt hinter dem amtierenden SVP-Regierungsrat Heinz Tännler. Für den amtierenden Finanzdirektor gilt: Wenn nicht jetzt, wann dann. Tatsächlich ist die Ausgangslage für Tännler günstig wie nie. Er hat als OK-Präsident des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Zug die öffentliche Plattform genutzt. Und als Finanzdirektor hat er die Finanzen des Kantons auf Kurs gebracht.

Kann Matthias Michel den FDP-Sitz im Ständerat in der Majorzwahl nicht verteidigen, verlöre der einst starke Zuger Freisinn den seit 1971 ununterbrochen gehaltenen Sitz in dieser Kammer. Eine allfällige Abwärtstendenz der Zuger FDP würde mit den kürzlich bekannt gemachten nationalen Umfrageresultaten korrespondieren. Die FDP büsst den Prognosen zufolge deutlich Wähleranteile ein. Hinzu kommt, dass die Sotomo-Umfrage unserer Zeitung offenbart, dass nur gerade 79 Prozent der Zuger FDP-Wähler beabsichtigen, ihren eigenen Kandidaten zu wählen. Viel höhere Werte erreichen da SVP (99 Prozent) und CVP (98 Prozent). Zusammen mit dem Bonus als Bisheriger, wird Peter Hegglin (CVP) ziemlich sicher wiedergewählt.

Gelingt es Michel und der FDP in den Tagen bis zur Wahl nicht noch, stark zu mobilisieren, dürfte ihn die niedrigere parteiinterne Unterstützung die Wahl kosten. Sicher wird Michel Stimmen aus der CVP erhalten, auch einige von Links, aber nur wenige aus der SVP. Ohne eine breite bürgerliche Allianz jedoch, ist die Wahl Michels unsicher. Verlöre die FDP am 20. Oktober in Zug ihre beiden Sitze, wäre das ein ziemlich hartes Ankommen in der politischen Gegenwart.

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