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Experten streiten darüber, ob sich Zug als Wolfsgebiet eignet

Wo der «Menzinger» Wolf derzeit steckt, weiss niemand. Vielleicht ist er schon längst über alle Berge. Interessant: Experten sind sich uneins, ob sich Wölfe im Kanton Zug überhaupt langfristig niederlassen können.
Carlo Schuler
Der Ausdruck «einsamer Wolf» kommt nicht von ungefähr: Er hat gerne seine Ruhe. (Bild: Walter Bier/Keystone)

Der Ausdruck «einsamer Wolf» kommt nicht von ungefähr: Er hat gerne seine Ruhe. (Bild: Walter Bier/Keystone)

Mitte Mai ist bei Menzingen «erstmals» im Kanton Zug ein Wolf gesichtet worden. Allerdings muss das Wort «erstmals» relativiert werden: «Es gab früher im Kanton Zug wie in der ganzen Schweiz Wölfe», sagt Albin Schmidhauser vom Amt für Wald und Wild des Kantons Zug. Das Wort «erstmals» beziehe sich somit effektiv auf die Neuzeit, also auf die Epoche nach der völligen Ausrottung der Wölfe in der Schweiz. Gemäss alten Quellen wurde der letzte Wolf auf Zuger Boden vermutlich im Jahre 1707 geschossen. Dies geschah ausgerechnet ebenfalls in Menzingen.

Gut möglich, dass der Zuger Wolf schon längst wieder über alle Berge ist. Ende Mai wurde im schwyzerischen Alpthal vermutlich ein Schaf von einem Wolf gerissen. Ob dies der Menzinger Wolf war, ist unklar. Dies zu behaupten, wäre reine Spekulation, meint Albin Schmidhauser. Wobei: Eine solche Distanz wäre für einen Wolf fast bloss ein Katzensprung. «Wölfe können innert kürzester Zeit Dutzende von Kilometern zurücklegen.»

Die Zuger Wälder sind zumeist relativ klein

Könnte der Kanton Zug auch den Raum bieten für ein eigentliches Wolfsterritorium, so wie man es in der Schweiz mittlerweile vom Calandamassiv bei Chur oder vom Val Morobbia ob Bellinzona kennt? Albin Schmidhauser verneint: «Die Waldungen innerhalb der Kantonsgrenzen sind zu wenig gross, um Lebensraum für Wölfe zu bieten.» Denkbar sei höchstens, dass der Kanton als Randgebiet eines Wolflebensraumes in Frage kommt. Für ein solches Territorium kämen Gegenden im benachbarten Kanton Schwyz in Frage. Dort gibt es mehrere grosse und teilweise auch abgeschiedene Waldgebiete. Wenn sich im Kanton Schwyz also ständig ein Wolfsrudel niederlassen sollte, so wäre es nach Ansicht von Albin Schmidhauser möglich, dass diese Wölfe auf ihren Streifzügen auch im Kanton Zug vorbeikommen könnten. Konkret stünden dabei wohl die Waldungen des Hüritales-Zugerberges und des Gottschalkenbergs im Vordergrund.

«Die Waldungen innerhalb der Kantonsgrenzen sind zu wenig gross, um Lebensraum für Wölfe zu bieten.»

Ob ein Lebensraum für den Wolf stimme, würden die Tiere selber bestimmen, meint Schmidhauser. Die erste Rudelbildung in der Schweiz sei bekanntlich am Calanda erfolgt. Dort stehe den Wölfen ein sehr grosses Rückzugsgebiet gegen Norden hin zur Verfügung. Der Wolf sei ein äusserst scheues Wildtier und damit auch anfällig für Störungen. Gebiete mit hohem Erholungsdruck – wie dies in den zumeist relativ siedlungsnahen Zuger Wäldern der Fall ist – kämen den Bedürfnissen des Wolfes nicht entgegen. Nebst den zu kleinen Waldgebieten spreche laut Schmidhauser auch das gegen eine ständige Ansiedlung von ganzen Wolfsgruppen im Kanton. Eine eigentliche Rudelbildung sei im Kanton Zug entsprechend nicht zu erwarten, sicher aber bleibe Zug ein Durchwandergebiet für Wölfe, die aus dem Voralpenraum Richtung Mittelland und Jura weiterziehen. Dabei gehe es vorab um Jungtiere, welche ihre ursprünglichen Territorien verlassen.

Luzern mit mehr «Wolfs»-Erfahrung

Mirjam Pewnser vom Bundesamt für Umwelt vertritt einen – zumindest teilweise – anderen Standpunkt. Die Fachfrau für Wildtiere sagt, dass sich Wölfe in unserer Kulturlandschaft gut zurecht fänden und keine eigentlichen Wildnisgebiete brauchen. Dies unter der Voraussetzung, dass in der jeweiligen Umgebung genügend Beutetiere vorhanden sind. Das gelte sowohl für Einzeltiere als auch für Rudel.

In Mitteleuropa seien Wolfsterritorien in der Regel ungefähr 200 bis 300 km2 gross. Zum Vergleich: Der ganze Kanton Zug umfasst 239 km2; ein ansehnlicher Teil davon kann als «siedlungsnah» bezeichnet werden. Pewnser findet aber, dass der Kanton Zug für ein Wolfsrudel «nicht unbedingt» zu klein sei. «Wölfe benötigen zum Leben genügend Beutetiere wie Hirsche, Rehe und Gämsen und genügend ruhige Gebiete, um ihre Jungtiere aufzuziehen.» Beides biete der Kanton Zug. Klar sei aber auch, dass sich das Streifgebiet für ein allfälliges «Zuger»-Wolfsrudel wahrscheinlich auch auf Nachbarkantone erstrecken würde.

«Wölfe benötigen zum Leben genügend Beutetiere wie Hirsche, Rehe und Gämsen und genügend ruhige Gebiete, um ihre Jungtiere aufzuziehen. Beides bietet der Kanton Zug."

Mehr Erfahrung mit dem Wolf als Zug hat der Kanton Luzern. Nach Angabe von Philipp Amrein, Fachbereichsleiter Jagd und Fischerei des Kantons Luzern, ist der Wolf im Jahre 2009 nach über 200 Jahren wieder in den Kanton Luzern zurückgekehrt. Die letzten vermutlichen Sichtungen im Kanton erfolgten anfangs April 2018 im Gebiet Sörenberg. Der Wolf sei zwar ein sehr anpassungsfähiges Tier, sagt Philipp Amrein; dennoch bevorzuge er vom Menschen wenig gestörte Lebensräume. Positiv auf die Ansiedlung des Wolfes wirke sich die Anwesenheit des Hirsches aus, weil dieser zu den Beutetieren des Wolfes gehöre. Der Hirsch sei im Kanton Luzern mittlerweile vom Brienzerrothorn- und Pilatusgebiet bis ins Luzerner Hinterland zu finden. Speziell viele Hirsche gebe es im Grossraum Entlebuch und in den angrenzenden Obwaldner und Berner Gebieten. Amrein kann sich entsprechend vorstellen, dass sich Wölfe vor allem in den dortigen grossen Waldgebieten fest niederlassen könnten.

Prämie für den Abschuss «dises Unthiers»

Vermutlich ist der letzte Wolf auf Zuger Boden im Jahre 1707 in Menzingen geschossen worden. Der Zuger «Stadt-und-Amt-Rat» liess damals den am Abschuss beteiligten Jägern von Menzingen dafür eine Prämie von 12 Talern ausrichten. Einem Ratsprotokoll zufolge wurde auch im Frühling 1748 nochmals ein Wolf im Zuger Berggebiet gesichtet. Die Behörden setzten 100 Taler Belohnung für diejenigen aus, welche «dises Unthier» erlegen sollten. Offenbar wurde es dann ausserhalb der Kantonsgrenzen, vermutlich im Kanton Schwyz, erlegt. Überliefert ist, dass «33 Mann» an dieser Wolfsjagd beteiligt gewesen sein sollen.

Wolfsvorkommen prägte die Ortsnamen

Wolfsjagden sind gemäss historischen Quellen vor allem für die waldreichen Gebiete des Zuger Berggebietes überliefert. Zeugnisse von Wolfsvorkommen oder Jagden ergeben sich um das Jahr 1450 für das Gebiet des hinteren Hüritals (Gemeinde Unterägeri), 1670 für das Zugeralpli und 1687 erneut für das Ägerital. 1617 fand eine Wolfsjagd auch im Chiemen, der waldigen Halbinsel am Westufer des Zugersees statt.
Eine Reihe von Namen im Kanton deuten mit einiger Sicherheit auf das Vorkommen von Wölfen hin. Dazu gehören wohl der Wolfsbach im Gebiet Neuägeri oder auch die verschiedenen Wolfsgrueben im Kanton. (cs)

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