Ein Abend voller Nostalgie in der Steinhauser Linde

Der Abbruch des «Gasthaus zur Linde» ist eine Zäsur für die Steinhauser Gastronomie. In zwei Jahren soll es jedoch weine Neueröffnung geben.

Hansruedi Hürlimann
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«Linde»-Wirt Viktor Jans und seine Töchter Valentina, Alexandra und Katharina (v.l.n.r.).

«Linde»-Wirt Viktor Jans und seine Töchter Valentina, Alexandra und Katharina (v.l.n.r.).

Bild: Stefan Kaiser (Steinhausen, 29. August 2020)t

Es herrschte reger Betrieb an der «Ustrinkete» im Restaurant Linde vom letzten Samstag, und der Wirt Viktor Jans hatte zur Verstärkung des Personals seine drei Töchter aufgeboten. Coronabedingt mussten sich die Gäste in eine Präsenzliste eintragen, was der guten Stimmung an jenem Abend jedoch keinen Abbruch tat.

Die Linde hat eine lange Geschichte. 1811 erwarb Philipp Jans von Bernhard Hess das Gasthaus «Dreikönige», das er in «Linde» umbenannte. Damit begann eine Wirte-Tradition über sechs Generationen, die viele Jahre mit einem Landwirtschaftsbetrieb gekoppelt war. Ende der 1960er Jahre wagte Klemenz Jans, der Vater des heutigen Wirtes, zusammen mit seiner Frau angesichts der Hochkonjunktur einen Neubau.

Maria Jans-Zimmermann, von allen Miggy genannt, war als Köchin, Wirtin und Mutter von sechs Kindern die treibende Kraft des Gastrobetriebs. Die beiden ältesten Töchter, Helen und Marlies, wurden schon früh als Hilfskräfte miteinbezogen. «Ich arbeitete lieber in der Gaststube, als Hausaufgaben zu machen», gestand Helen Riccardi-Jans, die lange für ihren Bruder im Service tätig war, gegenüber unserer Zeitung.

Der Umzug von der alten in die neue «Linde» ist ihr in besonderer Erinnerung geblieben: Eines Abends seien die zufällig anwesenden Gäste eingeladen worden, mit musikalischer Begleitung ins neue Restaurant zu zügeln, wo sie gratis bewirtet wurden. «Ich jedoch musste als 14-jähriges Mädchen ins Bett, obwohl ich liebend gerne dabei gewesen wäre.»

Lebkuchen als legendäres Dessert

Geschichten erzählen können auch Marie-Theres Bachmann und ihre Schwester Lisi Suter. Sie wurden kurz nach der Eröffnung Anfang der 1970er Jahre als Serviertöchter angestellt, auf Empfehlung von Paul Hürlimann, einem dorfbekannten Stammgast der «Linde». Sie meisterten zusammen mit der Wirtin täglich 80 und mehr Mittagessen, hauptsächlich für Bauarbeiter aus der damals boomenden Baubranche.

Besonders beliebt war nach Angabe der beiden die Metzgete an der Chilbi mit dem legendären Lebkuchen als Dessert. Aber auch Vereine, politische Parteien, Kegelklubs und Jasser schätzten die Räume in der neuen «Linde». Zum Bedauern der Kegelsportler wird es in der neuen Überbauung, die demnächst realisiert wird, keine Kegelbahn mehr geben.

Tradition statt Hochsee

1993 übernahm Viktor Jans als erfahrener Küchenchef im Einverständnis mit seinen fünf Geschwistern den elterlichen Betrieb zusammen mit seiner Frau Monika, zuerst als Pächter und später als Eigentümer.

Das sei alles andere als selbstverständlich gewesen, sagt er im Rückblick, gab es für ihn doch nach einer sechsmonatigen Tätigkeit auf einem Expeditionsschiff in Südamerika Lust auf noch mehr Meer. «Heute kann ich das machen, was ich für richtig halte», sagt er angesichts der neuen Überbauung, die während drei Jahren geplant wurde. Die «uralte Linde» bleibt als geschütztes Objekt erhalten, und die ehemalige Scheune wird zur neuen Gaststätte umgebaut. In etwa zwei Jahren werde er hier in einem neuen Ambiente wieder Gäste empfangen und im Sommer in der gewohnten Gartenwirtschaft, wo der schweizweit erste Bierbrunnen steht.

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