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Kunst: Ein anderer Blick auf das Wasser

Der junge Zuger Künstler Matthias Moos stellt im Verwaltungszentrum an der Aabachstrasse aus: Die neue Serie «Time Is On My Side» fasziniert und verwirrt zugleich.
Monika Wegmann
Der Zuger Künstler Matthias Moos widmet seine aufwendig entstehenden Werke dem Thema Wasser. Er ermöglicht dem Betrachter ganz neue Blicke auf das Element. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 9. April 2019)

Der Zuger Künstler Matthias Moos widmet seine aufwendig entstehenden Werke dem Thema Wasser. Er ermöglicht dem Betrachter ganz neue Blicke auf das Element. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 9. April 2019)

Die beiden grossen Bilder mit den blauen Farbtönen im Eingangsbereich des Verwaltungszentrums an der Aa ziehen die Blicke der Besucher automatisch an. Stark wirken die Farben und die Motive, welche ein dynamisch bewegtes Wasser zeigen. Beim näheren Betrachten glaubt man sogar, Pinselstriche zu erkennen. Der Zuger Künstler Matthias Moos, der bis 31. Mai mit neuen Fotoarbeiten die Räumlichkeiten im Eingangsbereich bespielt, schmunzelt und sagt: «Es sind Fotos aus je 1784 Bilderstreifen in 3,7 Sekunden entstanden.» In Natura seien das kleine Wellen, die feine Bewegungen erzeugt hätten, die er am Ufer des Zugersees makroartig aufgenommen habe.

Wir sind uns ja gewohnt, mit der Kamera einen Moment oder auf einem Film eine längere Szene festzuhalten. Wie man hier aber sieht, schafft es Matthias Moos, am PC aus unzähligen schmalen Streifen ein einziges, neues Bild zu kreieren, das die Bewegungen des Wassers über einen längeren Zeitraum darstellt. Diese Arbeiten zeigt er in der Ausstellung «Time Is On My Side». Und Matthias Moos überrascht hier damit, wie spannend und variabel er mit Farben und Formaten die Bewegungen des Wassers komponieren kann. Bei diesem Thema geht es ihm um den Einfluss der Zeit auf die menschliche Wahrnehmung. Und das Wasser spielt hierbei eine wichtige Rolle, wobei es ihm gelingt, mit dem Motiv immer wieder andere Eindrücke zu vermitteln.

Verblüffende künstlerische Umsetzung

Einige Besucher versuchen zu erraten, wie das quadratische Bild im Gang entstanden ist, das aus 3528 Bildern, aufgenommen in 117,6 Sekunden, besteht. Es zeigt zwei dunkle Linien, die das rosafarbige Foto durchstreifen. Sie bilden das einzige augenfällige Sujet. «Es sind zwei Enten im See», erklärt Matthias Moos am letzten Dienstag an der gut besuchten Vernissage den verblüfften Besuchern. Auch zwei Haubentaucher hat er fotografisch erwischt, sie sind in einem der schmalen, hochformatigen Werke als kleine, schwarze Punkte integriert. Die Faszination des Künstlers für die Wellen des Wassers ist nachvollziehbar, doch wie er das Thema umsetzt, löst allerseits Erstaunen aus.

Auf Titel hat der Zuger verzichtet, zur Erläuterung sind jedoch überall die technischen Daten nachzulesen. An der Vernissage zeigt Matthias Moos mit Hilfe eines Computers und einem Handy seine aufwendige Arbeitsweise auf. Er berichtet, wie er das Bildmaterial aus den Videosequenzen vom Zugersee mit selbst programmierten Algorithmen und Computercodes zu einer neuen Realität komponiert. Durch diesen künstlerischen Prozess können die Veränderungen des Wassers auf einen Blick nachvollzogen werden: So sind faszinierende, poetische Fotoarbeiten entstanden, die das Wasser auf eine ganz andere Art erleben lassen und kleinste Bewegungen des Sees sichtbar machen.

«Am Zugersee mit seinen Wellen hat alles angefangen. Daraus sind auch klangliche und skulpturale Arbeiten entstanden», sagt Matthias Moos. Viele Bilder basierten auf einem kleinen Ausschnitt nahe beim Ufer, wo man noch den steinigen Boden sehe. Wie er betont, wird es von jedem ausgestellten Foto nur drei Drucke geben.

Regelmässig erhalten Zuger Galerien die Gelegenheit, junge Zuger Künstler im Verwaltungszentrum an der Aabachstrasse einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Die neue Ausstellung mit Matthias Moos, bei der Kantonsbaumeister Urs Kamber die Gäste begrüsste, wird organisiert durch die Direktion für Bildung und Kultur, die Baudirektion des Kantons Zug sowie die Galerie Billing Bild, Baar. Gaby Billing präsentierte eine Vorschau, denn Matthias Moos wird parallel vom 4. Mai bis 16. Juni einen weiteren Teil seines Wasser-Themas mit Fotos und Installationen in der Baarer Galerie zeigen.

Es begann mit der Themse im Mondlicht

Der 1981 in Zug geborene Matthias Moos ist freischaffender Künstler und hat sein Atelier in der Shedhalle. Er studierte an der Zürcher Hochschule der Künste und am Goldsmith College in London. In den Jahren 2012 und 2017 erhielt er einen Förderpreis des Kantons Zug. Mit dem Thema Wasser befasst er sich schon länger. «Die Idee ist mir in London gekommen, als ich dort vor einigen Jahren die Themse im Mondlicht sah.» Eigentlich komme er vom Klang her, seine künstlerische Basis sei die Soundart. «Meine erste Arbeit zum Thema Wasser entstand 2016 mit einer Schallplattenaufnahme. Die neue Bildserie ist eine Weiterentwicklung des Themas. Und lächelnd gibt er offen zu: «Die Verfahren für die Fotoserie habe ich alle selbst entwickelt und auch die Software dafür geschrieben. Ja, ich bin ein technischer Tüftler.»

Ausstellung «Time Is On My Side» im Verwaltungszentrum an der Aa, Zug, bis 31. Mai (Mo-Fr, 8-18 Uhr). Vom 4. Mai bis 16. Juni zeigt er einen weiteren Teil mit Installationen in der Galerie Billing Bild, Baar.

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