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Hingeschaut: Ein angemessener Stein für Jost Ribary

Oberägeri besitzt eines der grössten Denkmäler für einen Musiker weit und breit. Die Errichtung war ein kleiner Kraftakt.
Andreas Faessler
1972 hat der Oberägerer Komponist seine würdige Gedenkstätte erhalten. Bild: Maria Schmid (3. Oktober 2019)

1972 hat der Oberägerer Komponist seine würdige Gedenkstätte erhalten. Bild: Maria Schmid (3. Oktober 2019)

In der Schweizer Denkmallandschaft lässt sich tendenziell eine gewisse Zurückhaltung feststellen. Man gedenkt verdienten Menschen eher im Geiste, als mit aufwendigen Monumenten. Dem grossen Ägerer Volksmusiker Jost Ribary (1910-1971) aber wird beides zuteil – und noch mehr. Nicht nur kennt man seinen Namen fast überall und hat mindestens den einen oder anderen Tanz des Komponisten im Ohr – in seinem Heimatdorf Oberägeri hat man kurz nach Ribarys Tod auch gleich ein stattliches Denkmal für ihn errichtet. Es ist in seinen Ausmassen wohl eines der grössten hierzulande, welches einem Musiker gilt.

Der Anstoss für ein Ribary-Denkmal aber kam nicht etwa von jemand Einheimischem, sondern von zwei Auswärtigen, die den grossen Musiker hoch schätzten. Der eine war Hans Brüsch aus dem Appenzellischen, welcher den Ägerer Ländlerfürsten kennen lernte, als dieser in der Zürcher Altstadt lebte und im Restaurant Konkordia regelmässig aufspielte. Brüsch betrieb damals einen Käseladen in Zürich und war als grosser Volksmusikfreund häufig im Publikum, wenn Ribary – sein Vorbild – auftrat. Die beiden verband eine enge Freundschaft. Brüsch war 1971 OK-Präsident des ersten eidgenössischen Ländlermusikfestes in Sargans, zu dem er Ribary als Obmann hatte einladen wollen. Doch verstarb der Komponist wenige Monate vor dem grossen Anlass im Alter von nur 60 Jahren.

Zwei Standortvorschläge

Der zweite war Hans Fischer aus Chur. Auch er kannte Ribary aus dem «Konkordia» und war zudem mit Hans Brüsch befreundet. Unmittelbar nach Ribarys Ableben fassten die beiden Bewunderer gemeinsam den Entschluss, ihrem Idol in Oberägeri ein Denkmal zu setzen. Auf eine Anfrage im Kanton Zug für einen geeigneten Standort im Dorf folgte positive Rückmeldung: Ein Platz am See wurde vorgeschlagen und einer an der Hauptstrasse. Die zweite Variante setzte sich schliesslich durch. Die Gemeinde Oberägeri erklärte sich denn auch bereit, die Pflege für das Denkmal zu übernehmen. Vorgesehen war ein Stein mit einer bronzenen Gedenktafel.

Die Umsetzung der Stätte sollte sich allerdings als ordentlicher Kraftakt erweisen: Um die Bedeutung des Ägerer Ländlerkönigs angemessen zu repräsentieren, musste der Stein eine würdige Grösse haben. Hans Fischer war persönlich bekannt mit dem Betreiber des Steinbruchs in Andeer GR, wo er einen geeigneten Granitstein holen wollte.

Riskante Fahrt mit Überlast

Als so einer im April 1972 gefunden war, wollte Fischer diesen mit einem Ladewagen abholen, der mit maximal acht Tonnen beladen werden durfte. Als man den Stein vor Ort wog, war dieser aber weit über elf Tonnen schwer. Da Fischer unbedingt darauf bestand, dass Ribary einen angemessenen Brocken kriegen sollte, fuhr er bei Nacht und Nebel und mit der Hoffnung, nicht erwischt zu werden, mit über drei Tonnen Überlast vom Bündnerland nach Oberägeri. Der bereitstehende Hebekran war aber zu klein, um den Granit vom Wagen auf das bereits angelegte Fundament zu heben. Es musste kurzfristig ein grösserer Kran organisiert werden.

Schliesslich war es vollbracht: Der hinkelsteinförmige Andeerer Granit stand an seinem vorgesehenen Platz, die von einer deutschen Firma gegossene Gedenktafel mit dem Porträt Jost Ribarys wurde montiert, daneben kamen zwei Sitzbänke aus Granit zu stehen – fertig war das stattliche Denkmal, das bis heute trotz Standort an der Hauptstrasse ein beschaulicher Ort mit viel Grün geblieben ist. Und an einen begnadeten Oberägerer erinnert, dem die Nachwelt ein reiches volkstümliches Oeuvre zu verdanken hat.

Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.

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