Ein Anliegen, das seit bald 30 Jahren wartet

Die Forderung nach einer aktuellen Zuger Stadtgeschichte ist Inhalt des älteste noch hängigen Vorstosses in einem Zuger Parlament.

Zoe Gwerder
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Im April 1990 hatte der damalige Stadtparlamentarier Peter Kamm, die Aufarbeitung der Geschichte der Stadt Zug bis 2002 verlangt. Der Vorstoss ist noch immer hängig – deren Geschichte noch nicht aufgearbeitet. Es ist der älteste Vorstoss im Grossen Gemeinderat (GGR) der noch nicht erledigt ist.

Kamm schrieb im April 1990 in seiner Motion «für eine aktuelle Zuger Stadtgeschichte», dass die letzten Geschichtsschreibungen der Stadt Zug «die der Bevölkerung und den Schulen Auskunft über Stadtentstehung und das frühere Leben und Arbeiten in Zug geben», aus dem Jahr 1824 und 1864 stammen. Seit Jahren sei die Forschung dabei, Erkenntnisse in grosser Zahl zu gewinnen. Dies solle zugänglich gemacht werden. Kamm war überzeugt, dass «die Kenntnis über Zusammenhänge und über das Werden des heutigen Zug die Verantwortung für die Zukunft fördert und für die städtebauliche Weiterentwicklung der Stadt wichtig ist.»

Die Zuger Geschichte war ihm ein Anliegen

Der Verfasser des Vorstosses, der Architekt und Kunstsammler Peter Kamm, verstarb vor elf Jahren. Seine Schwester Christa Kamm weiss wohl nichts von diesem Vorstoss. Das Anliegen habe aber sehr gut zu Peter Kamms Interessen gepasst, erklärt sie. «Er interessierte sich für die Geschichte. Ihm war Zug wichtig, weil er hier aufgewachsen ist und hier auch gelebt hat.» Zudem habe er dafür gesorgt, dass die Athene nicht abgerissen wurde. Auch das Metalli wollte er erhalten – die Gebäude der Metallwarenfabrik, wo heute das gleichnamige Einkaufszentrum steht. «Für mich ist es deshalb ganz klar, dass er sich für die Stadtgeschichte eingesetzt hatte.»

Stadt und Kanton sind eng verknüpft

Fast 30 Jahre nach dem Einreichen der Motion, steht Zug noch immer ohne Geschichte da. Seit längerer Zeit liegt das Vorhaben jedoch nicht mehr bei der Stadt, wie Stadtarchivar Thomas Glauser sagt. «Stadtarchiv und Staatsarchiv sind zum Schluss gekommen, dass eine isolierte Darstellung der Stadtgeschichte ohne Einbezug des ganzen Kantons keinen Sinn macht.» Denn bis 1798 lebte rund die Hälfte der Bevölkerung des Standes Zug in der Stadt und in ihrem Untertanengebiet. Es sei daher entschieden worden, die Geschichte der Stadt Zug im Rahmen der ebenfalls noch zu schreibenden Kantonsgeschichte darzustellen.

«Auf Initiative des Historischen Vereins des Kantons Zug liess der Kanton ein Konzept für eine Kantonsgeschichte erstellen, in dem auch das Schliessen der noch bestehenden, grossen Forschungslücken vorgesehen war.» Finanziert worden wäre es gemäss Glauser aus dem Lotteriefonds. Aus Kostengründen habe der Kanton die Umsetzung dieses Projekts im Zuge des Sparpakets 2015–2018 aber nicht weiterverfolgt.

Neuer Vorstoss lässt Kanton schweigen

Inzwischen verzeichnet der Kanton wieder Gewinne. Für das kommende Jahr ist gar ein Überschuss von fast 150 Millionen Franken budgetiert. Ob nun die Aufarbeitung der Zuger Kantonsgeschichte wieder zum Thema wird, ist von den Zuständigen beim Kanton nicht zu erfahren. Grund dazu ist ein aktueller Vorstoss von GLP-Kantonsrat Daniel Stadlin, der Fragen zum Stand der Kantonsgeschichte stellt. Erst nach einer Beantwortung dieser Interpellation könne die Regierung weitere Fragen beantworten, heisst es beim Kanton.

Auskunft geben kann hingegen Daniel Stadlin. Obwohl er nicht wusste, dass zu seinem Anliegen ein Vorstoss im GGR noch hängig ist, geht er mit Peter Kamm einig: «Zug braucht dringend eine Niederschreibung seiner Geschichte. Ich bin fast etwas erschrocken, als ich gesehen habe, dass wir kein solches Werk haben. Die Geschichte des Kantons gehört doch zu uns.» Nur einzelne Kapitel seien teilweise erforscht. «Eine Zeitachse mit der Entwicklung – der ganze Fluss der Entstehung des heutigen Kantons – ist nirgends festgehalten.» Es müsse ja nicht gleich ein Buch sein, doch mindestens niedergeschrieben und abrufbar müssten es sein.

Wann der Regierungsrat Stadlins Vorstoss beantwortet ist gemäss Landammann Stephan Schleiss noch nicht klar. Sollte sich der Kanton jedoch gegen die Umsetzung einer Kantonsgeschichte entscheiden, hätte dies auch Folgen auf den GGR-Vorstoss von Peter Kamm. Gemäss Stadtarchivar Glauser wäre es dann an der Stadt, nochmals über die Bücher zu gehen und zu entscheiden, ob die Stadt selber eine solche Geschichtsschreibung realisieren will. Die Motion von Peter Kamm wird entsprechend weiterhin aktiv bleiben – die Frist kann beliebig lang weiter erstreckt werden.