Ein Auftritt der Menzinger Schauspieler fast genau so wie vor 70 Jahren

Die Theatervereinigung Menzingen feiert mit «Landdienst 1950» ihr Jubiläum - und zeigt das selbe Stück wie damals.

Caila Schilling
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Bauer Grunder, Knecht Dominik, Ruth Sommerhalder und die Bäuerin (von links) in der Stube.

Bauer Grunder, Knecht Dominik, Ruth Sommerhalder und die Bäuerin (von links) in der Stube.

Bild: Stefan Kaiser (Menzingen, 21. Oktober 2020)

Der Vorhang in der Schützenmatt Menzingen öffnet sich am 23. Oktober zur Premiere des diesjährigen Stücks der Theatervereinigung und entführt die Zuschauer sogleich in eine andere Zeit – in die 1950er-Jahre. Wir befinden uns im Hause der Grunders, einer armen Bauernfamilie, die auf die Hilfe ihrer Angestellten angewiesen ist. Dem Bauern Christian Grunder (Michael Schild) wird das Land weggenommen, weil darauf eine Fabrik gebaut werden soll.

Sein Verdingbub Ruedi liegt krank im Bett, was der sture Grunder jedoch nur als Ausrede sieht. Für den Landdienst wird das taffe Stadtmädchen Ruth Sommerhalder (Tamara Zurfluh) eingesetzt. Sie lässt sich von den schroffen Bemerkungen des Bauern nicht unterkriegen. Knecht Dominik (Beat Weiss) und Ruth werden sich den Ungerechtigkeiten im Hause Grunder gegenüber den Angestellten bewusst, wobei Dominik das Leben des Verdingbubs als «Aufwachsen ohne Liebe und Wärme» beschreibt.

«Was in seiner Seele kaputtgeht, ist dir egal»,

mahnt er Grunder. Ruth setzt sich für den Verdingbub Ruedi ein und gerät so in einen Konflikt, der auf Misstrauen, Sturheit und Irrtum beruht. Die ernste Lage der damaligen Zeit wird durch die Darsteller mit viel Humor, schauspielerischem Können sowie realitätstreuen Emotionen verkörpert.

Die Regisseurin schrieb das Stück eigens um

«Landdienst 1950» zeigt die Armut der Landbevölkerung der damaligen Zeit sowie die unterdrückte Stellung der Angestellten. Es zeichnet sich aber auch der Beginn eines Wandels ab. Angestellte, insbesondere auch Frauen, begannen, sich durchzusetzen, und der Wohlstand der Bevölkerung setzte ein. Die Theatervereinigung Menzingen führt anlässlich ihres 70-Jahr-Jubiläums das gleiche Stück wie vor 70 Jahren auf.

«Landdienst» wurde 1947 vom Theaterautor Jakob Strebler verfasst, welcher die damaligen Zeitprobleme auf die Bühne brachte. Laut der Regisseurin Rita Kälin war in der Stückwahlkommission schnell klar, dass zum Jubiläum «Landdienst» aufgeführt werden sollte. Heute werde offener und nicht mehr hinter vorgehaltener Hand über die damaligen Probleme diskutiert. Rita Kälin, welche bereits zum dritten Mal Regie führt, schrieb das Stück um und schuf somit eine der gegenwärtigen Zeit angepasste Vorstellung. So wurden ein Handklatsch, eine tröstende Berührung und allgemeine Nähe bewusst weggelassen, um den Coronavorgaben zu entsprechen.

Der Probenbeginn war im Mai, wobei zu Beginn jeweils etappenweise geprobt wurde, um den damals geltenden Regeln zu entsprechen. Nach der Sommerpause gingen die Proben richtig los und die Schauspieler konnten sich intensiver mit ihren Rollen auseinandersetzen. Als Lokalität wurde oft eine Bauernwiese genutzt, um den Sicherheitsabstand von 1,5 Metern sauber einhalten zu können. Laut Regisseurin verloren die Schauspieler trotz all der Umstände die Begeisterung und den Zusammenhalt nicht. Stolz erzählt sie im Gespräch: «Der Weg ist das Ziel, uns geht es nicht nur um die Aufführung.»

Weitere Aufführungen: Dienstag, 27. Oktober, Freitag, 30. Oktober, und Samstag, 31. Oktober, jeweils um 20 Uhr. Weitere Infos, auch zum Schutzkonzept finden Sie hier.