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Ein Baarer macht's möglich: Spenden per Blockchain

Severiyos Aydin aus Baar will für volle Transparenz bei Spendengeldern sorgen. Tests in Syrien waren erfolgreich.
Christopher Gilb

Seit 2013 unterstützt Severiyos Aydin aus Baar mit seinem Hilfswerk Aramaic Relief International Armutsbetroffene und Minderheiten in den Krisengebieten in Syrien und im Nordirak. Im Mai 2018 hat der ehemalige Rohstoffhändler ein Start-up gegründet mit dem Ziel, Spendenkampagnen und Hilfsprojekte zu vereinfachen. Das Ergebnis daraus ist die Crowdfundingplattform Aidonic, die von der IT-Firma ti&m AG mitentwickelt wurde. Diese wurde jetzt erstmals in Syrien getestet.

«Wenn jemand spendet, dann erhält er von der Hilfsorganisation eine Spendenbestätigung», erklärt Aydin. Die Hilfsorganisationen verwenden das Geld etwa für Essenslieferungen, für Lebensmittelgutscheine oder setzen es für weitere Hilfsprojekte ein. Ein Teil der Spende gehe aber auch in die Verwaltung. Wie viel genau und wie das Geld im Detail verwendet werde, könne dem Spender aber nicht immer genau nachgewiesen werden. «Unsere Plattform hingegen sorgt für eine hundertprozentige Transparenz», sagt Aydin weiter.

Spende wird als QR-Code angezeigt

«Aidonic» läuft mit Blockchain-Technologie, also über eine dezentralen Datenbank, auf die alle Teilnehmer Zugriff haben. Dort registrieren die Hilfsorganisationen dann die Spendenempfänger sowie die Dienstleister, wie etwa Supermärkte, Apotheken oder bei Stipendien Universitäten. Auch die Spender registrieren sich auf «Aidonic». «Die konkrete Spende wird dann in einen digitalen Gutschein umgewandelt. Hat der Bedürftige ein Smartphone, erhält er diesen als QR-Code auf seinen Bildschirm, falls nicht, wird der Gutschein auf eine Karte gedruckt», erklärt Aydin.

Ein Testversuch in einem syrischen Supermarkt. (Bild: PD)

Ein Testversuch in einem syrischen Supermarkt. (Bild: PD)

Eingelöst wird die Spende, in dem der Code im Geschäft gescannt wird. «Wir haben die Plattform nun mit 200 Empfängern unseres Hilfswerks getestet und sie funktioniert gut», bilanziert der Baarer. Zwar sei das Internet mancherorts für eine effiziente Abwicklung noch etwas langsam gewesen, aber jede Transaktion habe schlussendlich geklappt. Und die Vorteile würden auf der Hand liegen. «Der Spender selbst kann dank der Blockchain die komplette Abwicklung verfolgen; er sieht auf die Minute genau, wann und wo die Spende eingelöst wird und sieht sogar die Initialen der Person, die sie einlöst, weiss also, dass diese real ist.»

Für die Hilfsorganisation verkleinere sich der Verwaltungsaufwand, da alles automatisiert sei. Und da die Gutscheine lokal eingesetzt würden, werde auch ein Beitrag zum Wiederaufbau der Wirtschaft geleistet.

Einen Erfolg konnte das Start-up diesen Juni verbuchen, da wurde «Aidonic» am Swiss Blockchain Investor Day 2019 aus 160 Bewerbern als zweitbestes Start-up prämiert. «Inzwischen laufen nun Verhandlungen mit Investoren», so Aydin. Aus dem bisher aus eigenen Mitteln finanzierten Start-up soll bald eine AG werden; die Plattform dann Anfang 2020 aufgeschaltet werden. «Am Mittwoch haben wir das Konzept der UNHCR-Sektion im Libanon vorgestellt», berichtet der Firmengründer. Rund 1,5 Millionen Flüchtlinge leben dort. Und auch andere Hilfsorganisationen hätten bereits Interesse an «Aidonic» gezeigt.

Grossteil des Gelds kommt an

Die Crowdfundingplattform selbst sollen Hilfsorganisationen dann kostenlos nutzen können, würden sie aber die Technologie ins eigene System integrieren wollen, falle eine kleine Lizenzgebühr an. Während weltweit im Durchschnitt nur zirka 20 bis 50 Prozent des Spendengelds direkt bei den Bedürftigen ankomme, seien es bei «Aidonic» 85 bis 95 Prozent. «Die Differenz geht an die Hilfsorganisation für die Entwicklungshelfer und ein kleiner Teil als Transaktionsgebühr an uns für die Entwicklungs- und Wartungskosten der Plattform», erklärt Aydin.

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