Ein Ball für kleine Fasnächtler

Am Kinderball der Meisterzunft zeigten sich Hexen, Froschkönige und Schneewittchen – und alle wollten die Schönsten sein.

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Noch mehr Schlümpfe. (Bild: Christof Borner-Keller / Neue ZZ)

Noch mehr Schlümpfe. (Bild: Christof Borner-Keller / Neue ZZ)

Löbliche Vorsätze hatten sich die Menzinger Handwerker anno 1821 genommen, als sie die Meisterzunft gründeten. Die 37 Mitbegründer wollten mit der Gründung Streitigkeiten und Missgunst beilegen und die gegenseitige Freundschaft pflegen. Ebenso war es Ziel, das berufliche Ansehen im Dorf zu verbessern.

Auch heute, 191 Jahre nach der Gründung, sorgt die Meisterzunft mit ihrem alljährlichen Meistertag für Aufmerksamkeit. Wie jedes Jahr wird nämlich ein Kinderball organisiert, an dem bis zu 400 Kinder und Eltern teilnehmen. Das diesjährige Motto – Märchen – ist kaum zu übersehen. Es wimmelt von Hexen, Prinzen und Prinzessinnen, von Zwergen und Feen, die alle fröhlich aussehen. Besonders auf die Guggenmusig und die Polonaisen freuen sich die Kinder. Das Zentrum Schützenmatt ist zwar etwas spärlich dekoriert, aber den herumwuselnden Kindern macht dies überhaupt nichts aus. Sie scheinen sich ihre Schlösser und Zauberwälder gut selber vorstellen zu können.

Noch mehr Schlümpfe. (Bild: Christof Borner-Keller / Neue ZZ)

Noch mehr Schlümpfe. (Bild: Christof Borner-Keller / Neue ZZ)

Das schönste Kostüm wird gekürt

Auffallend viele Kinder und Eltern sind in handgemachten, liebevoll geschneiderten Kostümen unterwegs. Dies nicht ganz ohne Grund, denn wie jedes Jahr gibt es auch dieses Mal einen Wettbewerb für die schönsten Einzel- und Gruppenkostüme. Eine Gruppe von Erwachsenen und Kindern ist als Froschkönig-Familie unterwegs. Selbst das kleinste Kind, das die konfettireiche Halle krabbelnd erkundet, macht bereits Gattung als Frosch. Schneewittchen und die sieben Zwerge scheint eines der beliebtesten Sujets zu sein.

Auch Davina Odermatt aus Menzingen hat sich für dieses Märchen entschieden. Als wüste Hexe verkleidet, nimmt sie, gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Bruder, am Wettbewerb teil. Die beiden sind gekonnt als Spiegel und Zwerg verkleidet. Die Primarschülerin Leonie Nauer ist ein Schneewittchen, wie sie kein Bilderbuch besser zeichnen könnte. Gemeinsam mit sieben Zwergen-Freunden, die Gartengeräte bei sich haben und Apfelringe verteilen, hofft sie auf den Preis für das schönste Gruppenkostüm. «Ich glaube schon, dass wir gewinnen können», ist der grösste Zwerg überzeugt. Nicht ganz schlüssig wird man bei den Indianern, Cowboys und den Vampiren, die durch den Saal rennen. Das Motto Märchen lässt offenbar viel Raum zur Interpretation.

Die Erwachsenen feiern weiter

Die Jury des Wettbewerbes ist leicht zu erkennen. Mehrere Mitglieder der Meisterzunft spazieren mit weinroten, samtenen Mützen in der Halle umher und schreiben sich auf, welche Kostüme ihnen besonders gefallen. Verdächtig oft werden sie von den Kindern mit Schleckwaren beschenkt. Urs Zahner ist einer dieser Herren. Als Säckelmeister der Zunft organisiert er den Kinderball: «Der Meistertag ist für mich etwas sehr Schönes. Einerseits trifft man die anderen Zunftmitglieder und kann die Kameradschaft pflegen, anderseits leisten wir mit dem Kinderball etwas für die Menzinger Bevölkerung.» Obwohl Zahner am Morgen um 5 Uhr traditionsgemäss von der Guggenmusig Menzikus aus den Federn geholt wurde, wirkt er hellwach. Der Tag wird wohl auch noch lange dauern. Nach dem Kinderball findet nämlich wie jedes Jahr ein Ball für geladene Gäste statt, wo die sechzig Zünftler den Abend gemütlich ausklingen lassen.

Valeria Wieser