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Auf dem Papieri-Areal in Cham entsteht ein Bistro auf Schienen

Der Kampfkunstverein Shinson Hapkido baut vor dem Lagerhaus auf dem Papieri-Areal einen ausrangierten Bahnwagen zu einem Beizli um. Mit den Arbeiten ist man auf Kurs.
Vanessa Varisco
Ein neues Lokal: Marco Müller im Bahnwagen des Bistro Gleis08 auf dem Areal der Papierfabrik Cham. (Bild: Stefan Kaiser (11. Juni 2019))

Ein neues Lokal: Marco Müller im Bahnwagen des Bistro Gleis08 auf dem Areal der Papierfabrik Cham. (Bild: Stefan Kaiser (11. Juni 2019))

25 Meter lang und 30 Tonnen schwer: Der Bahnwagen, der im Dezember 2017 vor das Lagerhaus auf dem Papieri-Areal geliefert wurde, hat imposante Masse. Neun Tonnen Material hat der Kampfkunstverein Shinson Hapkido inzwischen aus dem ausrangierten Waggon entfernt. «Im Frühling 2018 haben wir mit der Entkernung begonnen. Alte Leitungen und Tanks haben wir ausgebaut und stattdessen Isolation angebracht», schildert Projektleiter Thomas Werder vom fünfköpfigen Projektteam. Er sitzt gemeinsam mit Marco Müller, zuständig für die Medienarbeit, in der Mitte des Wagens, wo inzwischen deutlich erkennbar ist, dass hier ein Bistro entsteht.

Einiges hat sich getan seit der Anlieferung: Zehn Klapptische aus dunklem Eichenholz wurden inzwischen eingebaut, an den Seitenwänden sind Akustikdecken angebracht und LED-Lampen sind an den Seitenleisten eingebaut worden. «Je nach Stimmung können die Farben der Lichter geändert werden», erklärt Thomas Werder und ergänzt zufrieden: «Eine Spielerei, auf die wir ein bisschen stolz sind.»

Früher ein Fenster, heute der Eingang

Der Eingang für das entstehende Bistro mit dem Namen «Gleis 08» ist in der Mitte des Wagens. «Wo jetzt die Türe ist, war früher ein Fenster», verrät Marco Müller. Tritt man in den Wagen ein, befindet man sich also direkt im Bistro. Zur Linken befindet sich die Bar, dahinter die Küche, an welcher zurzeit noch kräftig gearbeitet wird. Wer einen Blick hineinwirft, sieht dort einen noch weitgehend leeren Raum. Marco Müller erläutert die nächsten Schritte: «Auch hier wird bald die Isolation eingebaut.» Er zeigt an die Wände und die Decke und führt aus: «Und auch das Lüftungssystem wird eingesetzt. Das ist entscheidend, schliesslich will niemand nach seinem Besuch nach Pommes riechen.» Aus diesem Grund wurde die Küche auch nicht offen gestaltet.

Auf der gegenüberliegenden Seite werden zwei WC-Anlagen eingebaut. Auch das steht noch auf der Pendenzenliste des engagierten Vereins. Aktuell werden die Scheiben eingesetzt, was auch die grosse Blache über dem Wagen erklärt – ohne die wäre es noch frisch. Die alten Fenster des 50-jährigen Waggons waren lediglich einfach verglast. Die neuen sollen aus Gründen der Nachhaltigkeit dreifach verglast sein.

Denn Nachhaltigkeit wird grossgeschrieben beim Umbau des Wagens zum Bistro. Verschiedene Materialien hat der Verein daher in gebrauchtem Zustand erworben: So war zum Beispiel die Spülmaschine, die künftig hier eingebaut wird, davor bei einer Cateringfirma im Einsatz. Oder bei der Sanierung des Schulhauses Röhrliberg hat das Team Türen ausgebaut, die am Eingang des Bistros eingesetzt worden sind. Und die Blache, die aktuell über den Wagen gestülpt ist, haben Maturanden davor benutzt, um sie anlässlich ihres Abschlusses mit Sprüchen zu bemalen und an der Schule aufzuhängen. «Wir versuchen, den Spagat zwischen Nachhaltigkeit und Neumaterialien zu meistern. Wir wollen hochwertig bauen mit bestehenden Materialien», räumt Thomas Werder ein.

Bei 2,6 Metern Breite muss man kreativ sein

Denn alles, was technisch sei, müsse neu angeschafft werden. Diese Art zu bauen bringt eine Herausforderung: Anders als bei der Bestellung von Neuware aus dem Katalog, muss das Projektteam flexibler sein, Augen und Ohren offen halten für Geräte oder Materialien, die sie möglicherweise übernehmen könnten. «Das Schöne daran ist allerdings, dass wir alles Schritt für Schritt angehen können», findet Marco Müller. Nichtsdestotrotz musste das Projekt im Voraus gut geplant werden: Denn bei einer Breite von lediglich 2,6 Metern gilt es, kreative Lösungen zu finden. Was das Projektteam getan hat: Die montierten, einklappbaren Tische haben keine Beine, nur die Beistelltische, die optional hinzugefügt werden können. «30 Leute können hier sitzen, wenn wir voll ausgelastet sind», rechnet Werder vor und ergänzt: «Innerhalb von zehn Minuten können wir aber auch den ganzen Raum leeren, sodass beispielsweise eine Ausstellung aufgebaut werden könnte.» Inspiration hat der Verein sich bei drei anderen umgebauten Waggons geholt. «Mit den Erstellern konnten wir auch über Möglichkeiten und Schwierigkeiten sprechen. Was sehr hilfreich war für unseren Prozess», berichtet Müller.

Ein ambitioniertes Projekt wie dieses kommt nicht ohne helfende Hände aus. Davon hat es reichlich, wie die beiden berichten. «In unserem Verein gibt es viele Mitglieder, die abends oder an den Wochenenden anpacken», wissen sie. Fachleute wie Elektriker oder Schreiner bringen ihr Wissen grosszügig ein – Wissen, das unabdingbar ist, wenn es um den Einbau technischer Elemente geht. Und auch der soziale Aspekt kommt nicht zu kurz: Schon zweimal haben Klienten der Zuwebe während einer Woche ein Praktikum durchgeführt und am Wagen mitgearbeitet. «Wir sind auf Kurs mit unserer Arbeit», versichern die beiden und lassen ihren Blick durch den Raum schweifen. Geplant ist ein «Soft Opening» im Herbst. Denn zuerst steht die Sanierung des angrenzenden Lagerhauses, in welches der Kampfkunstverein sein Training irgendwann verlegen möchte, noch bevor. Dafür muss noch ein Kredit von der Gemeindeversammlung genehmigt werden. «Und nach der Sanierung des Lagerhauses werden wir dann definitiv eröffnen», erklärt Werder.

Im Herbst werde das Bistro wohl noch von Vereinsmitgliedern bewirtschaftet, wie es danach weitergeht, arbeitet das Projektteam aktuell noch aus. «Das Bistro soll nicht nur Vereinslokal sein, sondern auch ein Lokal in dem sich beispielsweise die künftigen Bewohner des Papieri-Areals gerne verpflegen», resümiert Marco Müller zuversichtlich.

Hinweis
Mehr Informationen gibt es unter www.gleis08.ch

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