Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ein Buch erzählt von 50 Schicksalen aus dem Freiamt

Ernst Fankhauser aus Muri erhält das Buch «Damals im Freiamt», worin er auch porträtiert wurde. «So geht man nicht vergessen», freut er sich.
Andrea Weibel
Autorin Yvonne Steiner übergibt Ernst Fankhauser das Buch «Damals im Freiamt». (Bild: Andrea Weibel)

Autorin Yvonne Steiner übergibt Ernst Fankhauser das Buch «Damals im Freiamt». (Bild: Andrea Weibel)

Es war der 2. April 2013, als Ernst Fankhauser aus Muri sich selber aus der Aargauer Zeitung entgegen lächelte. Heute, gut sechs Jahre später, lächelt ihn dasselbe Gesicht aus einem 207 Seiten dicken Buch an. «Es war mir damals schon eine Ehre, dass mich Frau Steiner für die Serie anfragte. Und jetzt das Buch. Schön, so geht man nicht vergessen», sagt Fankhauser und freut sich sichtlich.

Neben ihm am Tisch sitzt die Berikerin Yvonne Steiner. Sie war es, die ihn als Nummer 40 in ihrer 50-teiligen Serie «Damals im Freiamt» der Aargauer Zeitung porträtierte. Wie die 49 anderen Interviewten wurde auch Fankhauser zu seiner Kindheit und Jugend im Freiamt befragt. Und noch heute weiss er – genau wie vor sechs Jahren – viele Geschichten von damals zu erzählen.

Goldene Schallplatte statt Karriere hinter Gittern

Der 86-jährige Ernst Fankhauser wuchs mit seinen sechs Geschwistern in Muri auf. Weil schon die Eltern gern sangen und die Mutter Mundharmonika spielte, gab es für die Kinder nichts Schöneres, als zu musizieren. So begann Ernst, sich aus dem Gehör das Mundharmonikaspiel beizubringen. Bald schon spielte er mit seinen Brüdern, manchmal vom Jodelgesang der Schwestern begleitet, in den Wirtschaften in der Umgebung. «Die Schulpflege hatte keine Freude an unseren Auftritten», erzählt er noch heute. So lautete auch der Titel des Artikels damals. Er erzählt weiter, wie es auch im Buch steht:

«Man prophezeite uns, dass wir noch vor dem 20. Geburtstag im Zuchthaus landen würden, wenn wir weiterspielten. Sie glaubten, wir würden dem Alkohol verfallen.»

Er lacht und ist stolz darauf, dass er stattdessen Karriere gemacht hat. Obwohl ihm der linke Daumen fehlt, ist er 23 Jahre lang zusammen mit der bekannten Ländlerkapelle Hans Aregger in der Schweiz und der ganzen Welt aufgetreten. Bis nach Hongkong schaffte er es. 1980 erhielt er gar eine Goldene Schallplatte für 25 000 verkaufte Schallplatten und wurde in einem Buch über die Ländlerkapelle verewigt. All die Geschichten fallen ihm auch jetzt, beim Durchblättern des Buches, wieder ein. Und er erinnert sich an viele andere der Interviewten von früher. So beispielsweise an Metzger Walter Etterlin, «der wohnte gleich hier unten», sagt er und zeigt aus dem Fenster.

Auch bei Zahntechnikerin Ruth Huber-Strebel nickt er erkennend und sagt: «Ja, das war eine Nette.» Und bei der Pöstlerin Maria Allemann-Wirth berichtet er: «Das ist die Frau vom Seppi. Die kamen immer grüezi sagen. Man vergisst sich nicht, auch wenn man nicht allzu oft Kontakt hat.»

Genau so hat es sich die Autorin gewünscht

Solche Momente hat sich Yvonne Steiner gewünscht, als sie das Buch zusammenstellte. «Ich habe bei jedem Interview Neues über das Freiamt gelernt. Das war sehr spannend», erinnert sie sich. «Aber mit etwas Abstand zu den Artikeln, die ja zwischen 2009 und 2014 erschienen sind, habe ich gemerkt, dass ich die Geschichten der Leute nicht einfach in Vergessenheit geraten lassen will. Ich will auch andere Leute das Freiamt sehen lassen, wie es früher war.»

Sie wollte all die Geschichten aus der Zeit der Strohindustrie, des Torfstechens und der Eltern, die noch für die Lehrstellen ihrer Kinder zahlen mussten, weitergeben, zum Beispiel an Neuzuzüger oder Schulkinder. «Und auch die älteren Leute sollen das Buch durchblättern können und sagen ‹weisch no?›», erklärt Steiner mit einem glücklichen Lächeln.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.