Leserbrief

Ein Dankeschön an den Finanzdirektor

«Pandemiebewältigung kostet Zug weniger», Ausgabe vom 13. Juli

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In einem vergangenen Zeitfenster, im November 2019 fand im Kanton Zug der finale Wahlkampf um den noch freien Ständeratssitz statt. Der Ausgang ist bekannt. Bei der SVP herrschte darüber wenig Freude. Verlierer des Tages war Heinz Tännler, amtierender Zuger Finanzdirektor seit 2015, ehemaliger Baudirektor und Landammann 2015/2016, ein Aushängeschild der Zuger SVP, sozusagen das beste Pferd im Stall.

Ende August 2019, nur ein paar Wochen vor den Wahlen hatte das Esaf 2019, das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Zug, mit einer eindrücklichen Zahl von 420000 Besuchern erfolgreich geendet. Eine imposante organisatorische Meisterleistung, jahrelange Detailplanung des OK und das Wetterglück begünstigten den Erfolg dieses Grossanlasses. Zug war darüber glücklich und Heinz Tännler als OK-Präsident mit seinem OK ebenfalls sehr zufrieden. Zwei Monate später war er der Wahlverlierer der erwähnten demokratischen Auseinandersetzung um die Standesstimme in Bern. Ein Tiefpunkt in mehrfacher Hinsicht. Wählerinnen und Wähler belohnten Tännler nicht für sein jahrelanges beharrliches Engagement für Zug und seinen erfolgreichen Einsatz für einen besseren NFA. Vereinzelt hörte man munkeln, einzelne Wählende hätten schlauerweise der Konkurrenz die Stimme gegeben, um weiterhin vom Können des erfolgreichsten kantonalen Kassenwarts aller Zeiten zu profitieren. Besorgte private und politische Freunde vermuteten seinen baldigen Rücktritt als Regierungsrat. Kaum jemand hätte ihm nach 13 Jahren im Regierungsrat, im Frühling 2020 einen ehrenvollen Abschied aus der Politik und einen Neuanfang als Rechtsanwalt und Notar, vielleicht auch als Wirtschaftsberater, Verwaltungsratspräsident oder Unternehmensführer, missgönnt.

Bekanntlich kam alles ganz anders: Das hochansteckende Coronavirus übernahm schon bald die Agenda des Gesamtregierungsrates. Nichts mehr mit Rücktrittsgedanken – sondern Vollgas! Damit schlug die vielleicht bedeutendste Stunde in der Karriere von Heinz Tännler. Mit seinem erklärten Willen, sich in dieser Krise mit aller Kraft für den Kanton Zug einzusetzen. Kein anderer Kanton hat schneller, cleverer und gezielter mit Massnahmen auf die vielfältigen Folgen von Corona reagiert als Zug. Über zwanzig Regierungsratsbeschlüsse und «Coronavorlagen» an den Kantonsrat tragen die Handschrift des Finanzdirektors. Heinz Tännler sei hier einmal öffentlich für den hart erarbeiteten Turnaround mit den kantonalen Finanzen gedankt.

Selbst die SVP-Fraktion, vielleicht das Kollegium des Regierungsrats und sicher der Kantonsrat mit seinen kritischen Kommissionen, machen es einem Finanzdirektor generell nicht einfach. 2019 bewältigte Tännler hauptsächlich vier Dinge parallel souverän: seine Geschäfte als Regierungsrat, seine Arbeit als Finanzdirektor (Budget 2020), die Vorbereitungen für das Esaf und seinen engagierten Ständewahlkampf. Die gewaltigere Herausforderung, die Folgen der Coronakrise von Zug, von der Zuger Wirtschaft und von möglichst vielen Zugerinnen und Zugern ab­zuwenden, war und ist weiterhin eine weit grössere Herausforderung, als jene die ihm 2019 übertragen waren. Dass ihm die Regierung beispielsweise bei der innovativen Hilfestellung für die Start-ups im Crypto Valley noch nicht zu folgen vermochte, ist bedauerlich. Ich sage es ganz offen: Danke für den aussergewöhnlichen Einsatz in den letzten Wochen und Monaten für das Wohlergehen des Kantons Zug.

Philip C. Brunner, Kantonsrat SVP, Zug