Leserbrief

Ausbau der Forschungsstation Früebüel: Ein fragwürdiges Projekt

«Weltweit einzigartige Möglichkeiten», «Zuger Zeitung» vom 11. Januar

Drucken
Teilen

Der Ausbau der Forschungsstation Früebüel in Walchwil wirft Fragen auf. Die baulichen Massnahmen sind umfangreich und vor allem die Einfriedungen für Rehe und Damwild stellen einen massiven Eingriff in das Landschaftbild dar. Aber nicht nur das Landschaftsbild wird gestört, die Einfriedungen bilden ein erhebliches Hindernis für den Wildwechsel. Wenn man bedenkt, dass ein paar hundert Meter weiter unten schon ein kilometerweites Damwildgehege besteht, erscheint es unverständlich, warum das Projekt in dieser Grösse bewilligt wurde. Ferner steht die Forschungsstation in einem hochsensiblen Areal unmittelbar zwischen zwei Naturschutzgebieten.

Wie konnten der Naturschutz und das Amt für Wald und Wild zu diesem Ausbau ihren Segen geben? Immerhin steht im Entwicklungsleitbild Zuger-/Walchwiler-/Rossberg unter anderem: «Dort wo die Dichte an wertvollen und grossflächigen Moorlebensräumen besonders hoch ist, steht die Funktion Naturschutz im Vordergrund; ebenso in wichtigen Wildförderungsgebieten.» Klar dürfte wohl sein, dass einem Privaten diese baulichen Tätigkeiten nicht bewilligt worden wären. Auch die Finanzen für den Ausbau und Unterhalt sind fragwürdig. 9 Millionen Franken und weitere Millionen für den Unterhalt sind Riesenbeträge. Sie werden von der öffentlichen Hand bezahlt, bringen aber für die Allgemeinheit nur wenig Nutzen.

Wären nicht eher Forschungsprojekte wie «Rindermast ohne Antibiotika» oder «Milchwirtschaft ohne Zugabe von Kraftfutter» angebracht? Die Themen Antibiotikaresistenz und Ökobilanzen sind wesentlich dringlicher als die Haltung von Wildtieren, die in den letzten 20 Jahren bereits schon gut dokumentiert wurde. Eine Doktorarbeit, die die Erfahrungsberichte über die Wildtierhaltung zusammenfasst, würde nicht viel weniger bringen als die Forschungen auf dem Walchwilerberg, würde aber wesentlich weniger kosten.

Rainer Kaiser, Walchwil