Ein Frühlingserwachen im Herbst im Kunstkiosk Baar

Die Künstlerin Liane Janissen stellt aktuell im Kunstkiosk Baar kleinformatige Objekte aus.

Hansruedi Hürlimann
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Liane Janissen stellt zum ersten Mal im Kanton Zug aus.

Liane Janissen stellt zum ersten Mal im Kanton Zug aus.

Bild: Roger Zbinden (Baar, 24. Oktober 2020)

Die farblich eindrücklichen Objekte aus künstlichen Buchsbaum Panels kontrastierten am Freitagabend augenfällig mit der düsteren Stimmung im regennassen Fellmann-Park im Zentrum von Baar. Wegen Corona und wohl auch wegen der nasskalten Witterung waren an der Vernissage nur wenige Besucher vor Ort und es gab auch keine Laudatio. Dabei stellt mit Liane Janissen eine in der Kunstszene arrivierte und vielseitige Künstlerin aus, die in mehreren europäischen Ländern in namhaften Galerien zu Gast war. Schon vor 20 Jahren habe sie ein erstes Objekt aus «Frühlingserwachen» in der Grösse von einem Quadratmeter an einen Baron verkaufen können, so die Künstlerin. Die Exponate symbolisieren blühende Frühlingswiesen und stehen als Metapher für den Aufbruch und die Kraft der erwachenden Natur. Sie sind unterschiedlich gross und können, je nach Bedarf, aus mehreren Panels zu einem Grosswerk zusammengefasst werden.

Unterschiedliche Arbeitsweisen

«Das Bemalen der Buchsbaum-Panels ist für mich Meditation», sagt Janissen zu dieser Arbeit. Denn ihr Hauptwerk sind abstrakte und meist grossformatige Landschaften in Acryl oder Airbrushing, die eine ganz andere Arbeitsweise erforderten. Im Gegensatz zu konkreten Gemälden sind die titellosen Leinwandbilder ein weitgehendes Auflösen des Grafischen zu Gunsten von Farbe und Struktur. In der aktuellen Ausstellung im Kunstkubus ist davon lediglich ein Exemplar ausgehängt.

Und nochmals ganz anders präsentiert sich die Ecke mit der leicht ironischen Überschrift «Grüessli aus der heilen Welt». Gemeint ist die Aufbruchstimmung bei der Nachkriegsgeneration. Es sind Fotos aus dieser Zeit, die Janissen auf Flohmärkten gefunden hat, wie sie erklärte, und die sie zu einer ganz besonderen Verarbeitung inspirierten. Sie fixierte die alten Fotos in ebenfalls antike, runde Glasteller, umgeben von farbig glitzernden Glasperlen. Das verleiht den Exponaten neben der Nostalgie auch eine unbeschwerte Note.

Die Ausstellung ist noch am nächsten Samstag und Sonntag jeweils von 15 bis 18 Uhr sowie an der Finissage vom Samstag, 7. November von 17 bis 19 Uhr geöffnet. Die Künstlerin ist dann vor Ort und steht den Besuchern für Fragen zur Verfügung. Es ist die letzte Ausstellung im Kunstkiosk in diesem Jahr.