Leserbrief
Ein historischer Bahndamm

«Er setzt sich für mehr Velowege ein», Ausgabe vom 17. März

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Ich gratuliere Patrick Steinle zu seinem Protestcamp auf dem alten «Schleifen-Bahndamm»! Neben der cleveren Idee eines Veloweges auf dem alten Bahndamm gibt es noch einen ganz anderen Aspekt: Eigentlich gehört ja die alte Bahnschleife wie die Kirschtorte zu Zug. 1897 wurde die damals Reppischtallinie genannte Verbindung von Zürich über Affoltern nach Zug in den neu erbauten Bahnhof geführt. Die Schleife wurde gebaut, um vom Norden her in den Bahnhof zu kommen und direkt weiter Richtung Gotthard fahren zu können. Die Lage ist speziell und hat die städtebauliche Erweiterung Richtung Nord und West geprägt. Ohne diesen Bahndamm hätten wir in den 60er- und 70er-Jahren wohl kaum einen freien grossen Streifen für die heutigen Sportanlagen gehabt. Das kuriose – weil von der Bahn eher wenig genutzte – verkehrshistorische Unikum legt Zeugnis ab für eine Phase in der Stadtzuger Geschichte, welche entscheidend von der Eisenbahn geprägt war.

Die Dammlage der Schleife war dem Entscheid geschuldet, dass der neue Bahnhof auf einer Halbinsel gebaut wird. Die heute nur noch für Fuss- und Veloverkehr (und die Gästefans der Hockeymatches!) genutzte Weststrasse war für viele Jahrzehnte die zentrale Verbindung zur Allmend und dem Fussballstadion- und heisst deshalb schlicht Weststrasse. Die älteste Flugaufnahme von Mittelholzer aus dem Jahre 1919 zeigt sehr schön die prominente Lage dieser Halbunterführung – der einzigen unter der alten Bahnschleife. Die Stadt hat es versäumt, die Bahnschleife als Ganzes historisch zu würdigen und entsprechend zu erhalten und zu nutzen. Wenigstens diesen Durchgang der Nachwelt zu erhalten und mit einer Infotafel zu versehen, sollte sich die reiche Stadt Zug leisten. Andere Städte wären froh um solche Zeitzeugen.

Martin Stuber, Zug