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Ein isländischer Winzer aus Hünenberg See mischt die Szene auf

Hoss Hauksson, geboren in Reykjavik, wohnt seit acht Jahren in Hünenberg See und baut im Aargau sowie im Tessin Wein an. Noch bis vor zwei Jahren hatte er beruflich mit Zahlen statt Trauben zu tun.
Rahel Hug
Hoss Hauksson in seiner Weinkellerei im aargauischen Rüfenach. (Bild: Maria Schmid, 10. Mai 2019)

Hoss Hauksson in seiner Weinkellerei im aargauischen Rüfenach. (Bild: Maria Schmid, 10. Mai 2019)

Die Etikette zeigt bereits, dass hier jemand aus dem Norden am Werk war. Auf den Weinen von Hoss Hauksson ist eine Wikingerrune abgebildet. Sie symbolisiert das Schliessen von Freundschaften, oder, noch etwas romantischer, wie man(n) die Liebe einer Frau gewinnt. Das alte Schriftzeichen zeigt auch die Freude, mit der sich der 49-Jährige dem Weinbau widmet. Hoss Hauksson ist – soweit sich das überprüfen lässt – der einzige isländische Winzer der Welt, und er wohnt mit seiner Familie seit acht Jahren in Hünenberg See.

Ein Mathematik-Studium in Kalifornien, ein Job in London, Tätigkeiten bei der Investmentbank Goldman Sachs und der Zürcher Kantonalbank sowie beim Finanzunternehmen Tulos Capital AG in Baar – Hoss Hauksson hat in seiner beruflichen Laufbahn schon viel gemacht, nicht aber etwas Handwerkliches. Das änderte er vor rund zwei Jahren und wurde Winzer.

In der Waschküche selber Wein gekeltert

Die Produktion von Wein habe ihn schon immer interessiert, erzählt er im Gespräch, zu dem er je eine Flasche «Rütiberg» (Pinot Noir) und «Ciliegio» (Merlot) zur Degustation mitgebracht hat. «Als ich noch in Island wohnte, habe ich versucht, aus Beeren und Rhabarber Wein herzustellen», so Hauksson. 2013 kaufte er die ersten Trauben, um in seiner Waschküche selber Wein zu keltern. Zwei Jahre später schliesslich konnte er den ersten Rebberg übernehmen, jenen in Gordemo im Tessin. Sein neues Standbein wuchs stetig, Hauksson bildete sich weiter, eignete sich Fachwissen an. 2017 beschloss er, ganz auf die Karte Wein zu setzen. «Ich musste viel experimentieren, bis ich das aktuelle Niveau erreicht habe», sagt Hauksson, der in Reykjavik geboren ist.

Heute hat der Winzer zwei Rebbau-Gebiete in den Aargauer Gemeinden Remigen und Döttingen sowie den Rebberg im Tessin. Seine Kellerei befindet sich in Rüfenach, ebenfalls im Kanton Aargau. 40000 bis 50000 Flaschen füllt er pro Jahr ungefähr ab. «Es gibt mir eine urtümliche Befriedigung, die Sonne auf meinem Rücken und den Schweiss auf meiner Stirn zu spüren», sagte Hauksson im Februar gegenüber einem Weinmagazin. Seinen Entscheid, die Finanzbranche zu verlassen und nur noch im Weinbau tätig zu sein, hat der zweifache Vater in der Tat bislang nicht bereut. Er sagt: «Ich habe gelernt, mich nach der Natur zu richten, und eine Antipathie gegen fixe Termine entwickelt. Wenn ich im Rebberg arbeite, können die Gedanken in meinem Kopf frei fliessen.»

«Die eigenen Wurzeln werden noch wichtiger»

Eine weitere Leidenschaft des naturverbundenen Nordländers ist die Jagd. «In Island kommt man bereits als Kind damit in Berührung», erzählt Hauksson. In Zug absolvierte er den Jagdlehrgang und kam dadurch mit Leuten in Kontakt, die lokal tief verwurzelt sind. «Das hat auf mich ein bisschen abgefärbt. Wenn man viel in der Welt herumkommt, werden die eigenen Wurzeln noch wichtiger. Wenn man nur andere Expats um sich herum hat, fehlt das», erklärt er. Sein Heimatland hat auch heute noch einen hohen Stellenwert für Hauksson. Er ist oft in Island und verkauft seine Weine auf der Insel. «Der private Absatz ist in Island sogar grösser als in der Schweiz», schildert er. Das liege wohl daran, dass Wein aus der Schweiz, hergestellt von einem Einheimischen, etwas sehr Exotisches sei.

Die Weine, die auch Namen wie «Sólskin» (Sonnenschein) oder «Tunglskin» (Mondlicht) tragen, werden vom grossen Schweizer Weinhändler Cortis verkauft. Auch Restaurants, beispielsweise die «Krone» in Sihlbrugg, haben die Tropfen von Hauksson ins Angebot aufgenommen.

Aktuell ist der Weinbauer daran, seine Produktion auf biodynamisch-organische Richtlinien umzustellen. Zudem möchte er seine zurzeit 16 Rebsorten auf 8 reduzieren und einen eigenen Online-Shop aufbauen. Er könnte sich auch vorstellen, künftig einmal Schnaps zu brennen. Der 49-Jährige hat viele Pläne, und man spürt, dass deren Umsetzung ihn glücklich macht. Er sagt: «Ich bin hier definitiv am richtigen Platz.»

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