Kolumne

Ein Jahr später

Mitarbeiterin Vanessa Varisco über ihr erstes Jahr auf der Redaktion

Vanessa Varisco
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Vanessa Varisco, Mitarbeiterin der Zuger Zeitung.

Vanessa Varisco, Mitarbeiterin der Zuger Zeitung.

Als Journalist muss man bereit sein, sich ab und an ans Bein pinkeln zu lassen. Leibhaftig habe ich das an der Chesselwy vor einigen Jahren erlebt, als sich ein deutlich angeschickerter Fasnächtler einen Spass mit mir erlaubte. Als es warm und feucht an meiner Wade wurde, ich mich blitzartig umdrehte, und er sich bog vor Lachen, war es natürlich schon zu spät.

In einem stillen Moment blickte ich kürzlich auf diese Zeit als freie Mitarbeiterin zurück. Dabei fiel mir auf: Nun bin ich seit fast schon einem Jahr fest in der Redaktion und ziehe nicht mehr von Jodelfesten zu Fasnachtseröffnungen, Kleintierschauen und Fussballturnieren von und mit Flüchtlingen. Grausam, wie schnell ich ein Jahr älter geworden bin. Aber ich habe mich gut gehalten. Der Zerfall hält sich in Grenzen. Und an die Redaktion habe ich mich auch gewöhnt.

Doch natürlich ist es nicht mehr das Gleiche wie damals. Ich gebe zu: Ich habe es geliebt, alleine von Veranstaltung zu Veranstaltung zu reisen. Menschen zu begegnen, mich mit ihnen über ihre Geschichten zu unterhalten. Für meinen Beruf bin ich viele, viele Stunden gereist. Nur zu gut erinnere ich mich an ein Skirennen im Hoch-Ybrig. Wegen diverser Zugprobleme fuhr ich Zug, Bus, Postauto, Seilbahn und stapfte dann zwanzig Minuten die Piste hoch. Ein Weg kostete mich wohl gute dreieinhalb Stunden. Eine ähnliche Odyssee erlebte ich, als ich zu einem Konzert im Freiamt reiste: Das Dorf schien am Wochenende von der Zivilisation abgeschnitten. Sodass ich vom Nachbardorf eine Stunde Fussmarsch zum Konzert auf mich nahm. Ja, ich hätte das Taxi nehmen können, aber ...

Weil ich meine Arbeit so liebte, versuchte ich, alles richtig zu machen. Was mir nicht immer gelang. Einmal merkte ich im Fitnessstudio, dass ich noch genau eine halbe Stunde Zeit hatte, um von Baar zur Roche in Rotkreuz zu sausen. Ich liess die Hantel fallen und stand schliesslich mit wenigen Minuten Verspätung schwer atmend, verschwitzt und in Jogginghose herrlich deplatziert zwischen Männer in Anzügen und Frauen in Kostümen. Doch wie gesagt, inzwischen bewege ich mich auf anderem Terrain. Aber noch immer sind zahlreiche freie Mitarbeiter jede Woche unermüdlich für uns im Einsatz. Und weil ich genau weiss, wie schön und zugleich anstrengend das manchmal sein kann: Danke, liebe Freie! Ihr macht das grossartig.