Ein Klangerlebnis junger Stimmen in der St. Johanneskirche in Zug

Der Schweizer Jugendchor gastierte in Zug. Es war ein einmaliges Erlebnis, vielleicht nicht nur nach der Qualität des Gebotenen, sondern auch nach den äusseren Rahmenbedingungen.

Jürg Röthlisberger
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Der Schweizer Jugendchor trat in der Zuger St.Johanneskirche auf.

Der Schweizer Jugendchor trat in der Zuger St.Johanneskirche auf.

Bild: Stefan Kaiser (16. Oktober 2020)

Der «Normalbetrieb»: Die rund 50 Mitwirkenden aus verschiedensten Teilen der Schweiz (alles junge Leute zwischen 16 und 30 mit geschulten Stimmen) erarbeiten den oft sehr anspruchsvollen Notentext selbstständig; in wenigen gemeinsamen Wochenenden wächst nachher unter der Leitung von Nicolas Fink und mit den beiden Assistenten Alban Müller und Deborah Züger der Gesamtchor zusammen, welcher sich gleich in mehreren Konzerten bestätigt und bewährt.

Die Situation 2020: Seit dem Auftritt am 1. Oktober 2019 in Bellinzona war kein geordneter Probebetrieb mehr möglich, und das Gastspiel in der Zuger St.Johanneskirche vom Freitag, 16. Oktober 2020, ist das erste Konzert im laufenden Jahr. Alle Chormitglieder erschienen mit Masken; diese wurden erst unmittelbar vor dem Anstimmen ausgezogen. Der breite Altar­bereich sowie eine geschickte Abtrennung gegenüber dem ­Publikum erlaubten über die ganze Dauer die Einhaltung des vorgeschriebenen Mindestabstandes.

Homogener Gesamtklang – trotz Schwierigkeiten

Einzelne Elemente des äussern Rahmens wirkten improvisiert. Es war schwierig, einen inneren Bezug zwischen den einzelnen Stücken zu finden; auch wurde das Programm mit mehreren Vorträgen gegenüber der gedruckten Fassung abgeändert. Geblieben ist aber das individuelle Können aller Mitwirkenden. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen – sehr kurze gemeinsame Probenzeit und durch die Distanzregel aufgelockerte Stimmgruppen – wirkte der Gesamtklang erstaunlich homogen.

Schon mit den geistlichen Werken am Konzertauftakt erlebte man Qualitäten, welche die Leistung der meisten Laienchöre weit übersteigen: Der Gesamt-Tonumfang erstreckte sich durch mehr als vier Oktaven. Die stets tadellose Intonation blieb auch bei ungewohnten harmonischen Wendungen voll gewahrt. Selbst in extremen Lagen wirkte die Stimmgebung nie forciert. Einzelstimmen waren nur bei kurzen solistischen Einlagen herauszuhören, während sich die gleichen Leute sonst nahtlos ins Ensemble einfügten.

Einen scharfen Kontrast bildete das Credo aus der Messe für Doppelchor a capella von Frank Martin mit dem schlichten vierstimmigen «Ich hebe meine Augen auf» des Berners Willy Burkhard (1900–1955), einem der wenigen gesungenen Stücke, das auch mit einfacheren Verhältnissen realisierbar wäre. Spezielles Interesse verdienten die fünf Sätze «Les Quatrains Valaisans», deren Komponist Cyrill Schürch aktuell an der Musikschule Zug unterrichtet.

Im zweiten Teil des Konzerts dominierten Bearbeitungen. Erstaunlich geschlossen wirkte «Um Mitternacht» von Gustav Mahler, Original für Altsolo und Sinfonieorchester. Später bewegte man sich im Grenzbereich zwischen kunstvollen Chorsätzen und Populärem. Nahe an der Volksmusik blieb «zBärg» von Max Huggler (1913–2005), wo eine Sopranistin auch mit einer Jodeleinlage brillierte.

Den stärksten Applaus fanden aber der Gesangsvortrag nach Patent Ochsner sowie «You’ll Never Walk Alone» von Richard Rodgers (1902–1979), das in der Zeit vor den Pandemierestriktionen viele Fuss­ballerherzen höherschlagen liess.