HINGESCHAUT: Ein kleiner Heiligenaufmarsch

Beim Menzinger Hof Schwand steht seit Mitte des 18. Jahrhunderts ein Wegkreuz. Die heutige Version ist jüngeren Datums, nimmt jedoch konkret Bezug auf den Vorgänger. Und die abgebildeten Figuren sind nicht zufällig gewählt.

Andreas Faessler
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Am Strassenrand beim Hof Schwand steht das Wegkreuz mit der von Georges Eckert bemalten Tafel.

Am Strassenrand beim Hof Schwand steht das Wegkreuz mit der von Georges Eckert bemalten Tafel.

Bild: Andreas Faessler

Trotz seiner filigranen Leichtigkeit ist das Wegkreuz kaum zu übersehen, so ungewöhnlich ist es gestaltet. Es steht direkt an der Strasse knapp 150 Meter vor der Menzinger Hofgruppe Schwand – von Brettigen herkommend – bloss einen Steinwurf von der Gemeindegrenze zu Neuheim entfernt. Diese verläuft entlang der Hecke, welche auf unserem Bild im Hintergrund erkennbar ist. Das auf einer Betonkonsole stehende Kreuz ist kunstvoll geschmiedet mit gedrehtem Hauptstamm und verspieltem Voluten-Zierwerk, welches mit goldfarbenen Bundeisen fixiert ist.

Die Namenspatrone der Gebrüder Zürcher

An seiner Stelle hat einst ein Holzkreuz aus dem 18. Jahrhundert gestanden. Darauf hin weist eine Aufzeichnung des Menzinger Gemeindeschreibers, Organisten, Arztes und Glasmalers Johann Melchior Zürcher (1705-1763). In «Kunstdenkmäler des Kantons Zug» ist nachzulesen, dass das Kreuz aus Eichenholz bestand, rot angestrichen war und eine Tafel mit Kreuzigungsgruppe, den heiligen Franz Xaver, Sebastian und Johannes dem Täufer trug. Gestiftet worden war das Kreuz 1762 vom Menzinger Bürger Franz Xaver Zürcher auf dem Grundstück seines Bruders Sebastian.

Dem Figurenprogramm des historischen Kreuzes entspricht auch die Tafel der schmiedeeisernen Version, welche wir heute an dieser Stelle sehen. Geschaffen wurde die Tafel anno 1974 vom Luzerner Maler und Restaurator Georges Eckert (1934-2005). Im Zentrum bildet er den Gekreuzigten ab, zu dessen Füssen Maria und Johannes Apostel. Flankiert wird die Gruppe von den Namenspatronen der Gebrüder Zürcher: der heilige Sebastian neben Johannes und der heilige Franz Xaver im Mönchsgewand neben Maria. Unterhalb der Haupttafel separiert ist Johannes der Täufer abgebildet, Patron der Menzinger Pfarrkirche. Die Figuren sind vom Stifter offensichtlich bewusst gewählt worden.

«Regellose» Schriftsprache

Etwas skurril und gar erheiternd ist die Lektüre der bildbezogenen Verse unter den Darstellungen, welche Eckert vermutlich eins zu eins vom Vorgängerkreuz übernommen hat. Sie zeugen davon, wie man im 18. Jahrhundert ausserhalb von Gelehrtenkreisen kaum einer Rechtschreiberegel gefolgt ist, sondern jeweils im Sprachlaut geschrieben hat.

Hinweis
Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.