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Besuch im Institut Menzingen: Ein Kloster mitten im Umbruch

Die Bauarbeiten im Institut Menzingen laufen auf Hochtouren. Ein Rundgang hinter den altehrwürdigen Mauern.
Rahel Hug
Geschäftsführer Thomas Odermatt im Kirchenraum. (Bild: Stefan Kaiser, Menzingen, 9. September 2019)

Geschäftsführer Thomas Odermatt im Kirchenraum. (Bild: Stefan Kaiser, Menzingen, 9. September 2019)

Die Atmosphäre in einem Kloster ist für gewöhnlich andächtig und ruhig. Im Institut Menzingen kann von Ruhe zurzeit keine Rede sein. Musik aus Baustellenradios ist zu hören, es wird gefräst, gebohrt und ausgebessert, da und dort diskutieren Fachleute über den Baufortschritt. Die rund 30 Schwestern vom Heiligen Kreuz, die im Kloster Menzingen leben, stehen vor einem Umbruch: Der Westtrakt wird grundlegend erneuert, er wird künftig die Wohn- und Arbeitsräume der Gemeinschaft umfassen. In der Kirche und an der Kuppel werden Sanierungen durchgeführt.

Vor rund einem Jahr startete der Umbau. Die aktuell laufenden Bauarbeiten bilden erst den Anfang eines grossen Projektes: Die ganze Anlage soll umgebaut und geöffnet werden. In einem weiteren Schritt sind Mietwohnungen im südlichen Teil geplant, in den östlichen und nordöstlichen Gebäudeteilen – hin zum Dorf – werden Räume für Gewerbe und Dienstleistungsbetriebe entstehen.

Blick vom Gerüst auf den Innenhof des Instituts. (Bild: Stefan Kaiser, Menzingen, 9. September 2019)

Blick vom Gerüst auf den Innenhof des Instituts. (Bild: Stefan Kaiser, Menzingen, 9. September 2019)

Thomas Odermatt ist seit dem 1. Mai als Geschäftsführer tätig. Er nimmt die «Zuger Zeitung» mit auf einen Baustellenrundgang. Als Erstes geht es nach oben zum Kuppelbereich. Die drei prächtigen Kuppeln erstrahlen seit ein paar Monaten in neuem Glanz. Weil die Kupferoberfläche im Laufe der Zeit oxidiert, entstehen Verfärbungen. «Reinigen kann man das nicht», weiss Thomas Odermatt. «Die Verkupferung musste komplett neu gemacht werden.» Zuletzt seien die Abdeckungen Anfang der 80er-Jahre erneuert worden. «Die neue Verkupferung sollte also wieder 40 bis 50 Jahre Bestand haben.» Eine Herausforderung bei den Arbeiten war der Schnee. «Wir mussten das Notdach mit einem Kran von den Schneemassen befreien», berichtet Odermatt.

Luftbild der Baustelle im Juni: Die Hauptkuppel erstrahlt bereits in neuem Glanz. (Bild: PD/Kloster Menzingen)

Luftbild der Baustelle im Juni: Die Hauptkuppel erstrahlt bereits in neuem Glanz. (Bild: PD/Kloster Menzingen)

Neues Museum im Erdgeschoss soll 2021 eröffnet werden

Direkt unter dem imposanten Turm, dort wo sich früher das Klostermuseum befand, entsteht ein neuer Seminarraum. Überall steht Isolationsmaterial herum, die Luft ist staubig. «Der Innenausbau ist in vollem Gange», sagt der Geschäftsführer. Die Ausstellungsobjekte des Museums wurden zwischengelagert – das neue Museum entsteht im Erdgeschoss neben dem Grabraum der Gründerin Mutter Bernarda Heimgartner. «Wir gehen davon aus, dass wir das neue Museum 2021 eröffnen können», so Odermatt. Zusammen mit Fachleuten konzipieren die Schwestern eine neue Ausstellung mit Schwerpunkt auf die Geschichte der Gemeinschaft.

In diesem Raum wird künftig das Museum eingerichtet. Hier wurde eine alte Kassettendecke freigelegt. (Bild: Stefan Kaiser, Menzingen, 9. September 2019)

In diesem Raum wird künftig das Museum eingerichtet. Hier wurde eine alte Kassettendecke freigelegt. (Bild: Stefan Kaiser, Menzingen, 9. September 2019)

Es geht weiter in den Westtrakt. Im obersten Geschoss werden gerade massive Rohre verlegt: Es handelt sich um den Technikraum. Neben den Wohn- und Arbeitsräumen der Schwestern in den oberen Stöcken entstehen im Erdgeschoss Räume für die Verwaltung. Früher befand sich hier der sogenannte Kapitelsaal der Schwestern. Besonders wertvolle Dokumente werden im Untergeschoss einen Platz finden. «Hier wird das Archiv der gesamten internationalen Kongregation eingerichtet», weiss Odermatt.

Zuständig für die Umbauarbeiten ist die Baarer Totalunternehmung Alfred Müller AG. Daniel Bürge, Projektleiter Umbau und Renovation, erzählt von den Herausforderungen im Umgang mit der historischen und schützenswerten Bausubstanz: «Der Westtrakt wurde bis auf das Dachgeschoss komplett ausgehöhlt, wir haben das ganze Tragwerk ersetzt.» Neue Holzbalken dienen nun als Tragkonstruktion. «Diese ins bestehende Mauerwerk einzubauen, war eine Herausforderung. Denn die Statik muss stimmen, und die Balken dürfen an den Enden nicht faulen», so der Fachmann. Die Planung der Arbeiten erfolgte in intensivem Austausch mit der kantonalen Denkmalpflege.

Alte Kassettendecke wurde freigelegt

Vom Westtrakt geht es ins Parterre des Kopfbaus, wo das neue Museum eingerichtet wird. An diesem Raum hat Thomas Odermatt besonders Freude. Der Grund ist die Kassettendecke aus bemalten Schieferplatten, die freigelegt und restauriert wurde. «Für mich ein Highlight», so der Geschäftsführer. Die Decke sei kunsthistorisch sehr wertvoll. Noch ist es hier dunkel und staubig, die Endreinigung steht noch bevor.

Im Eingangsbereich, der zur 1897 eingeweihten Kirche führt, riecht es stark nach Asphalt. Bauarbeiter transportieren das flüssige und dampfende Baumaterial durch das Treppenhaus, es herrscht reges Treiben. Mit dem dunklen Gussasphalt wird der Boden im Treppenhaus bedeckt, danach getrocknet und abgeschliffen. «Es sieht sehr edel aus», findet Thomas Odermatt. Hier wurde auch ein neuer Lift aus Glas eingebaut: Der ganze Westtrakt und der Kopfbau sind künftig barrierefrei.

Arbeiter transportieren den Gussasphalt für das Treppenhaus. (Bild: Stefan Kaiser, Menzingen, 9. September 2019)

Arbeiter transportieren den Gussasphalt für das Treppenhaus. (Bild: Stefan Kaiser, Menzingen, 9. September 2019)

Dass sich die Kirche im ersten Stock befindet, ist eine Besonderheit des Gebäudekomplexes. «Hier sind die Arbeiten fast fertig», erklärt der Geschäftsführer im Kirchenraum. «Eigentliche Sanierungsarbeiten waren nicht nötig, primär wurde der alte Glanz wieder hergestellt.» Im Vorraum der Kirche habe man eine alte Wandmalerei zum Bruder-Klaus-Gebet gefunden und freigelegt. «Das war eine schöne Überraschung.»

Diese wertvollen Platten im Treppenhaus müssen sorgfältig abgedeckt werden. (Bild: Stefan Kaiser, Menzingen, 9. September 2019)

Diese wertvollen Platten im Treppenhaus müssen sorgfältig abgedeckt werden. (Bild: Stefan Kaiser, Menzingen, 9. September 2019)

Projektierungsphase für die weiteren Umbauten läuft

Thomas Odermatt ist zufrieden mit dem Verlauf der Bauarbeiten, die in der ersten Etappe Investitionskosten von rund 15 Millionen Franken umfasst. Die Kirche wird zum Advent fertig sein, der Umzug der Schwestern in den neuen Westtrakt soll im Frühling 2020 erfolgen. Die Provinzoberin Schwester Antoinette Hauser möchte sich selber nicht zu den Auswirkungen des Projektes auf den Klosteralltag äussern. Thomas Odermatt sagt stellvertretend für sie: «Der Bau wird durch die Schwestern interessiert und neugierig beobachtet. Lärmmässig sind sie vom Umbau nicht gross betroffen, da sich das Leben der Gemeinschaft in den anderen Teilen des Hauses abspielt und die Gottesdienste in der Marienkapelle im Südtrakt stattfinden. Die Stimmung im Haus ist natürlich auch vom Loslassen geprägt, das auf verschiedene Schwestern zukommt, die in den nächsten Monaten das Haus verlassen werden.»

Die Seitenkuppeln sind noch immer eingerüstet. (Bild: Stefan Kaiser, Menzingen, 9. September 2019)

Die Seitenkuppeln sind noch immer eingerüstet. (Bild: Stefan Kaiser, Menzingen, 9. September 2019)

Was den weiteren Teil des Grossvorhabens betrifft, stecke man mitten in der Projektierungsphase, so Odermatt: «Grundsätzlich besteht die Absicht, möglichst bald mit dem Umbau der restlichen Gebäude zu starten.» Es wird also noch eine Weile dauern, bis hinter den altehrwürdigen Mauern wieder Ruhe einkehren wird. Und selbst dann wird vieles nicht mehr sein wie früher: Die Menzinger Schwestern gehen mit der Zeit.

Das Institut Menzingen feiert das 175-Jahr-Jubiläum. Am kommenden Sonntag, 22. September, findet um 10.15 Uhr ein Gottesdienst in der Pfarrkirche Menzingen statt. Anschliessend wird in der Schützenmatt ein einfaches Mittagessen serviert.

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