Ein Konzert in Zug, das ein mehrfaches Wiedersehen bedeutet

Zuger Sinfonietta, Klavierduo Soós-Haag, Mario Venzago: Alle haben die Zuger Kulturszene entscheidend mitgeprägt. Im Casino erlebte sie ein zahlreiches Publikum mit Werken von Mozart, Martinů und Haydn.

Jürg Röthlisberger
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Dirigent Mario Venzago mit der Zuger Sinfonietta im Theater Casino Zug. (Bild: Roger Grütter (Zug, 24. März 2019))

Dirigent Mario Venzago mit der Zuger Sinfonietta im Theater Casino Zug. (Bild: Roger Grütter (Zug, 24. März 2019))

Der Luftsprung des Dirigenten Mario Venzago mit dem letzten Akkord der Haydn-Sinfonie in D-Dur (Hoboken I:104) stand zwar nicht im gedruckten Programm; aber er sagte mehr zur Stimmung im fast voll besetzten Casinosaal in Zug als alle Worte der Konzertbesprechung. Auch nach vielen Jahren im Ausland wird der im Kanton Zug aufgewachsene Dirigent immer noch ein gutes Stück als Einheimischer angesehen.

Vorangegangen war eine ausgezeichnete Interpretation des in London entstandenen Spätwerks. Während seines langen Lebens hat Joseph Haydn (1732–1809) immer wieder neue Stilelemente übernommen, auffallend viel auch in den letzten Komponistenjahren, als er nicht mehr durch seine Anstellung zur Massenproduktion verpflichtet war. Verglichen mit früheren Sinfonien stieg der Bläser-Anteil, und selbst die damals neu erfundene Klarinette berücksichtigte Haydn, wenn auch nur mit zwei Füllstimmen. Kantig erschienen Generalpausen und Pauken-Crescendo im Menuett-Satz, womit man sich bereits sehr weit vom barocken höfischen Gesellschaftstanz entfernt hatte.

Ähnliche Entwicklungen in den Mozart-Sinfonien

Ähnliche Entwicklungen – allerdings in viel rascherer Abfolge – sind auch in den Mozart-Sinfonien zu beobachten. Nach den mehr konventionellen Kindheits- und Jugendwerken ist die Prager Sinfonie (nach dem Ort der Uraufführung so benannt) eines der ersten Bekenntniswerke, das sich ebenbürtig neben die grossen Opern der Spätzeit stellt. Der Nachvollzug durch die Zuger Sinfonietta wusste dies voll transparent zu machen, und sie stützte so die Auffassung einiger Musikwissenschafter, dass Mozart bei längerer Lebensdauer noch zum Romantiker geworden wäre. Nicht ganz dem Gesamtniveau entsprach lediglich das forcierte Tempo des letzten Satzes, wo ein paar Ungenauigkeiten im Zusammenspiel nicht zu überhören waren.

Mit einem anspruchsvollen Werk präsentierte sich das dem Zuger Publikum wohl bekannte Klavierduo Adrienne Soós und Ivo Haag. Souverän meisterten die beiden alle spieltechnischen Klippen des Doppel-Klavierkonzerts von Bohuslav Martinů. Die schon in der Konzerteinführung – Moderation Mariel Kreis – gestellte Frage, warum ein solches Werk nicht öfters gespielt werde, beantwortete eigentlich der Erste Satz: Der Notentext der Solisten wirkte über weite Strecken wie ein vierhändiges Klavierstück und nicht wie ein Werk für zwei Klaviere. Unterstützt wurde dieser Eindruck durch die in ­langer gemeinsamer Karriere ­gewonnene Anschlagkultur und durch die Tatsache, dass die zwei Instrumente gleicher Bauart aus bühnentechnischen Gründen ineinander verkeilt direkt neben­einander standen.

Genaues Zusammenspiel

Viel transparenter erschienen die beiden weiteren Sätze: Jetzt spielten die Solisten oft alternierend, und das Orchester war über weite Strecken auf solistische Einsätze der Bläser und Stimmführer reduziert. Trotz abruptem und kaum eingeleitetem Anschluss – ein Kennzeichen vieler Martinů-Werke – erhielt die Komposition eine angemessene Gesamtform. Auch bei den zahlreichen rhythmisch heiklen Passagen gelang stets ein genaues und der Thematik angemessenes Zusammenspiel.

Ja, man kennt sich: Sowohl Mario Venzago wie Ivo Haag erhielten ihre Erstausbildung bei der unvergessenen Klavierlehrerin Cecile Hux. Der nimmer­müde Sinfonietta-Mitorganisator Hans Abicht war in der Primarschul-Unterstufe Klassenkamerad des Dirigenten, und der Berichterstatter erinnert sich, dass er im gleichen Chor mitgesungen hat wie der damalige Maturand Ivo Haag.