Ein Konzert soll Rekorde brechen

Wenn andere Konzerte aufhören, soll dieses erst richtig anfangen. Während dreissig Stunden spielen bald insgesamt 20 Bands im «industrie45» und dies fast pausenlos. Die Organisatoren aus der Heavy Metal-Szene wollen damit Unvergessliches schaffen.

Christopher Gilb
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Sie werden nicht am 30-Stunden-Festival teilnehmen: Iron Maiden (hier am Allmend rockt 2016) schickte eine nette Absage. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 3. Juni 2016))

Sie werden nicht am 30-Stunden-Festival teilnehmen: Iron Maiden (hier am Allmend rockt 2016) schickte eine nette Absage. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 3. Juni 2016))

Letztens machte Swen Schünemann vom Verein Metal Promotions Ferien an der Ostsee. «Ich konnte es fast nicht glauben, als mich ein Metal-Fan ansprach und fragte, ob ich der vom 30-Stunden-Festival sei», erzählt der Konzertveranstalter am Telefon. Denn so weit weg hätten sie das Festival nicht beworben. Doch die verrückte Idee scheint anzukommen. Aus der ganzen Schweiz gäbe es schon diverse Ticketanfragen für das Festival in Zug, das am 28. September um 19 Uhr beginnt und am 30. September um zirka 3 Uhr morgens endet.

Schünemann organisiert das Festival gemeinsam mit seinen Freunden Andreas Stöhr und Patrik Erard, der die Hauptverantwortung hat. Alle drei sind Heavy Metal-Fans, das ist diese Musik, bei der Fans oft etwas dunkler gekleidet sind und die mitunter recht laut werden kann. Dass ihr Festival gerade in Zug stattfindet, hat mit dem Jugendkulturzentrum «industrie45» zu tun. Hier haben sie mehrfach das sogenannte Winter Thunder Fest durchgeführt. Ein Konzertabend Anfang Jahr, an dem vier Newcomer Bands von Rock bis Metal «die Schneemänner schmelzen lassen», so auf Facebook.

Die 24-Stunden-Bewilligung war der Auslöser

«Das Problem ist, dass die meisten Konzertorte keine Bewilligung haben, dass die Bands länger als bis 23 oder 24 Uhr spielen dürfen», führt der 50-jährige gebürtige Berliner, der im Kanton Bern lebt, aus. «Das ist schade, deshalb endet alles schon nach der zweiten Zugabe.» Nun hätte eine Band beim letzten Fest aber trotz später Stunde Lust auf mehr gehabt. «Wir fragten also beim Jugendkulturzentrum nach, ob weiter gespielt werden dürfe.» Die Zuständigen hätten geantwortet, dass dies aufgrund ihrer 24-Stunden-Betriebsbewilligung kein Problem sei. Und so sei die Idee geboren geworden. «Ein Konzert, das nicht zu Ende ist, wenn das Adrenalin brodelt, die Feierlaune am höchsten und die Müdigkeit noch in weiter Ferne ist», beschreibt Schünemann das Konzept. Erst sollte dieses 24 Stunden dauern. «Aber dann dachten wir, so richtig besonders wird es erst, wenn jeder Tag des Wochenendes Teil davon ist.» So entstand das 30-Stunden-Festival.

Doch wer soll dieses überhaupt durchhalten? «Natürlich wird es nicht so sein, dass sich alle Besucher auch jede Band anschauen, da kann man sich auch mal in eine Ecke zurückziehen und mit einem Bierchen relaxen», findet Schünemann. Zudem sei durchgehend für Verpflegung und bei Notfällen auch für medizinische Hilfe gesorgt. Und wer etwas Abwechslung brauche, könne sich vor dem Zentrum ruhigere Musik ohne elektronische Verstärkung anhören. «Dort treten Dudelsackspieler und Liedermacher im Mittelalterstil auf.» Dies jedoch entsprechend der Vorschriften nur bis 22 Uhr.

Ein Kommen und Gehen ist nicht die Idee

Dass man das Konzert jedoch nach Lust und Laune verlassen und wieder zurückkommen könne, sei nicht die Idee. «Das kann im Einzelfall gehen, aber nicht bei allen, sonst verlieren wir den Überblick und müssten eine ständige Ticketkontrolle haben», so Schünemann. Und es entspreche auch nicht der Idee des Konzerts. Insgesamt haben die Organisatoren 500 Tickets zu vergeben. Für ein abwechslungsreiches Musikprogramm sei gesorgt. Vor allem die Headliner Eluveitie aus der Schweiz sowie Grailknights und Krayenzeit aus Deutschland seien für viele keine Unbekannten. Nebst diesen treten noch 18 andere Bands auf. Und dann gibt es noch die Anekdote um Iron Maiden. «Als Schnapsidee sind wir darauf gekommen, Iron Maiden anzufragen. Wir haben natürlich nicht mit einer Antwort gerechnet, schliesslich reicht unsere Gage wahrscheinlich nicht einmal fürs Kerosin für deren Flug.» Doch zwei Tage danach sei eine Antwort gekommen. «Das hat uns sehr gefreut», der Ort des Konzertes sei leider zu klein, habe es aber geheissen. Doch auch ohne die weltbekannte Band werde das Festival ein voller Erfolg, zeigt er sich überzeugt.

Hinweis

30 Stunden Festival: Freitag, 28. September, 19 Uhr, bis Sonntag 30. September, zirka 3 Uhr morgens im «industrie45» in Zug. Tickets und weitere Infos auf: www.30stundenfestival.ch.