Zeitreise: Ein Zuger Maler «zwischen den Zeiten»

Über Johann Kaspar Moos ist biografisch wenig bekannt. Aber das künstlerische Erbe des Zugers ist aufschlussreich.

Andreas Faessler
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Johann Kaspar Moos (1774–1835), Selbstbildnis um 1832.

Johann Kaspar Moos (1774–1835), Selbstbildnis um 1832.

Bild: Museum Burg Zug, Inventarnummer 10774

Betrachtet man den Herrn auf unserem Bild, so mag man nicht meinen, dass der vor über 180 Jahren gelebt hat. Gut, seine Kleidung mag dem typischen Zeitgeschmack des Biedermeier entsprechen, aber sein Haarschnitt und die Ohrringe auf beiden Seiten erinnern eher an einen Mann des Heute. Wir sehen hier Johann Kaspar Moos, einen der bedeutendsten Zuger Maler der vergangenen drei Jahrhunderte, wie er sich selbst gesehen und um ca. 1832 abgebildet hat.

Biografisch ist über den Künstler schmerzlich wenig überliefert. Der Zuger Historiker Josef Grünenfelder zeichnet so gut wie möglich Moos’ Leben nach und ordnet ihn kunsthistorisch ein – und kommt zu spannenden Erkenntnissen. 1746 als Sohn des Zuger Steinhauers Franz Fidel Moos (1746-1821) und der Maria Agatha Veronika Brandenberg (1751-1825) geboren, dürfte Johann Kaspar schon im Kindesalter mit den schönen Künsten konfrontiert geworden sein: Sein Vater fungierte als Bauführer bei der Errichtung der Chamer Pfarrkirche. So ist laut Grünenfelder die Annahme nicht abwegig, dass der Spross gelegentlich vor Ort war und beobachten konnte, wie die monumentale Kirche als spätbarockes Gesamtkunstwerk in ihrer Pracht erwuchs.

Lückenhafte Biografie

Noch vor seinem 20. Altersjahr ging Johann Kaspar Moos nach Rom, um als Schweizergardist zu dienen. Dann reiste er nach Turin zum Studium. Ab 1795 war er nachweislich zurück in Zug und da als Maler tätig. Über sein Leben und den Künstleralltag ist nur wenig bekannt. Es kann davon ausgegangen werden, dass Moos gesellschaftlich angesehen und ein gefragter Künstler war. Einerseits war er fleissig als Porträtmaler tätig, bildete zahlreiche Menschen des gehobenen Bürgertums der Zentralschweiz ab. Sein zweites Hauptgebiet war die Sakralmalerei. Er schuf eine beachtliche Anzahl Gemälde für Kirchen und Kapellen in Zug und den Nachbarkantonen. Hervorzuheben sind hierbei etwa das Hauptdeckengemälde in der Pfarrkirche Neuheim (Himmelfahrt Mariens), das Hochaltarblatt in der Verenakapelle ob Zug oder die Seitenaltarblätter in der Stadtkirche zu Baden.

Bemerkenswert an Moos’ Schaffen ist sein Stil: In den Kirchengemälden orientiert sich der Maler eindeutig an der opulenten barocken Tradition, auch wenn die Kompositionen generell etwas «ruhiger» daherkommen als diejenigen der Meister des Hochbarocks. Moos’ zahlreiche Porträtbilder hingegen sprechen eine ganz andere, aus damaliger Sicht zukunftsorientierte und neuartige Sprache, weg vom Stil des Barocks. Die abgebildeten Personen erscheinen auf ihre Gesichter reduziert, sprich ohne repräsentative Attribute oder üppig komponierte Hintergründe, wie das noch ein knappes halbes Jahrhundert früher gepflegt worden war. Bei Johann Kaspar Moos ist die abgebildete Person als solche wichtig, nicht ihr Stand oder gesellschaftlicher Rang.

Nur ein Teil des Oeuvres ist bekannt

Josef Grünenfelder nennt Johann Kaspar Moos einen Maler, der mit seinem Werk «zwischen den Zeiten» steht: mit seinen Sakralbildern im Spätbarock, mit seinen Porträts in der neuen, nachrevolutionären und bürgerlichen Welt. Leider ist von Moos’ mutmasslich enormem Schaffen bis heute nur ein Bruchteil bekannt. Seine Bedeutung für die Kunstgeschichte des Kantons Zug und die weitere Region ist aber unbestritten. Johann Kaspar Moos starb im Jahre 1835 in Zug. Sein berühmtester Schüler war übrigens der einflussreiche Nidwaldner Kirchenmaler Melchior Paul von Deschwanden (1811-1881).

Die neunteilige Serie «Zeitreise» beleuchtet Persönlichkeiten, die im Kanton Zug oder daraus stammend Geschichte schrieben. Im 2. Teil lesen Sie heute über Johann Kaspar Moos. Quelle: 23 Lebensgeschichten, herausgegeben vom Regierungsrat des Kantons Zug, 1998.