Ein Menzinger bringt die Musik auf die Zuger Bühnen

Franz Xaver Zürcher ist der erste Musikdirektor in der Geschichte der Theatergesellschaft. Er hinterlässt auch andernorts seine Spuren.

Raphael Biermayr
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Das Stadttheater Zug wird 1843 eröffnet und 1904 aus Sicherheitsgründen geschlossen. Heute steht an dieser Stelle das kantonale Verwaltungsgebäude am  unteren Postplatz.

Das Stadttheater Zug wird 1843 eröffnet und 1904 aus Sicherheitsgründen geschlossen. Heute steht an dieser Stelle das kantonale Verwaltungsgebäude am  unteren Postplatz. 

Bild: Zuger Neujahrsblatt

Am 25. Oktober 1809 hat es Franz Xaver Zürcher geschafft. Der 35-jährige Menzinger wird zum ersten Musikdirektor der Theatergesellschaft Zug gewählt. Das Komponieren überlässt er zwar seinem wohl talentierteren Zeitgenossen und Orchesterleiter Karl Oswald Keiser – der Freude an dieser Tätigkeit tut dies aber keinen Abbruch.

Fast neun Jahre lang bleibt Zürcher Direktor, dies allerdings nur freizeithalber. Sein Auskommen bestreitet er während dieser Zeit als Sprachlehrer an der Elementarschule. Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung verschlägt es ihn an den Bodensee, wo er seine beruflichen Wurzeln aufnimmt: In Arbon übernimmt der geweihte Priester 1818 eine Kaplanei. Der Ort ist nicht zufällig gewählt, wirkt in der Thurgauer Gemeinde mit Jakob Josef König doch ein ihm bekannter Pfarrer, der aus Oberägeri stammt.

Währenddessen geht es mit der Zuger Theatergesellschaft abwärts, denn auch Karl Oswald Keiser hat die Stadt verlassen. Es muss dringend frischer Wind reinkommen. Das bedeutet einerseits eine liberalere Haltung bei der Aufnahme von Neumitgliedern. Andererseits bedarf es eines neuen Lokals, denn die alte Metzgerei (heute befindet sich die Zuger Polizei im diesem Gebäude) hat endgültig ausgedient.

Nach gescheiterten provisorischen Lösungen entschliesst sich der in Theater- und Musikgesellschaft Zug umbenannte Verein im Frühjahr 1842 zu einem Neubau. Die Stadt zeigt sich äusserst kulturfreundlich, was nicht zuletzt auf die Besetzung des Gesellschaftsvorstands mit einflussreichen Persönlichkeiten zurückzuführen sein dürfte: Vier Tage nach dem Entscheid für einen Neubau liegt die Baubewilligung vor, der Stadtrat stellt zudem das Land und das benötigte Holz kostenlos zur Verfügung. Das Stadttheater wird am Postplatz gebaut und am 1. Januar 1843 eröffnet (heute befindet sich an dieser Stelle am unteren Postplatz das kantonale Verwaltungsgebäude).

Schwierigkeiten wegen einer Solistin

Ob Franz Xaver Zürcher diese Entwicklung mitverfolgt hat, ist offen. Er hat nach einigen Jahren in Arbon eine Stelle in Fribourg angetreten, wo er Kantor in der Kathedrale St. Nicolas ist. Einmal gerät der Menzinger in Schwierigkeiten: In den Ostertagen des Jahres 1828 setzt er in der Kirche eine nichtkatholische Solistin ein. Seine Vorgesetzten haben dafür allerdings kein Musikgehör, was sie ihn in einem geharnischten Brief wissen lassen. Daneben widmet er sich dort auch der weltlichen Musik und wird Mitglied – und später sogar Ehrenmitglied – der ansässigen Musikgesellschaft.

Als im ersten Zuger Stadttheater Aufführungen gezeigt werden, ist Franz Xaver Zürcher gezwungen, seine Verpflichtungen herunterzufahren. Er ist gesundheitlich schwer angeschlagen und wird zum Pflegefall. Der erste Musikdirektor der Theater- und Musikgesellschaft Zug stirbt am 13. Februar 1846 im Alter von 72 Jahren.

Die neunteilige Serie «Zeitreise» beleuchtet Persönlichkeiten, die im Kanton Zug oder daraus stammend Geschichte schrieben. Im 1. Teil lesen Sie heute über Franz Xaver Zürcher, den ersten Musikdirektor der Theatergesellschaft Zug. Quelle: 23 Lebensgeschichten, herausgegeben vom Regierungsrat des Kantons Zug, 1998.