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Ein Menzinger liefert sich ein Rennen in der Luft und zu Fuss

Martin Kempf ist ein begeisterter Gleitschirmpilot. Per Luft- und Fussweg will er in rund 14 Tagen Girona erreichen. Dabei liefert er sich ein Rennen mit einem guten Freund. Statt zu Fuss ist dieser aber mit dem Rollstuhl unterwegs.
Carmen Rogenmoser
Martin Kempf beim geglückten Flug vom Kilimanjaro. (Bild: Martin Kempf)

Martin Kempf beim geglückten Flug vom Kilimanjaro. (Bild: Martin Kempf)

Der Solothurner Stefan Keller plant ein aussergewöhnliches Rennen: Er will vom heimischen Weissenstein aus bis nach Girona in Katalonien kommen – mit dem Gleitschirm und mit dem Rollstuhl. Auf den Rollstuhl ist der 56-Jährige seit fast sechs Jahren angewiesen. Ein Sturz aus 20 Metern Höhe machte ihn zum inkompletten Paraplegiker. Dieser lebensverändernde Unfall hat ihn aber nicht davon abgehalten, wieder zu fliegen. Ganz im Gegenteil: «Ich will die Challenge nutzen, um eine bestimmte Idee zu promoten», erklärt er. Keller wünscht sich, dass Solothurn zur rollstuhlgängigsten und barrierefreundlichsten Kantonshauptstadt der Schweiz wird.

Damit das Vorhaben ein tatsächliches Rennen wird, braucht es natürlich Gegner. Die fand Keller in Thomas Zimmermann aus Meggen und Martin Kempf aus Menzingen. Mit dem Bauunternehmer und ehemaligen Gemeinderat ist Stefan Keller schon lange gut befreundet. Nun werden sie gegeneinander antreten. Am Samstag, 4. Mai, geht es los. Die Frage lautet dann: Wer schafft die rund 700 Kilometer über die Alpen und die Pyrenäen schneller, die Fussgänger-Gleitschirmpiloten oder der Rollstuhlfahrer-Gleitschirmpilot?

Auf der Strasse ist der Rollstuhlfahrer im Vorteil

«Hätte ich die Wahl, würde ich mir nicht Stefan als Gegner aussuchen», sagt Martin Kempf über seinen guten Freund. Er sei sich ziemlich sicher, dass der Rollstuhlfahrer als Sieger in Girona ankomme. «Mein Ziel ist es, in einem ähnlichen Zeitfenster einzutreffen.» Das wird rund 14 Tage nach dem Start der Fall sein. Die Strecke sei nicht einfach zu bewältigen, so Kempf (49). «Es gibt weite, sehr flache Abschnitte.» Wenn nicht geflogen werden kann, wird die Strasse genutzt. «Da hat Stefan Keller im Rollstuhl Vorteile», erklärt Kempf. Dieser könne in zweieinhalb Stunden rund 40 Kilometer weitkommen. «Ich schaffe in dieser Zeit vielleicht 10 bis 12 Kilometer.» Die Fussgänger wiederum haben einen Vorteil, wenn es darum geht, mit dem Gleitschirm an einen Startplatz zu kommen. Auch das Finden eines Landeplatzes sei für die Fussgänger einfacher, sagt der erfahrene Gleitschirmpilot. «Ich brauche zum Landen nicht viel Platz.» Genau darum gehe es bei der Challenge, erklärt Kempf: «Die Vor- und Nachteile von Fussgängern und Rollstuhlfahrern aufzuzeigen.»

Begleitet werden die Teilnehmer von Helfern, die ihnen mit Autos folgen. Diese seien beim Vorhaben unverzichtbar, immerhin sei das ganze Projekt eine logistische Herausforderung, so Stefan Keller. Martin Kempfs Helfer sind mit einem Wohnmobil unterwegs. Darin übernachtet er. Das verleiht ihm Unabhängigkeit: «Wenn ich am Abend irgendwo in der Höhe landen kann, bleibe ich dort und das Wohnmobil kommt zu mir, wenn das möglich ist», erklärt er. Stefan Keller hingegen plant, im Hotel zu übernachten.

Er werde eng mit den Unterstützern am Boden zusammenarbeiten, sagt Kempf. «Wir werden vor allem improvisieren müssen.» Vorausplanen lässt sich die Reisestrecke nicht. «Beim Fliegen sind wir abhängig vom Wetter, insbesondere vom Wind.» Sei es schön und thermisch optimal, können weite Strecken in der Luft zurückgelegt werden. Wenn nicht, dann geht es halt am Boden zu Fuss weiter. Über 750 Flüge hat Martin Kempf mit dem Gleitschirm bereits absolviert. «Technisch bin ich gut, ich habe viel geübt», sagt er. Dazu gehört etwa der Umgang mit unterschiedlichen Bedingungen.

Nicht das erste Abenteuer im Ausland

Zur Vorbereitung sei er im letzten Jahr beinahe jeden Abend auf die Rigi gelaufen und runtergeflogen. Angst habe er keine. «Ich gehe kein Risiko ein, das nicht kalkulierbar ist.» Das Fluggebiet über den Pyrenäen ist Kempf bisher wenig bekannt, im Ausland unterwegs war er aber schon öfters. So hat er etwa die Azoren überflogen. Im letzten Jahr bestieg der 49-Jährige den Kilimanjaro in Tansania – und flog mit dem Gleitschirm hinunter. «Das war ein ganz spezielles Erlebnis.» Die Chance, dass der Abflug gelingt, sei nicht gross gewesen. Das Risiko hat sich aber gelohnt.

Dasselbe gilt auch für die bevorstehende Challenge: «Es geht darum, flexibel zu sein, sich der Umgebung und den Umständen anzupassen. Daran habe ich Freude.» Umso schöner, wenn beim Abenteuer auf eine gute Sache aufmerksam gemacht werden kann. Die Reise nach Katalonien kann übrigens auch bequem von zu Hause aus beobachtet werden: per Live-Tracking. «Damit lässt sich jede Kurve, die wir machen, verfolgen.»

Weitere Infos sowie den Link zur Live-Tracking finden Sie unter www.weissenstein-girona.ch.

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