Ein Monopoly für die Bitcoin-Ära

Zwei Banker wollen Finanzthemen zugänglicher machen – auf spielerische Weise. Im Spiel kann unter anderem auch die Bossard-Arena in Zug gekauft und verkauft werden.

Federico Gagliano
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So sieht das Brettspiel «Token Economy » aus.

So sieht das Brettspiel «Token Economy » aus.

Bild: PD

Bitcoin und Blockchain – zwei Begriffe, über die man seit einigen Jahren immer häufiger stolpert. Und doch wissen viele noch nicht, was es damit auf sich hat. Felix Saible will das ändern: Sein Brettspiel namens «Token Economy» soll Kryptohandel und Tokenisierung spielerisch verständlich machen.

Saible, der Vollzeit als Senior Marketing Manager bei der Liechtensteiner Bank Frick arbeitet, wurde letztes Jahr mit der Komplexität des Themas konfrontiert. «Als Teilnehmer eines Blockchain-Lehrgangs der Uni Liechtenstein fiel mir auf, dass sich selbst Fachleute mit dem Thema schwertun», erzählt er. «Ich überlegte deshalb, wie man das alles einfacher vermitteln könnte.» Schon bald danach entwickelte er einen Spielmechanismus, der zur Grundlage von «Token Economy» wurde. Nachdem er seinen Arbeitskollegen Dominik Jocham, selbst Banker und begeisterter Brettspieler, und Designerin Loraine Olalia von der Idee begeistern konnte, gründete das Trio das Start-up «bots don’t cry». Denn «Token Economy» soll nur der Anfang einer ganzen Spielreihe sein, die sich mit Finanzthemen auseinandersetzt. «Fintainment» nennen die drei ihr neu geschaffenes Brettspielgenre, was für «Finance meets Entertainment» steht.

Sie haben «Token Economy» entworfen (v.l.): Loraine Olalia, Felix Saible, Dominik Jocham.

Sie haben «Token Economy» entworfen (v.l.): Loraine Olalia, Felix Saible, Dominik Jocham.

Bild: PD

Bossard-Arena steht zum Verkauf

Im Spiel startet man damit, Vermögenswerte zu erlangen. Diese können unterschiedliche Formen annehmen: Vom Nachtclub zur Bergbahn bis hin zum Lizenzrecht – mit allem kann gehandelt werden. Sogar die Zuger Bossard-Arena und die Luzerner Kapellbrücke stehen zum Verkauf. Nach dem Erwerb kann man Anteile an seinem Vermögenswert in Form von Tokens ausgeben, welche die anderen Spieler dann ebenfalls untereinander handeln können. Nebenbei sinkt und steigt der Kurs von fünf verschiedenen Kryptowährungen, in die man ebenfalls investieren kann. Ereigniskarten bringen noch eine zusätzliche Portion Glück ins Spiel. So muss man beispielsweise eine Runde aussetzen, wenn man als Redner auf einer Blockchain-Konferenz eingeladen wird.

Ein analoges Spiel für digitale Vorgänge – ist das nicht ein wenig Paradox? Saible sagt:

«Das mag ja sein, aber wenn die Leute etwas vor sich haben, das sie anfassen können, erleichtert es das Lernen.»

Um die richtige Balance zu finden, damit sowohl Laien als auch Experten ihren Spass am Spiel haben, hat Saible das Spiel an mehreren Spielabenden getestet, unter anderem im neuen Luzerner Spielmuseum Gameorama. Das Feedback sei lehrreich gewesen – und hat bereits Änderungen nach sich gezogen. Das Spiel hatte in einer ersten Fassung nämlich kein festgelegtes Ende. Saible wollte es den Spielern selbst überlassen, wann sie aufhören wollen. «Es kam aber von vielen die Rückmeldung, dass ein konkreter Endpunkt besser wäre», so Saible. Deswegen wurde nun ein Rundenzähler eingebaut.

Bild: PD

Enden wird in wenigen Tagen auch die Crowdfunding-Kampagne des Spiels, die dafür sorgen soll, dass «Token Economy» nächsten Frühling in die Läden kommt. 45'000 Franken benötigt Saible dafür – rund die Hälfte wurde bereits gesammelt. Falls er sein Spiel realisieren kann, hat er auch bereits Ideen für das nächste «Fintainment»-Spiel: Ein Kartenspiel, welches einen humorvollen Blick hinter die Kulissen der Banken werfen soll.