Ein neuer Hirse-Whisky aus Cham

Die IG Hirse aus Cham und die Distillerie Etter aus Zug bringen zusammen einen Hirse-Whisky auf den Markt.

Tijana Nikolic
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Bruno Werder (von links) von der Interessengemeinschaft Hirse, sein Sohn Peter Werder und Gabriel Galliker-Etter von der Distillerie Etter aus Zug.

Bruno Werder (von links) von der Interessengemeinschaft Hirse, sein Sohn Peter Werder und Gabriel Galliker-Etter von der Distillerie Etter aus Zug.

Bild: Stefan Kaiser (Cham, 9. Juni 2020)

Seit Mitte Mai liegt die diesjährige Hirsesaat im Boden des eineinhalb Hektaren grossen Hirsefelds der Familie Werder beim Bibersee in Cham. Dank des warmen Frühlings konnte die Biohirse dieses Jahr bereits etwas früher gesät werden. Landwirt Peter Werder werde das goldgelbe Chamer Traditionsgetreide voraussichtlich Mitte August ernten. «Pro Jahr produziert mein Sohn etwa drei bis fünf Tonnen Hirse», sagt der Vater Bruno Werder, ehemaliger Chamer Gemeindepräsident. Etwa zwei Tonnen Hirse waren nötig gewesen, um die von der Interessengemeinschaft Hirse (IG) aus Cham initiierte neue Hirsespezialität herzustellen: einen Hirse-Whisky.

Weitere Brennereien im Kanton Zug

(tn) Bereits seit dem 1. Juli 1999, als das Alkoholgesetz überarbeitet wurde und in der Schweiz Whisky gebrannt werden durfte, war für den Hünenberger Werner Limacher klar, dass es in Hünenberg einen Whisky brauche, nämlich den Chicken Hill Whiskey. Der Name Chicken Hill leitet sich von «Chicken-Hü(h)nen» und «Hill-Berg» ab. So entstand der Name für den Whisky aus Hünenberg. In den Jahren 2011, 2013 und 2015 wurde der Chicken Hill Whisky jeweils mit diversen Auszeichnungen und Medaillen von der Distisuisse gekrönt.

Nebst der Herstellung von edlen Fruchtdestillaten und Likören gehört auch das Whisky-Brennen zum Angebot der Lohnbrennerei von Arnold Keiser in Baar. Mit seiner mobilen Brennerei ist er immer wieder an Gewerbeausstellungen in der Region sowie bei der Konditorei Treichler zu Gast. Beim Schaubrennen kann jeder miterleben, wie aus Früchten Destillate entstehen.

Der Mount Rigi ist zwar kein Whisky, aber ein ebenso nennenswerter, türkisfarbener Aperitif. Vater Albert und Sohn Alexander Tichelli verbinden alpine Aromen mit traditionellen Zutaten in ihrem «Brennhüsli». Das «Brennhüsli» ist Teil des Zurlaubenhofs aus dem Jahr 1597 und beheimatet heute die Distillerie Mount Rigi.

Die IG unter der Leitung von Bruno Werder hat den feinen Tropfen in Zusammenarbeit mit der Distillerie Etter aus Zug kreiert. «Einen Whisky aus Hirse gibt es in ganz Europa nicht. Soweit ich weiss, gibt es in Kalifornien etwas Ähnliches», so Werder. Deswegen könne sich Gabriel Galliker-Etter, Geschäftsführer der Etter Söhne AG in Zug, durchaus vorstellen, das gebrannte Wasser aus Cham in die Ladenregale Europas zu platzieren.

Der Vorverkauf ist bereits im Gange

Bis der Whisky allerdings auf dem Markt ist, dauert es noch eine Weile. «700 Liter lagern in zwei grossen Fässern im Hause Etter für weitere eineinhalb Jahre», so Bruno Werder. Um den richtigen Geschmack und die richtige Farbe zu bekommen, müsse der Hirse-Whisky drei Jahre im Fass lagern. «Er ist jetzt noch milchig trüb, wird aber noch dunkel vom Fass. Jeder Whisky ist direkt nach dem Brennen noch glasklar», so Galliker-Etter. Vor Weihnachten 2021 werde er einen ersten Teil der total 700 Liter in nummerierte Sieben-Deziliter-Flaschen abfüllen. Erste Kostproben hätten auf einen sehr feinen Geschmack hingedeutet. «Er ist hochprozentig, wir liegen momentan bei 66 Prozent Volumen. Gleichzeitig ist er auch sehr weich im Geschmack», verrät Galliker-Etter. Reservationen in nummerierten Flaschen für 119 Franken seien bereits möglich. «An unserem Stand am Weihnachtsmarkt in Cham und am Chomer Märt konnten wir der Bevölkerung von einer Fassprobe einschenken. Der Whisky kam gut an und wir haben bereits 25 Flaschen vorverkauft», freut sich Werder.

Lange Hirse-Tradition in Cham

(tn) Die IG Hirse ist eine Interessensgemeinschaft zur Förderung des regionalen Hirseanbaus, der Wertschätzung der Verarbeiter und der Aufrechterhaltung der Chamer Hirsetradition. Denn die Traditionsgeschichte geht lange zurück: Rispen- und Körnerfunde in verschiedenen Verarbeitungsstufen bei Ausgrabungen Zug-Sumpf weisen die Hirse als Nahrungsmittel im Pfahlbaudorf nach, heisst es auf Chamapedia.

Ebenfalls deutet noch heute der Name der Parkanlage «Hirsgarten» auf die damalige Bedeutung des Getreides für Cham hin. Bis ins 17. Jahrhundert wurde am 22. Juni, dem «hirs-tag», Hirse gekocht und als Almosen an die Armen verteilt. Den Zugern missfiel, dass dieser Tag auch auswärtige Bettler anzog, die sich in Cham verköstigten.

Ausserdem stellte die Fasnachtsgesellschaft Hirselarius während der vergangenen 30 Jahre die Hirse als Sujet ins Zentrum des bunten Treibens. Bis vor einigen Jahren hat sich die Chamer Bevölkerung an der Fasnacht sogar im Hirse-Wettkochen gemessen.

Gross Geld damit zu machen, war jedoch nie das Ziel: «Wir fanden die Idee einfach lässig, nach dem Hirsebier, das mit der Brauerei Baar zusammen entstand, wieder etwas Neues aus Hirse herzustellen», so Werder. Wegen der Jahrhunderte alten Hirsetradition(siehe Box) gäbe es in Cham in diversen, regionalen Läden und Restaurants Hirseprodukte, wie Gipfeli, Hirsebärli oder Grittibänz zu kaufen. Auch Hirsewürste würden am Chomer Märt angeboten werden. «Wir von der IG haben uns eingesetzt, dass wir regionale Anbieter, wie die Bäckerei von Rotz oder die Bäckerei Nussbaumer für unsere Gemeinschaft gewinnen», erklärt Werder. Auch Martin Uster von der Brauerei Baar, der das inzwischen bekannte Hirsebier gebraut hat, sei bei ihnen vertreten.

Aufgrund ihrer glutenfreien Eigenschaft sei die Hirse in den letzten Jahren zunehmend beliebter geworden. «Sie wird auch auf dem Feld von keinen Krankheiten oder Parasiten befallen», weiss Werder. Ausserdem wirken sich sehr warme Temperaturen gut auf das Hirsegetreide aus und es hat keine grossen Ansprüche beim Anbau.

Hinweis: Infos zur IG Hirse unter werder.bruno@bluewin.ch oder Telefon 079 256 00 98. Vorbestellungen unter www.etter-distillerie.ch oder Telefon 041 748 51 51.

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