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Ein neues Kleid für den Turm der Unterägerer Marienkirche

Der Turm der Kirche an der Alten Landstrasse ist zurzeit eingerüstet. Die Abdeckung und der Verputz müssen ersetzt werden.
Rahel Hug
Alfred Meier, Bauverwalter der katholischen Kirche Unterägeri, zeigt die Turmspitze.(Bild: Stefan Kaiser, Unterägeri, 11. September 2019)

Alfred Meier, Bauverwalter der katholischen Kirche Unterägeri, zeigt die Turmspitze.(Bild: Stefan Kaiser, Unterägeri, 11. September 2019)

Der Aufstieg über das Gerüst bis zur Turmspitze der Unterägerer Marienkirche hat es in sich. Je höher, desto windiger und wackliger wird es. Oben wird man mit einem prächtigen Panoramablick über das Dorf und den Ägerisee belohnt. Die Bauarbeiter, die zurzeit hier am Werk sind, müssen schwindelfrei sein. In 30 Metern Höhe zu arbeiten, ist nicht jedermanns Sache.

An der Abdeckung des Zwiebelturms zeigt sich, was Wind und Wetter in all den Jahren angerichtet haben. Die roten Schindeln aus Zink sind in einem schlechten Zustand. «Sie sind zum Teil lose, Nägel haben sich gelöst. Man kann sich fast nicht vorstellen, welche Kraft der Wind hier oben hat», erklärt Alfred Meier, Bauverwalter der katholischen Kirche Unterägeri. Man habe im Innern des Turms Feuchtigkeit festgestellt, da die Abdeckung zum Teil undicht sei. Aus diesen Gründen ist ein Ersatz nötig.

Blick von unten auf den eingerüsteten Kirchturm. (Bild: Stefan Kaiser, Unterägeri, 11. September 2019)

Blick von unten auf den eingerüsteten Kirchturm. (Bild: Stefan Kaiser, Unterägeri, 11. September 2019)

Enge Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege

Damit der Kirchturm sein Erscheinungsbild bewahrt, werden alle Entscheide in enger Absprache mit der kantonalen Denkmalpflege gefällt. Die alten Schindeln wurden alle von Hand geschnitten, wie sich beim genauen Betrachten zeigt. So sind sie genau den Wölbungen und Kanten des Turms angepasst. «Ich habe grosse Ehrfurcht davor, wie früher gearbeitet wurde. Das muss ein unglaublicher Aufwand gewesen sein», sagt Meier. Da sich Zink heute als Material nicht mehr bewähre, werde man Kupfer für die neue Eindeckung verwenden. Auf den roten Anstrich wird verzichtet, da man herausgefunden hat, dass vor 1975 der Turm auch nicht rot war, sondern zinkfarben. Nach Jahren der Bewitterung wird so der Turm ähnlich wie früher aussehen. Damit die Arbeiter dem Wetter nicht voll ausgesetzt sind, wurde über dem Zwiebelturm ein Notdach errichtet.

Die Zink-Schindeln am Zwiebelturm sind schätzungsweise etwa hundertjährig. (Bild: Stefan Kaiser, Unterägeri, 11. September 2019)

Die Zink-Schindeln am Zwiebelturm sind schätzungsweise etwa hundertjährig. (Bild: Stefan Kaiser, Unterägeri, 11. September 2019)

Die Abdeckung ist nicht das einzige Sorgenkind des Kirchenrats. Auch der Verputz des Turms muss komplett erneuert werden. Dies obwohl er bereits vor rund zehn Jahren saniert wurde. «Leider wurden die Arbeiten damals unfachmännisch ausgeführt», bedauert Meier. «Teile des Verputzes haben sich gelöst und sind auch schon heruntergefallen.» Zudem fehlen so genannte Tropfnasen bei den drei Sandsteingesimsen. Das führt dazu, dass das Regenwasser nicht richtig ablaufen kann und dadurch unschöne Rückstände an den Mauern entstehen.

«Der Verputz wurde komplett abgeschliffen. In einem nächsten Schritt werden verschiedene Arten von Verputz ausprobiert», erläutert der Bauverwalter das Vorgehen. Das sei wichtig, denn schliesslich will man nicht nochmals die gleichen Fehler wie vor zehn Jahren machen. Zudem werden, ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege, neue Tropfnasen eingesetzt.

Die Kirche wurde mehrmals umgestaltet

Die Marienkirche an der Alten Landstrasse wurde 1721 eingeweiht. Trotz verschiedener Umgestaltungen in der folgenden Zeit hat sich der Baukörper weitgehend in seinem ursprünglichen Zustand erhalten, wie im Buch «Mittelalterliche Kirchen und die Entstehung der Pfarreien im Kanton Zug» nachzulesen ist. «Eine sichtbare Änderung bedeutete hingegen das zwischen 1753 und 1755 auf den Turm gesetzte, mit einer Kuppelhaube bedeckte Glockengeschoss», heisst es im Buch. Darauf bezieht sich vermutlich die Zahl 1754, die unter einem der vier Zifferblätter der Turmuhr zu sehen ist.

Unter einem der Zifferblätter ist die Zahl 1754 aufgemalt. Sie könnte sich auf den Bau des Glockengeschosses beziehen. (Bild: Stefan Kaiser, Unterägeri, 11. September 2019)

Unter einem der Zifferblätter ist die Zahl 1754 aufgemalt. Sie könnte sich auf den Bau des Glockengeschosses beziehen. (Bild: Stefan Kaiser, Unterägeri, 11. September 2019)

Laut Anke Köth, Bauberaterin beim Amt für Denkmalpflege und Archäologie, erfolgte eine Gesamtrestaurierung 1977/79 durch den Architekten Hans Steiner aus Brunnen. Zu früheren Sanierungen gibt es keine Unterlagen im Archiv. Der Putz wurde bei der Gesamtrestaurierung ebenfalls erneuert. «Die Zink-Schindeln an der Zwiebel sind nach Angaben des Unternehmers grob geschätzt etwa hundertjährig», informiert Anke Köth. Sie erhielten bei der Renovation 1977/79 ihre rote Farbe, vermutlich als Schutz. Der schlanke Turmhelm an der Spitze ist mit Kupferblechen mit Schindelprägung gedeckt. Nach den Alterungsspuren könnten sie laut Köth von der Sanierung in den 1970er-Jahren stammen.

Auf die Frage nach den grössten Herausforderungen bei den laufenden Arbeiten sagt die Fachfrau: «So wenig wie möglich, so viel wie nötig zu tun.» Die Herausforderung sei, die Eingriffe gering zu halten, zudem aber alles zu tun, um den Bestand des Denkmals möglichst schadenfrei zu sichern.

Prächtige Aussicht auf das Dorf: Die Pfarrkirche ist vom Gerüst aus gut zu sehen. (Bild: Stefan Kaiser, Unterägeri, 11. September 2019)

Prächtige Aussicht auf das Dorf: Die Pfarrkirche ist vom Gerüst aus gut zu sehen. (Bild: Stefan Kaiser, Unterägeri, 11. September 2019)

Die aktuellen Bauarbeiten kosten insgesamt 300100 Franken. Der Kredit wurde an der Versammlung der Kirchgemeinde vom 25. Juni genehmigt. Das Gerüst wurde Ende August gestellt. Geht alles nach Plan, werden die Arbeiten laut Alfred Meier in zwei bis drei Monaten abgeschlossen sein.

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