Ein neues Zuger Leuchtturmprojekt: Mit Bitcoins die Steuern begleichen

Firmen, welche sich mit digitalen Währungen befassen, gibt es in der Lorzenebene sehr viele. Beim Kanton lassen sich ab 2021 Steuerschulden mit Bitcoins und Ether bezahlen.

Marco Morosoli
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Hitparaden, bei welchen die Stadt Zug, eine der zehn anderen Gemeinden oder der Kanton Zug als Ganzes nicht auf dem 1. Platz steht, sind rar. Interne Rennen um den Platz an der Sonne gibt es hingegen häufig. Bei der Stadt Zug können seit 2016 gewisse Dienstleistungen mit Bitcoin beglichen werden (siehe Box). Damals hiess es, dass es sich sogar um eine Weltpremiere handle.

Der Kanton Zug hat nun zum Überholen der Stadt Zug angesetzt. Er akzeptiert ab Februar 2021 Bitcoins oder Ether, um die Steuerrechnung zu bezahlen. Bei der Stadt Zug können seit 2016 gewisse Dienstleistungen mit Bitcoin beglichen werden.

Der Kanton Zug holt sich einen Pionier als Partner

Das hat der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler am Donnerstag an einer Pressekonferenz im Regierungsgebäude am unteren Postplatz verkündet. Tännler versteht dies als Referenz an das Crypto Valley, welches in den vergangenen Jahren in der Lorzenebene entstanden ist. Mittlerweile sollen sich bis gegen 400 Unternehmen mit digitalen Währungen befassen.

Der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler.

Der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 24. März 2020)

Die Bitcoin Suisse gehört dabei zu den Pionieren in diesem Geschäft. Im Jahre 2013 gegründet, hat sich die Firma mittlerweile einen Ruf geschaffen, dem der Kanton Zug nun bei der innovativen Lösung der Begleichung von Steuerrechnungen vertraut. Der Bitcoin-Suisse- CEO Arthur Vayloyan verspricht: «Die Kombination von Handelstechnologie und Zahlungsverkehr mit Kryptowährungen ermöglicht es uns, dem Steuerzahler eine gute Benutzererfahrung und dem Kanton Zug einen ausgereiften Service zu bieten.» Aufgrund ihrer Beständigkeit in diesem Markt, kommt die Wahl von Bitcoin Suisse nicht überraschend. Das Zuger Unternehmen hat rund um Bitcoin viele Erfahrungen gesammelt und bemüht sich derzeit um die Schweizerische und Liechtensteinische Banklizenz.

Die Zeichen erkannt

Die Stadt Zug hat im Jahre 2016 als erste Stadt der Welt die Währung Bitcoin akzeptiert. Wie der Vorsteher des Finanzdepartements der Stadt Zug erklärt, sei es damals in erster Linie 
darum gegangen, Erfahrungen mit einer neuen Zahlungsart zu machen. Die Einnahmen bewegen sich laut Stadtrat André Wicki im vierstelligen Bereich. Zudem erwähnt der städtische Finanzvorsteher, dass sich die Einzahlung kleinerer Beträge nicht lohne. Wicki sagt auch: «Mit der Medienmitteilung im Jahre 2016 hat die Stadt sicher dazu beigetragen, dass von den 800 Crypto- und Blockchain-Firmen in der Schweiz rund 400 im Kanton Zug ansässig sind. Die Kontakte der Stadt zu dieser Branche seien gut. André Wicki: «Die Stadtverwaltung Zug ist Teil des Crypto Valley.» Zudem habe sich Bitcoin weltweit und auch in der Schweiz stark entwickelt. (mo)

Bekanntermassen sind virtuelle Währungen starken Preisschwankungen unterworfen. So kostete ein Bitcoin Mitte Dezember 2017 einmal rund 20000 Franken. Der aktuelle Wert liegt bei etwa der Hälfte. Doch der Zuger Finanzdirektor muss künftig nicht vor dem Griff zum Morgenkaffee zuerst die Kurse der verschiedenen virtuellen Währungen abchecken. Bitcoins oder Ether-Geld ist das Geschäft der Bitcoin Suisse und derjenigen Person, welche die Steuern begleichen will. «Wir gehen also mit der neuen Zahlungsmethode kein Risiko ein, da wir den Betrag auch bei einer Bezahlung in Bitcoin oder Ether immer in Schweizer Franken erhalten», erklärt Heinz Tännler.

Damit die ganze Transaktion so schlank vonstatten gehen kann, muss die Zuger Steuerverwaltung einzig noch einen QR-Code generieren. Bestellen muss dieser der Steuerzahler, welcher seine Schulden gegenüber dem Gemeinwesen auf die neue Art begleichen will. Es gilt zudem eine Höchstsumme von 100000 Franken, welche auf die virtuelle Art ins Steueramt transferierbar sind. Eine Aufsplittung ist gemäss dem Zuger Finanzdirektor nicht möglich. Da der Kanton ja letztendlich wieder Schweizer Franken erhält, müssen weder Gesetze noch Verordnungen angepasst werden. Wie viele Steuersubjekte die neue Zahlungsmethode wählen, das kann der Zuger Finanzdirektor nicht sagen.

Die Pressemitteilung ist auch in Englisch verfügbar

Was er aber weiss und gerne sagt: Der Kanton Zug ist der einzige Kanton in der Schweiz, in dem derzeit Steuerschulden mittels digitalen Währungen beglichen werden können. Der Kanton Zug hat somit die nächste Spitzenposition ergattert. Die Kundschaft, welche der Kanton im Fokus hat, spricht Englisch. Die Pressemitteilung ist – in diese Sprache übersetzt – auf der Seite des Kantons aufgeschaltet.

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