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Leserbrief

Ein Pulverfass mitten in Europa

«Ein Land verspielt seine Zukunft», Ausgabe vom 5. Oktober

Rudolf Gruber macht sich berechtigt grosse Sorgen um die Zukunft der Völker von Bosnien und Herzegowina. Seine Aussage am Anfang des Artikels ist aber dominant und erklärt die Ursache dieses Zustands: «Als 1995 der Friedensvertrag von Dayton den dreieinhalbjährigen Loslösungskrieg von Jugoslawien beendete, erwarteten die westlichen Friedensmächte, Muslime, Serben und Kroaten würden sich schon noch einigen und sich zu einem gemeinsamen Staat bekennen.» Was für ein Widerspruch in diesen Erwartungen von westlichen Friedensmächten und insbesondere Bill Clinton, der auf diesen Vertrag drängte. Man hat sich von Jugoslawien loslösen wollen, gerade weil man nicht mehr in so einem Pseudoföderalen (Nationen, Religionen) Staat gemeinsam leben konnte.

Und nicht zu vergessen: Der Vertrag wurde unmittelbar nach dem Massaker von Srebrenica unterzeichnet und von Slobodan Milosevic mit unterschrieben. Wenn die erwartete Kohäsion zwischen den drei Völkergruppen im jugoslawischen Bosnien und Herzegowina noch rudimentär funktionierte, wurde diese nach dem Krieg im Jahr 1995 total verloren. Die Adhäsionen zwischen der kroatischen und serbischen Bevölkerung zu ihren selbstständig gewordenen Staaten Kroatien und Serbien sind selbstverständlich noch mehr gestiegen. Die Muslime dagegen erinnern sich plötzlich an ihre osmanischen Wurzeln und werden auch ohne ihre eigene Initiative von Erdogan «unterstützt».

Da zurzeit noch immer keine Bereitschaft der drei erwähnten Völkergruppen, zusammen in einem Staat zu leben, vorhanden ist, weil die Wunden des Krieges noch immer zu frisch sind und die wahren Schuldigen für Gräueltaten in Srebrenica nicht einzeln verurteilt wurden, sondern sich in ihrer Republika Srpska verstecken können, bleibt Bosnien und Herzegowina auch nach den Wahlen ein Pulverfass mitten in Europa. Die EU weiss es und tut nichts! Man wartet, wie Herr Gruber richtig feststellt, dass zuerst Putin aktiv wird und dann wird die EU sich auch aktivieren, nicht wegen Bosnien und Herzegowina, sondern wegen Putin und seinem Einfluss wohlverstanden.

Eugen Verhar, Oberägeri

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