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Sommerserie «Miis Bänkli»:
Ein Rendez-vous mit dem Junikäfer

In der Nähe des Siedlungsgebietes und dennoch mitten im Grünen steht mein Bänkli. Das Bänkli an der Lorze ist seit vielen Jahren Ort der Ruhe und guten Gesellschaft.
Vanessa Varisco
Das Bänkli an der Lorze ist gleichermassen Pol der Ruhe und Startsignal zur Höchstleistung. (Bild: Werner Schelbert (Baar, 17. Juli 2018))

Das Bänkli an der Lorze ist gleichermassen Pol der Ruhe und Startsignal zur Höchstleistung. (Bild: Werner Schelbert (Baar, 17. Juli 2018))

Im Rücken das Rauschen der Lorze, an warmen Sommerabenden zirpen die Grillen und bei Föhnlage reicht der Blick bis ins Berner Oberland zu Eiger, Mönch und Jungfrau. Überdacht von einer riesigen Baumkrone liegt mein Bänkli idyllisch am Flussufer, bei Sonnenuntergang wirkt die Stimmung beinahe pathetisch. Spätestens bei Einbruch der Dunkelheit wird es dann aber doch ungemütlich, da die brummenden Junikäfer in Schwärmen auf mich herabstürzen. Trotz des versandeten und kiesigen Weges gilt es, möglichst schnell barfuss vor den grossen Fliegern zu flüchten.

Etwas betagt ist die Sitzgelegenheit ausserdem, das Holz blättert bereits etwas ab und knirscht dann und wann. Anders als die knallroten Bänkli ist meines aus der Ferne kaum zu erkennen, verschmilzt fast mit der Umgebung. Nichtsdestotrotz ist es ein Genuss gegen Abend im kühlen Sommerwind noch eine halbe Stunde die Ruhe zu geniessen, nach einer wohltuenden Abkühlung im Fluss. Gemütlich spaziere ich eine Runde, bevor ich mich hinsetze. Abschalten und die Seele baumeln lassen – und das, obwohl, ich in meiner Freizeit sonst keine fünf Minuten stillsitzen kann.

Eine beliebte Strecke für den Morgensport

Denn eigentlich sitze ich weniger auf dieser Bank, als dass ich frühmorgens an ihr vorbeijogge. Egal, in welche Richtung ich losziehe, an dieser Bank führt mich mein Weg stets vorbei. Jeden Morgen trabe ich an ihr vorbei flussaufwärts, und wenn ich sie auf dem Heimweg erneut passiere, setzte ich zum Endspurt an. Meistens gibt es in diesen frühen Morgenstunden nur uns zwei, die Bank und mich, ab und an ist sie besetzt von einem anderen Frühaufsteher, der mit verschränkten Armen und gesenktem Gesicht ein paar Minuten an diesem schönen Flecken Erde döst. Erschrocken schnellt er empor, wenn ich an ihm vorbeisprinte, blinzelt verwirrt und grüsst verschlafen. Und als er sich aufrappelt, bin ich längst vorbei, bereit den Rest des Tages in Angriff zu nehmen.

Pol der Ruhe und Startsignal zur Höchstleistung – mein Bänkli in Deinikon kann beides, was nicht nur ich erkannt habe. Etliche andere Läufer ziehen Tag für Tag daran vorbei und abends sitze ich selten allein auf der Bank. Spaziergänger, magisch angezogen von dieser Bank, leisten mir Gesellschaft, berichten mir von Gott und der Welt, bis sich unsere Wege wieder trennen oder die herumschwirrenden Junikäfer unser Plauderstündchen unterbrechen. Doch sind sie nicht die einzige tierische Gesellschaft, hechelnd und schwanzwedelnd jagen die Vierbeiner mir entgegen, umkreisen das Bänkli ein, zwei Mal und preschen dann wieder aufs offene Feld hinaus.

Hinweis

In der Sommerserie «Miis Bänkli» erzählen die Redaktoren der «Zuger Zeitung» eine Geschichte zu ihrem Lieblingsbänkli.

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