Ein Ritterschlag für die Burg

Drucken
Teilen

Zug/Zagreb Allein eine Nominierung ist schon eine grosse Ehre: Seit 40 Jahren vergibt das European Museum Forum (EMF) den European Museum of the Year Award (EMYA) an ein Museum, das entweder neu eröffnet worden ist oder sein Ausstellungskonzept grundlegend umgestellt und modernisiert hat. Rund 200 Museen aus allen Ecken Europas haben sich für den Award 2017 beworben, der Anfang Mai in Zagreb vergeben worden ist. Ausgewählt waren schliesslich 49 Häuser, darunter auch das Museum Burg Zug.

«Unsere Nominierung für den ‹Oscar der Museen› ist eine Topauszeichnung», sagt Museumsdirektor Marco Sigg, der gemeinsam mit fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in die kroatische Hauptstadt gereist ist. «Dass unsere Burg in die engere Wahl für den Award gekommen ist, zeigt, dass wir mit den führenden Häusern Europas mithalten können.» Dass es für den Hauptpreis nicht reichen konnte, dessen ist sich Marco Sigg bewusst. «Dafür hätte die Burg Zug die Voraussetzungen dann doch nicht erfüllen können. Die sind zu hoch angesichts unserer Platzverhältnisse und Möglichkeiten hier in Zug.» Die Nominierung sei einerseits der Bekanntheit des Zuger Museums zuträglich, und andererseits sei es ein aussagekräftiges Qualitätssiegel, das bezeugt, welch hohen Standard die Ausstellungen erfüllen.

Schweizer Museen auf hohem Niveau

«Motiv für die Bewerbung beim EMF war für mich das vor drei Jahren erneuerte Ausstellungskonzept der Burg Zug», sagt Marco Sigg. Eingereicht hätten er und seine Leute ein umfangreich bebildertes Dossier auf Englisch. Nach der Auswahl sei schliesslich ein EMF-Juror nach Zug gekommen und habe sich das Haus angeschaut.

Nachdem sie schliesslich mit der Burg-Zug-Delegation nach Zagreb gereist waren, hätten sie zu zweit das Zuger Museum im Rahmen einer dreiminütigen Präsentation vorgestellt und ein Interview mit einem Juror geführt. «Im Gespräch mit der Jury zeichnete sich ab, dass die Schweizer Museen grundsätzlich auf einem hohen Niveau sind», rekapituliert Sigg. So sind heuer denn auch zum ersten Mal gleich zwei EMF-Hauptpreise in die Schweiz gegangen: Europäisches Museum des Jahres 2017 ist das Ethnografische Museum in Genf, und die Vogelwarte Sempach ist mit dem Sustainability Award für ihr Engagement in Sachen Nachhaltigkeit ausgezeichnet worden. Nicht nur war die Reise der Zuger «Burg-Abgeordneten» nach Zagreb für die Entgegennahme der Urkunde ein ehrenvoller Gang, man nutzte den Anlass, um sich zu vernetzen und mit anderen Museen Europas auszutauschen. «Es war sehr aufschlussreich, zu erfahren, wie andere ihren Betrieb führen. Andere Länder, andere Museumskonzepte sozusagen», zieht Marco Sigg ein Fazit. So setze man mancherorts unter anderem auf die Mitwirkung auf Freiwilligenbasis, oder man fahre ein integratives Konzept, bei dem man Menschen mit einem zur Ausstellung passenden Hintergrund mit einbinde.

Die Bevölkerung integrieren

Für das Museum Burg Zug zeichnet sich denn auch eine konkrete Stossrichtung ab. Sigg: «Wir wollen noch stärker nach aussen wirken, noch stärker auf Vermittlung setzen, die Bevölkerung mit einbeziehen und mit ihr interagieren.» Und genau das mache die kommende Ausstellung «Anders. Wo. Zuger Aus- und Einwanderergeschichten», die derzeit intensiv vorbereitet wird (siehe Haupttext).

 

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch