Ein Sattelschlepper transportierte die Skulptur fürs Eidgenössische Schwingfest zum Stierenmarktareal

Dort wird sie am Freitag, 9. August der Öffentlichkeit präsentiert, bevor sie später auf dem Kreisel vor dem Einkaufszentrum Herti platziert wird.

Fabian Gubser
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Die drei auf vier Meter grosse Esaf-Skulptur wurde am Mittwoch auf dem Stierenmarktareal abgeladen. Dort wird sie am Freitag, 9. August dann enthüllt. (Bild: Maria Schmid, Zug, 7. August 2019)

Die drei auf vier Meter grosse Esaf-Skulptur wurde am Mittwoch auf dem Stierenmarktareal abgeladen. Dort wird sie am Freitag, 9. August dann enthüllt. (Bild: Maria Schmid, Zug, 7. August 2019)

Um Viertel nach Neun fährt ein 630 PS starker Sattelschlepper auf das Stierenmarktareal in Zug ein. Seine Last: die Esaf-Statue des Chamer Bildhauers Stephan Schmidlin. Langsam steuert Chauffeur Raymond Mathieu den mächtigen Lastwagen rückwärts auf die grosse Wiese. «Natürlich ist so eine Fahrt eine grosse Ehre», wird Mathieu später sagen. Normalerweise transportiert er noch grössere Dinge wie Brücken oder gar Kräne.

Auf dem Stierenmarktareal herrscht ein reges Treiben: Handwerker und Zivilschützer bauen Zelte und Holzhütten auf. Sie rangieren Holzpaletten und klettern waghalsig auf den steilen Dächern der Bauten umher. Es nieselt. Irgendwo kämpft ein Radio mit Rockmusik gegen die düstere Stimmung, die das Wetter verbreitet. Natürlich ist auch Stephan Schmidlin vor Ort. Schwarz angezogen, ganz der Künstler.

Statue sitzt für einfachen Transport auf Metallgerüst

Neben dem Sattelschlepper, der unterdessen in die richtige Position gebracht worden ist, hat sich bereits der Pneukran in Stellung gebracht. Ein Mitarbeiter des Transportteams legt Metallplatten auf den Rasen. Auf Knopfdruck fahren die seitlichen Stützen aus und setzen sich auf sie. Der Motor des imposanten Gefährts brummt lauter, als Kranführer Urs Küng seine Maschine anhebt. Die Räder berühren den Boden jetzt nicht mehr.

Damit die zehn Tonnen schwere Statue unkompliziert gehoben werden kann, montierte sie ihr Erschaffer Schmidlin auf ein Metallgerüst. Jetzt schiebt der Künstler zusammen mit dem Transportteam lange Rohre durch das Gerüst hindurch. An diesen befestigen die Männer nun die Seile des Krans. Die Seile spannen sich. Langsam steigt die Skulptur in die Lüfte. Küng führt sie mit seinem Kran etwas in die Mitte des Platzes. «Weil sie nicht überall gleich schwer ist, mussten wir darauf achten, dass sie nicht umfällt», sagt Kranführer Urs Küng im Rückblick. Um flexibler zu sein, ist er mit einem grossen Kran aufgefahren. Denn mit kleineren Kränen könne man die Last nicht sehr weit bewegen.

(Bild: Maria Schmid, Zug, 7. August 2019)
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(Bild: Maria Schmid, Zug, 7. August 2019)
Transporteure und Künstler Stephan Schmidlin. (Bild: Maria Schmid, Zug, 7. August 2019)
(Bild: Maria Schmid, Zug, 7. August 2019)
(Bild: Maria Schmid, Zug, 7. August 2019)
(Bild: Maria Schmid, Zug, 7. August 2019)
(Bild: Maria Schmid, Zug, 7. August 2019)

(Bild: Maria Schmid, Zug, 7. August 2019)

Schmidlins Vorbereitung begann bereits am Dienstag

Nach einer knappen Stunde steht die Statue an ihrem vorgesehenen Platz. Küng dazu: «Ich musste beim Anheben speziell darauf achten, dass nichts kaputt geht.» Kurz davor rückte Stephan Schmidlin mit dem Transportteam die Skulptur in die gewünschte Richtung. Schliesslich soll sie den Besuchern nicht den Rücken zudrehen.

Für Künstler Schmidlin begann der Transport bereits am Dienstagabend, als er die Skulptur aus seinem Atelier auf dem Papieri-Areal in Cham hinausbugsierte. Dafür hob er die Statue mittels einer Art Autoheber an. Im Anschluss platzierte er mit Helfern sogenannte Panzerrollen unter der Skulptur, auf denen er sie gemächlich aus dem Atelier rollte.

Auch die Transporteure mussten Vorarbeit leisten: Vor drei Wochen fuhr Küng die Strecke ab, um sicherzugehen, dass die Skulptur überall hindurch passt – auch bei Unterführungen. Weil die Statue Überhöhe und Überbreite hat, musste bei der Polizei eine Spezialbewilligung eingeholt werden.

Bald steht die Skulptur wieder woanders

Wie fühlt sich Schmidlin nach getaner Arbeit? «Fünf Jahre sind eine lange Zeit. Ich bin froh, dass die Statue jetzt hier ist», sagt der drahtige 56-Jährige, der früher Kunstturner war. Das Schönste sei, dass die Menschen die Skulptur endlich sehen könnten und dass sie nicht irgendwo in einem Tresor stehe.

Als Ausgangsmaterial diente Schmidlin das Holz eines 130 alten Mammut-Baumes. Dieser wurde 2017 auf dem Nestlé-Areal in Cham wegen Pilzbefalls gefällt. Das Holz hatte sich für den Bildhauer als Glücksgriff erwiesen, denn es wies die für sein Schaffen nötige Qualität auf. Auch damals schon war Kranführer Küng mit seinem Team dabei. Die Statue ist vier Meter hoch und drei Meter breit. Sie zeigt zwei Schwinger auf einem Sockel vor dem Schweizer Kreuz. Noch ist Stephan Schmidlins Werk verhüllt. Am Freitag wird es im Stierenmarktareal zusammen mit dem Gabentempel der Öffentlichkeit präsentiert.

Während des Esaf wird die Skulptur auf dem Kreisel vor dem Einkaufszentrum Herti zu sehen sein. Schmidlin sagt, dass ihm als Standort auch der Kreisel beim Stierenmarkt gefallen hätte. Dort stehen aber schon die Stiere. Er sei trotzdem zufrieden, weil der definitive Platz direkt an der Fanmeile liege. «Ich bin gespannt auf die Reaktionen, auch auf die der Schwinger – sie werden schon sagen, wenn ein Griff nicht stimmt», sagt der Künstler schmunzelnd.